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Bundesliga-Kommentar : Die Bayern-Überlegenheit ist nicht gut

Bayrischer Teilzeitarbeiter: Franck Ribéry wurde in Gladbach eingewechselt Bild: dpa

Für Gladbach ist das 0:0 gegen die Bayern ein Anlass zum Feiern. Das zeigt, wie unendlich weit die Münchner dem Rest enteilt sind. Gut ist diese Überlegenheit für die Liga nicht. Für die Bayern aber auch nicht mehr.

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          Die glorreichen Siebziger sind lang vorbei. Die Bayern sind heute noch größer. Sie haben die überlegenste Mannschaft, die die Bundesliga je sah. Ab und zu aber begegnen auch sie noch Erinnerungen an andere, spannendere Fußballzeiten.

          Und so hat nun der einzige Rivale, der den Bayern nicht nur zwei, drei Jahre, sondern fast ein Jahrzehnt lang ein gleichwertiger Gegner war, den tapferen Beweis angetreten, dass man sie auch vierzig Jahre später immer noch mal ärgern kann, 90 Minuten lang jedenfalls.

          Dass man auch den Guardiola-Bayern, die nach dem 7:1 in Rom nebst Papstbesuch von Fußball-Europa heiliggesprochen worden sind, noch irdische Probleme bereiten kann. Soweit der tröstliche Teil der Botschaft des 0:0 in Mönchengladbach - eines Ergebnisses, das es in den Siebzigern zwischen beiden nie gegeben hatte.

          Weniger tröstlich für die Gegenwart sind die Bedingungen, die man als Bayern-Konkurrent erfüllen muss, um sich wenigstens eine kleine Chance auf einen solchen Minimalerfolg erhoffen zu dürfen. Es ist erstens nötig, dass man sein bestes Saisonspiel abliefert, während zweitens die Bayern einen mittelmäßigen Tag erwischen. Zudem hilft es, wenn sie drittens auf einen Spieler wie Arjen Robben verzichten müssen.

          Neuer in Not: Bayern Münchens Torwart rettet gegen Gladbachs Herrmann Bilderstrecke

          Meistens ist es anders, und dann erreicht das Spiel der Bayern jene Dominanz, die Gegnern jede Vorstellungskraft raubt - die Kraft, sich vorzustellen, wie man diese Mannschaft schlagen könnte. Auch den Gladbachern schien es anfänglich so zu gehen. Doch dann haben sie sich diese Kraft erarbeitet, solide verteidigt, den Bayern keine leichten Kombinationen vors Tor erlaubt und selber gefährlich gekontert. „Konterland“, so nennt Pep Guardiola gern die Bundesliga.

          Es ist die Perspektive eines Mannes, der seine Gegner auf eine einzige mögliche Gegenstrategie reduziert hat: tief stehen, schnell umschalten. Wer das so hinkriegt wie Gladbach, kann ein heroisches 0:0 erreichen.

          Die letzte Bundesliga-Niederlage der Bayern zu einem Zeitpunkt, da die Meisterschaft noch nicht zu ihren Gunsten entschieden war, liegt nun 55 Spiele zurück. Das war am 28. Oktober 2012, als Bayer Leverkusen durch zwei kuriose Glückstore ein 2:1-Lottogewinn in München gelang.

          Nimmt man Pokal und Champions League hinzu, haben die Bayern gegen deutsche Gegner in Spielen, die noch Bedeutung hatten, 68 Mal hintereinander nicht verloren. Auch nicht an Tagen, an denen sie Reisestrapazen hatten oder viele Verletzte oder müde WM-Helden oder Schusspech oder einfach nur einen gebrauchten Nachmittag.

          Es zeigt, wie unfassbar weit sie dem Rest der Liga enteilt sind, so weit, dass der aktuell Beste vom Rest ein 0:0 als Anlass zum Feiern nimmt und der gewöhnliche Fußballfan auch. Gut für die Liga ist diese Überlegenheit nicht, für die Bayern auch nicht mehr. Vielleicht kommt ihnen irgendwann der Gedanke, dass sie die Konkurrenz zu sehr ausgeblutet haben könnten.

          Dass ein Rivale fehlt, um sie für die großen Aufgaben des Frühjahrs in der Champions League auf Touren zu halten. Wie wichtig das sein kann, zeigte der Spannungsabfall nach dem Meistertitel Ende März, der zum Debakel gegen Real Madrid führte. Aber vielleicht ist die Bundesliga kein geeigneter Bayern-Sparringspartner mehr für die Champions League. Sondern umgekehrt. In dieser Woche war die Reise nach Rom den Bayern nur ein Sparring für Gladbach.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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