https://www.faz.net/-gtm-86nm5

4:0 gegen Gladbach : Dortmunder Volldampf-Fußball

Wie im Rausch: Die Dortmunder hatten viel Spaß beim Saisonstart. Bild: Reuters

Ein Tor fehlt nur, um den FC Bayern an der Tabellenspitze einzuholen: Dortmund deklassiert die Borussia aus Gladbach und beschert dem neuen Trainer Thomas Tuchel einen perfekten Einstand beim BVB in der Bundesliga.

          3 Min.

          Der Druck im Kessel war schon vorher leicht erhöht. Auf 81.359 Zuschauer haben die Dortmunder zu dieser Saison die Kapazität des ohnehin schon größten deutschen Stadions gesteigert, rund 800 mehr als bisher. Selbstredend war die Arena zur Premiere ausverkauft, und was die Anhänger der schwarzgelben Borussia und der vom Niederrhein am Samstagabend erlebten, war mehr als nur ein Paukenschlag zum Liga-Auftakt.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Mit Volldampf-Fußball allererster Güte haben die Dortmunder den in der vergangenen Saison an Mönchengladbach verlorenen Innovationsvorsprung zurückerobert. Und so eindrucksvoll wie der BVB dieses als Duell unter Gleichen erwartete Bundesligaspiel dominierte – mit einem lust- und kraftvollen Fußball, wie man ihn in den schönsten Momenten unter Jürgen Klopp nicht hinreißender serviert bekam –, wirkte es zugleich wie ein Statement über den Tag hinaus.

          Dem neuen Trainer Thomas Tuchel jedenfalls dürfte dieser Abend als derjenige in Erinnerung bleiben, an dem er zum ersten Mal die volle Dortmunder Dröhnung zu spüren bekam. Die Tore von Marco Reus (15. Minute), Pierre-Emerick Aubameyang (21.) und Henrich Mchitarjan (33.) ließen den Dortmunder Teil des Publikums schon vor der Pause schier aus dem Häuschen geraten, Mchitarjan erhöhte später gar noch auf 4:0 (50.). „Wir haben heute einen super Start in die Saison hingelegt“, sagte Kapitän Mats Hummels.

          Mit Köpfchen und ganz viel Herz spielen die Borussen von Thomas Tuchel. Bilderstrecke
          Mit Köpfchen und ganz viel Herz spielen die Borussen von Thomas Tuchel. :

          Während Tuchels Dortmunder nach dem Orchestergewitter, das sie veranstaltet hatten, mit donnerndem Applaus verabschiedet wurden, herrschte auf der Gegenseite das blanke Entsetzen. Für Lucien Favre, den Gladbacher Chefkonstrukteur, gibt es vor allem in der Defensive etliche Schrauben zu drehen, ehe sein am Samstag in die Einzelteile zerlegtes Team wieder ein derart stimmiges Ganzes ergeben könnte wie im Vorjahr. „Das war klar verdient. Punkt. Sie waren viel besser“, sagte Gladbachs Trainer Lucien Favre: „Das Tempo war zu hoch für uns heute.“

          Nach Champions League sah an diesem Abend nur eine Borussia aus - und das war die aus Dortmund. Die Stimmung im Stadion war schon vor dem Anpfiff prächtig - die ersten Auftritte unter Tuchel hatten nicht nur neugierig gemacht, sondern auch Erwartungen geweckt. Doch weil Wolfsberg und Chemnitz, die mit insgesamt 8:0 bezwungenen Gegner aus Österreich und der dritten deutschen Liga, nicht unbedingt der Maßstab waren, galt dem Ligaauftakt besonderes Augenmerk.

          Bevor es losging, klatschte Tuchel noch einmal in die Hände – es schien Vorfreude zu sein auf das, was da kommen sollte. Seine erst in dieser Woche getroffene Entscheidung, das Vertrauen im Tor Roman Bürki zu schenken, erwies sich für dieses Spiel als Randnotiz. Weil sich vom Anpfiff weg nahezu alles in Richtung Gladbacher Tor orientierte. Die Borussen setzen ihre Gegner sofort mit Präzision und Schärfe unter Druck.

