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Frust nach peinlicher Pleite : Das große Bangen beim BVB

  • -Aktualisiert am

Enttäuschung pur: BVB-Profi Raphael Guerreiro beim Spiel gegen Mainz Bild: dpa

Eigentlich schien Borussia Dortmund auf gutem Kurs in der Bundesliga. Doch mit dem Debakel gegen Mainz gerät das anvisierte Ziel in Gefahr. Der Stellung von Trainer Lucien Favre ist das wenig zuträglich.

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          Auf den ersten Blick spielte dieses 0:2 gegen Mainz 05 für den BVB keine große Rolle mehr. Die Meisterschaft war schon vor dem Anpfiff verloren und die Qualifikation für die kommende Champions League Saison ist längst geschafft. Und dennoch hinterlässt dieser regnerische Frühsommerabend Spuren im Inneren des Klubs, denn er trägt zu einem Scheitern bei, das nicht unmittelbar an der Tabelle ablesbar ist. „Wir haben gespielt, als wenn einige von uns schon in Urlaub seien“, sagte Sportdirektor Michael Zorc nach dem leblosen Auftritt.

          Bundesliga

          Begriffe wie Haltung, Einstellung und Mentalität sind schon länger zentrale Motive der Arbeit an diesem Bundesligastandort. Zuletzt wurden mit Mats Hummels, Emre Can und Erling Haaland explizit Spieler verpflichtet, um die Probleme auf dieser Ebene zu bekämpfen. Nun brüllte Hummels irgendwann während des Spiels: „Unser Pressing ist Alibi!“ – ein Vorwurf an die Kollegen, der in die gleiche Richtung zielt wie die Kritik Zorcs.

          Krachend gescheitert

          Eigentlich wollten sie in dieser Saison Meister werden, jetzt beträgt der Rückstand auf die Bayern schon wieder zehn Punkte. Das Fazit muss lauten: Operation krachend gescheitert. Im Ergebnis, aber auch in der Arbeit am Charakter des Teams. Weil in der Summe doch zu vielen Halbzeiten die letzte Energie fehlte, die nötig ist, um als finanziell unterlegener Wettbewerber Außergewöhnliches zu schaffen. Roman Bürki wehrte sich zwar gegen die ewig gleichen Vorwürfe. „Die Mannschaft hat kein Mentalitätsproblem auf keinen Fall“, sagte der Torhüter. Aber wo liegt dann das Problem? Mangelt es an Qualität? Oder fehlt dem Trainer die Fähigkeit, das Team in den entscheidenden Momenten über sich hinauswachsen zu lassen?

          Es ist eine bekannte Diskussion, die nach dieser eigentlich verkraftbaren Niederlage wieder lauter geführt werden wird. In der Öffentlichkeit und im Kreis der Sportlichen Leitung, wo Klubchef Hans-Joachim Watzke, Sportdirektor Zorc, Sebastian Kehl als Leiter der Lizenzspielerabteilung und der Berater Matthias Sammer in der übernächsten Woche im Rahmen ihrer Saisonanalyse über Weichenstellungen für die Zukunft diskutieren werden. Und vielleicht auch über Favre.

          Die Schwächen des Schweizers sind bekannt. Favre ist ein brillanter Fachmann, ein Fußball-Lehrer, der Spieler besser macht. Aber sein Talent, das mentale Befinden seiner Mannschaft mit gezielten Impulsen vor Einbrüchen zu bewahren und auf große Schlachten vorzubereiten, ist begrenzt. Das hat Vorteile: Favre verbraucht sich nicht, sein Verhältnis zum Team ist – nach allem, was nach außen dringt – intakt. Er ist der Trainer, der durchschnittlich mehr Punkte pro Spiel einsammelt als jeder seiner Vorgänger. Der Glaube, dass er mit dem BVB auch einen Titel gewinnen kann, ist im Verlauf dieser Saison aber eher kleiner als größer geworden.

          Favre hatte kryptisch angekündigt, nach dem Saisonende ein paar aufklärende Dinge zu verkünden, was mancher Zuhörer als versteckte Trennungsbotschaft interpretierte. Die Herren aus der Klubführung traten solchen Überlegungen zwar vehement entgegen, ein wirklich klares Bekenntnis zu einer Zukunft mit Favre haben sie aber bisher nicht formuliert. Wahrscheinlich, weil sie die Probleme sehen, aber eben auch die viele Vorzüge Favres. Ein besserer ist nicht so leicht zu finden.

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