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Fußball-Bundesliga : Bei Mainz 05 droht ein Fiasko

  • -Aktualisiert am

Schöne Bescherung für Weihnachten: Mainz 05 trennt sich von Rouven Schröder Bild: dpa

Eigentlich wollten die Rheinhessen die Kräfte bündeln. Nun tritt Sportvorstand Schröder zurück. Über Trainer Lichtes Zukunft ist noch nicht entschieden. Und was der einstige Manager Heidel macht, ist unklar.

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          Alle Kräfte bündeln wollten sie beim FSV Mainz 05. Ein Muss, um in dieser Saison dem drohenden Abstieg noch entgehen und dauerhaft auf der Bundesligabühne mitspielen zu können, wie Stefan Hofmann, der Vereins- und Vorstandsvorsitzende am Dienstagabend ausführte. Doch wenn es dumm läuft, endet dieser Versuch in einem Fiasko. Denn das Bemühen, den einstigen Manager Christian Heidel, der 2016 nach 24 Jahren zum FC Schalke 04 gewechselt war, an den Bruchweg zurückzuholen und ihn zum vierten Vorstandsmitglied zu berufen, führte am Dienstag zum Rücktritt des Mannes, der seinerzeit auf Heidel gefolgt war: Sportvorstand Rouven Schröder. Und als Konsequenz daraus hat Heidel sich für seine Entscheidung ein paar Tage Bedenkzeit erbeten. Tendenz: offen.

          „Rouven Schröder hat am Dienstagmorgen um die Auflösung seines Vertrags gebeten“, berichtete der Aufsichtsratsvorsitzende Detlev Höhne auf der kurzfristig einberufenen digitalen Pressekonferenz. Das Gremium habe dieses Ansinnen mit großem Bedauern akzeptiert. Er selbst habe versucht, Schröder umzustimmen („Rouven ist einer, der Mainz 05 gelebt hat, er war ein Kerl, der zu unserem Verein gepasst hat“), damit aber keinen Erfolg gehabt. Das war angesichts von Höhnes Charakterisierung des Sauerländers auch kaum denkbar: „Ich habe selten jemanden erlebt, der so aufrecht durchs Leben geht und so klar in seinen Aussagen ist.“ Dazu passt, dass Schröder auf eine Abfindung verzichtet – sein mit einer hohen sechsstelligen Summe dotierter Vertrag war erst im Februar bis 2024 verlängert worden. Und, kleine Kuriosität am Rande: Schröder werde dem Klub auch ohne Vorstandsamt in der anstehenden Transferperiode vorübergehend mit Rat und Tat zur Seite stehen.

          Schröder war vor etwas mehr als viereinhalb Jahren aus Bremen nach Mainz gekommen, firmierte zunächst als Sportdirektor und wurde nach der Strukturreform zum hauptamtlichen Vorstand bestellt. Aus Heidels langem Schatten trat er schon in seinem ersten Jahr heraus, spätestens mit dem Transfer des Stürmers Jhon Córdoba für 17 Millionen Euro zum 1. FC Köln hatte er sein Meisterstück gemacht. Unterm Strich war Schröders Transferbilanz eher besser als die seines Vorgängers. Bis Corona sie in diesem Sommer verhagelte.

          Die finanziellen Auswirkungen der Pandemie auf den nationalen und internationalen Fußball verhinderten zuletzt dringend nötige Veränderungen in der Zusammensetzung des Kaders – ein Gebiet, auf dem der 45-Jährige keine ganz glückliche Hand bewies. Wie schwierig der Kader ist, zeigte sich Ende September beim Spielerstreik, dem Höhepunkt der Chaostage rund um die später wieder aufgehobene Suspendierung Ádám Szalais, aus denen auch Schröder angeschlagen herausging.

          Es folgte ein desolates Heimspiel gegen den VfB Stuttgart (1:4) und quasi die Fortsetzung des Streiks mit anderen Mitteln bei Union Berlin (0:4). Als Tabellensiebzehnter sind die Mainzer vier Punkte hinter dem Relegations- und fünf hinter dem sicheren 15. Platz zurück; das restliche Hinrundenprogramm im Januar macht wenig Hoffnung, dass sich dies zum Positiven verändert.

          Dass der Verein vor diesem Hintergrund die besagten Kräfte bündeln will, ist nachvollziehbar. Christian Heidel ins Führungsgremium einzubinden, empfand Rouven Schröder jedoch anscheinend als Misstrauensvotum gegen seine Arbeit, möglicherweise fürchtete er auch, in seinen Kompetenzen beschnitten zu werden. Zu erreichen war er weder am Montag noch am Dienstagabend. Der Verein zitierte ihn in einer Pressemitteilung: „Mainz 05, der Verein, die Mannschaft, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Stadt sind mir ans Herz gewachsen, das legt man nicht so einfach ab. Allerdings muss ich für meine Arbeit und für meinen Einsatz zu 100 Prozent hinter dem stehen, was ich mache. Ich hatte nun das Gefühl, dass es für den Verein und für mich besser ist, den Weg freizumachen, sodass sich Mainz 05 insgesamt neu aufstellen kann.“ Heidel habe allerdings in allen Gesprächen betont, nicht an Schröders Stelle Sportvorstand werden zu wollen, und sich ausdrücklich dessen Verbleib im Gremium gewünscht, betonte Höhne.

          Über Trainer Jan-Moritz Lichtes Zukunft sei im Übrigen noch keine Entscheidung gefallen, sagte Stefan Hofmann. Lichte („Wir sind froh, ihn im Verein zu haben“) wird beim Pokalspiel gegen den VfL Bochum an diesem Mittwochabend auf der Bank sitzen, alles Weitere soll ein neuer Sportvorstand entscheiden. „Wir werden uns neu strukturieren und bis zum 28. Dezember eine Lösung haben“, kündigte der Vorsitzende an. Ob die dann doch Christian Heidel heißt, ist offen.

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