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Bayer Leverkusen : Und jetzt warten die Bayern

  • -Aktualisiert am

Viel Grund zur Freude: Die Bayer-Spieler Demirbay und Bellarabi beim Sieg in Bielefeld. Bild: AFP

Gerardo Seoane arbeitet ganz ruhig und notorisch erfolgreich: In Leverkusen formt der Schweizer, der erst seit Sommer in leitender Position bei der Werkself ist, schnell ein Spitzenteam.

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          Aus Bayer 04 ist dieser Tage Bayer 4.0 geworden. 4:0 gewann der Tabellenzweite der Bundesliga am Donnerstagabend sein Europa-League-Gruppenspiel bei Celtic Glasgow, 4:0 besiegte die Werkself am Sonntagabend Arminia Bielefeld auf der „Alm“. Ergebnisse, die exakt die Souveränität verraten, die die Rheinländer, gleich in welchem Wettbewerb, derzeit auszeichnet. Von Überschwang indes ist bei der Mannschaft, die in der Meisterschaft punktgleich mit dem Meister Bayern München an der Spitze steht, keine Rede.

          Bundesliga

          Rund zwei Wochen vor dem Liga-Gipfeltreffen mit dem Dauerchampion beschäftigte das Spiel der Spiele den neuen Leverkusener Cheftrainer Gerardo Seoane nur am Rande. Der Schweizer genoss den üppigen Tagesertrag im Duell mit dem chancenlosen Tabellensechzehnten und verabschiedete 15 Spieler aus seinem Spitzenkader mit den besten Wünschen zu ihren jeweiligen Nationalmannschaften, die in den kommenden Tagen die Fußball-Aktualität auf dem Qualifikationsweg zur Weltmeisterschaft 2022 in Qatar prägen werden.

          Aufgeregtheit ist dem 42 Jahre alten Schweizer, der auch die spanische Staatsbürgerschaft besitzt und sechs Sprachen fließend spricht, eher fremd. Der in Luzern geborene und sozialisierte Fußballlehrer weiß, dass ihm seine im Zweifel gelassene Attitüde am besten hilft, sich gegen die manchmal schrillen Begleitumstände seines Berufs zu wappnen. Darum beschied er Neugierige bei der Frage, wie ihm denn beim Blick auf das bevorstehende Gipfeltreffen zumute sei, mit der allgemeingültigen Erkenntnis: „Es hat doch jeder schon ein Spiel der Bayern gesehen.“

          Leverkusen in bestechender Form

          Die Münchner indes werden schon wissen, dass ihnen am 17. Oktober in der BayArena ein Gegner den Weg versperren will, der körperlich und mental bestens präpariert sein wird. So wie am Sonntag auch bei den noch immer sieglosen Bielefeldern, die nur in der Anfangsphase mit frischem Mut aufbegehrten und nach dem 0:1-Rückstand durch Moussa Diabys Treffer (18. Minute) postwendend durch Wimmers Hackentor den vermeintlichen Ausgleich erzielt hatten, der aber, weil Okugawa im Abseits stand und mit einer Fußbewegung aktiv wurde, von Schiedsrichter Zwayer wieder einkassiert wurde.

          Gerardo Seoane kam von den Young Boys aus Bern nach Leverkusen.
          Gerardo Seoane kam von den Young Boys aus Bern nach Leverkusen. : Bild: dpa

          Danach nahm das Vorhersehbare seinen Lauf. Der von den Arminen so wenig wie der deutsche Jungnationalspieler Florian Wirtz einzuhegende tschechische Mittelstürmer Patrik Schick ließ sich die Treffer zum 2:0 und 3:0 (24./57.) gutschreiben, ehe zum für Leverkusen guten Schluss Kerem Demirbay einen Foulelfmeter zum 4:0 (90.+1) nutzte.

          Klare Sache also für den Favoriten, der aufs Neue in bestechender Form und Frische einem Widersacher den Schneid abgekauft hatte. Aus den früher sensiblen Künstlernaturen bei Bayer 04 ist, verziert mit Seoanes Trainerhandschrift, ein einiges, robustes und jederzeit zielstrebiges Kollektiv geworden, das, abgesehen von einer 3:4-Niederlage daheim gegen Borussia Dortmund, in diesen Wochen nichts zu verschenken hat.

          Große Harmonie und intakter Teamspirit

          „Großes Kompliment an die Mannschaft, die drei Tage nach Glasgow sofort präsent war“, lobte Seoane sein qualitativ hochwertiges Aufgebot, in dem jeder Einzelne seine Stärken zum Wohle aller einbringt. Mittelstürmer Schick, bei der Europameisterschaft im Juni mit fünf Toren so erfolgreich wie der notorische Schützenkönig Cristiano Ronaldo, hat seine Galaform bei Bayer Leverkusen stabilisiert und ist mit nun sechs Treffern und zwei Assists den siebenmal erfolgreichen Mittelstürmerkollegen Erling Haaland (Dortmund) und Robert Lewandowski (München) auf den Fersen.

          Sein junger Kollege Wirtz war mit einem ideal getimten Steilpass zum 2:0 auf Schick im sechsten Ligaspiel nachein­ander an einem Treffer beteiligt (vier Treffer/ein Assist). Auf vier Tore und eine Torbeteiligung hat es auch Diaby, der rasante französische Flügelstürmer, in der überaus mobilen und effektiven Leverkusener Abteilung Attacke gebracht.

          Dass innerhalb der Mannschaft eine große Harmonie und ein intakter Teamspirit spürbar sind, ist ein Verdienst des neuen Trainers, der in den vergangenen drei Jahren mit den Young Boys Bern schweizerischer Meister wurde und davor beim FC Luzern als Jugendcoach und Fußballlehrer der Profis sein Handwerk lernte. Seoane, bisher notorisch erfolgreich, hat mit seinen Spielern noch keine Krise durchlebt. Vielleicht auch, weil er sich glaubwürdig für seine Spieler interessiert, ohne dabei zur Kumpanei zu neigen. Gegenüber dem Schweizer Nachrichtenportal Watson hat Seoane dieser Tage gesagt: „Je besser die Beziehung, desto besser das Vertrauensverhältnis.“

          Und deshalb stellt sich Seoane, der selbst von einem Coach beraten wird, ständig die Frage: „Was kann ich und wie muss ich es machen, damit zwischen Mannschaft und Staff eine Symbiose entsteht?“ Gerardo Seoane scheint in Leverkusen nicht nur sportlich auf dem richtigen Weg. Auch deshalb hat er gesagt; „Nach oben ist alles möglich, wenn die Mannschaft funktioniert.“

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