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FC Bayern gegen RB Leipzig : Das hat es so noch nicht gegeben

Alles im Griff? Bayerns Robert Lewandowski ist in guter Form. Bild: dpa

Treffsicherer als Ronaldo oder Messi: Robert Lewandowski und Timo Werner stehen nicht nur im Bundesligagipfel zwischen München und Leipzig im Blickpunkt. Bei diesem Duell geht es um mehr.

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          Die beiden Massenphänomene der modernen Unterhaltung, das bewegte Bild und der bewegte Ball, pflegen an ihren Festtagen den Kontrast. Solch hübsche, handliche Trophäen wie die Oscars, die Hollywood an diesem Sonntagabend vergibt, hat der FC Hollywood nicht. Jedenfalls nicht, seit der zierliche Jules-Rimet-Pokal des Weltmeisters, den Fritz Walter 1954 einhändig in den Regen von Bern hielt, später in brasilianischen Besitz überging und dort spurlos verschwand.

          Bundesliga
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Neuere Fußballtrophäen sind schwerer, uneleganter, allen voran die individuellen Auszeichnungen – goldene Bälle, goldene Schuhe, klobige Kanonen. In der Regel ist ihre Vergabe auch weniger spannend als die des Oscar, bei dem bis zur Verkündung „And the winner is ...“ in jeder Kategorie fünf Kandidaten im Rennen sind. Im Rennen um den „Ballon d’Or“ für den weltbesten Spielers und den „Goldenen Schuh“ für Europas trefflichsten Torschützen waren dagegen in den vergangenen zehn, zwölf Jahren praktisch nur zwei: Lionel Messi (sechs Bälle, sechs Schuhe), Cristiano Ronaldo (fünf und vier).

          Diese beiden epochalen Spieler prägten ein neues Bild des Torjägers, das bis dahin in der Siegerliste des „Goldenen Schuhs“ eher von klassischen Mittelstürmern wie Eusébio, Marco van Basten oder Luca Toni geprägt war oder natürlich von Gerd Müller, dem einzigen Deutschen (und einzigen Bundesligaspieler), der die Trophäe je gewann. Das Duo agierte nicht von der Neuner-Position aus (die Ronaldo erst in der Spätphase seiner Karriere zunehmend übernahm), sondern vom Flügel oder Rückraum. Torjäger nicht aus der Enge des Strafraums, sondern aus der Tiefe des Raumes: Das schien wie das passende Offensivkonzept für ein immer mehr verdichtetes Spiel. Oder waren und sind Messi und Ronaldo in Wirklichkeit nur zwei Solitäre, große, nicht kopierbare Ausnahmen?

          Erstmalig mit dieser Quote

          Wer in dieser Woche die aktuelle Wertung der besten Torjäger Europas anschaute, sah ein Bild, das diese Vermutung stützt: die Rückkehr des reinrassigen Mittelstürmers an die Spitze der Nahrungskette. Vorneweg Ciro Immobile mit 25 Toren für Lazio Rom, dahinter schon die Top-Torjäger der Bundesliga, Robert Lewandowski (22) und Timo Werner (20). Sie werden sich an diesem Sonntag im Spitzenspiel zwischen Bayern München und RB Leipzig (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) ein ganz besonderes Duell liefern. Dass nach zwanzig Partien gleich zwei Spieler mindestens zwanzig Tore erzielt haben, also in ihrer Trefferquote eine Eins vor dem Komma führen, hat es in der Bundesliga noch nicht gegeben.

          Dahinter folgt schon die jüngste Mittelstürmer-Sensation der Liga und der Fußballwelt, der 19-jährige Erling Haaland. Mit seinen 16 Vorrundentoren für Red Bull Salzburg, die multipliziert mit dem Faktor 1,5 für die österreichische Liga in die Wertung des „Goldenen Schuhs“ eingehen, und bis dahin sieben Treffern für Borussia Dortmund in der Bundesliga (Faktor 2) lag der Norweger mit 38 Punkten gleichauf mit Ronaldo (19 Tore für Juventus). Und damit deutlich vor Messi (14), der mit Barcelona in einem Tief steckt, weil ihm ein Mittelstürmer fehlt: Luis Suárez ist verletzt.

          Die Bundesliga steht plötzlich an der Spitze der Bewegung. Sie ist das neue Mittelstürmer-Mekka. Mit Lewandowski hat sie den derzeit besten Angreifer der Welt, mit Werner den neben Kylian Mbappé schnellsten und mit Haaland den talentiertesten. Ein besonderes Näschen für Mittelstürmer beweist man seit langem in Dortmund, wo man Spieler wie Lewandowski, Aubameyang, Alcácer, nun Haaland fand, aber auch Immobile oder den jungen Schweden Alexander Isak, der gerade in Spanien Furore macht. Am Donnerstag warf er mit zwei Traumtoren beim 4:3 mit Real Sociedad San Sebastián den hohen Favoriten Real Madrid, zuvor 21 Spiele unbesiegt, aus dem Pokal. Der BVB hat Isak verkauft, aber mit einer Rückhol-Option vorgesorgt.

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