          Diese Jagdlust raubte Favres Team zwar noch nicht den Nerv. Sie schien es aber anfällig zu machen für das, was die Dortmunder noch in petto hatten: blitzartige Angriffe aus der Tiefe heraus, initiiert von Hummels oder von Gündogan und dem Beschleuniger Kagawa im Zentrum – alles mit dem Ziel, die Tempo- und Technikfraktion mit Reus, Mchitarjan und Aubameyang in Szene zu setzen.

          Einmal hatten die Gladbacher noch Glück, als Mchitarjans erster Treffer wegen vermeintlichen Abseits nicht gegeben wurde. Dann aber saßen die Dortmunder Stiche gleich in Serie: Reus auf Vorarbeit von Kagawa, Aubameyang nach Flanke von Schmelzer, Mchitarjan nach Zuspiel von Aubameyang – und die Dortmunder hätten in den ersten 45 Minuten leicht und locker noch mehr Tore erzielen können als diese drei.

          Auf Gladbacher Seite stand zur Pause lediglich eine im letzten Moment von Schmelzer vereitelte Schusschance für Drmic zu Buche (10.). Die Mannschaft, die im Pokal den FC St. Pauli 4:1 bezwungen hatte, war für diesen BVB schlicht ein, bis zwei Nummern zu klein. Hilflos im Orkan dürften sich bei diesem kollektiven Ausfall der Systeme vor allem die jungen Innenverteidiger Christensen und Schulz gefühlt haben - und natürlich der bedauernswerte Torwart Sommer.

          Nach der Pause ging es gleich so weiter. Reus bediente Mchitarjan, und der im Vorjahr noch in Melancholie verfallene Armenier nährte nicht nur wegen seines zweiten Treffers die Dortmunder Hoffnungen auf eine Rückkehr zu alter Stärke. Aber nicht nur was ihn betrifft, wirkt es, als sei Tuchel bei seiner Mission - der Neuerfindung des BVB – schon ziemlich gut vorangekommen. „Heute war die mannschaftliche Leistung einfach bärenstark“, sagte Reus.

          Weitere Themen

          Timanowskaja auf dem Weg nach Europa Video-Seite öffnen

          Belarussische Sportlerin : Timanowskaja auf dem Weg nach Europa

          Die in Ungnade gefallene Olympia-Teilnehmerin aus Belarus hatte ein Visum für Polen erhalten. Timanowskaja hatte zuvor erklärt, sie sei nach einer Beschwerde über ihre Trainer zum Flughafen Tokio gebracht worden, um gegen ihren Willen in ihre Heimat zurückgeschickt zu werden.

          Topmeldungen

          Die Impfquote geht zurück.

          Debatte über Impfpflicht : Ungeimpfte anders behandeln? Na klar!

          Der Staat darf und muss Druck ausüben. Das ist kein Apartheid-Regime, sondern schlicht demokratisch beschlossene und rechtsstaatliche Notwendigkeit zum Schutz des Einzelnen und der Gemeinschaft.
          Spazieren entlang der Wall Street: New Yorks junge Banker erhalten neuerdings ein höheres Einstiegsgehalt.

          Wall-Street-Gehälter : 100.000 Dollar und ein Peloton-Rad

          105 Stunden in der Woche, geringe Zufriedenheit, angeschlagene Gesundheit: Junge Wall-Street-Banker haben über ihre Arbeitsbedingungen geklagt. Jetzt versprechen die Banken Gehaltserhöhungen – und manchmal auch ungewöhnliche Geschenke.
          Abriss oder Denkmal? Eines der schwerbeschädigten Getreidesilos am Hafen von Beirut, wo am 4. August 2020 die Explosion stattfand.

          Libanon : Der Weizen zwischen den Trümmern

          Libanon, ein Jahr nach der Katastrophe im Hafen von Beirut. Welche Geschichte will man erzählen? Was soll man zeigen in Museen und auf Bühnen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.