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Ko-Trainer wird zum Chef : „Die Jungs gehen für ihn durchs Feuer“

  • -Aktualisiert am

Babak Keyhanfar (rechts) unterhält sich mit Moussa Niakhate. Bild: dpa

Bo Svensson ist der erste Trainer, der in der Bundesliga nach vier Gelben Karten gesperrt ist. Seinem Vertreter Babak Keyhanfar vertraut er vollauf. Was zeichnet den Ko-Trainer aus?

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          Die Konstellation ist spannend. Vier Tage nach dem Aus im DFB-Pokal beendet der FSV Mainz 05 seine erste englische Woche in diesem Jahr beim Tabellenletzten, der Spielvereinigung Greuther Fürth. Ein Gegner, dessen Tabellenposition den Gedanken nahelegt, alles andere als einen Sieg der Rheinhessen als enttäuschend zu empfinden. Doch abgesehen davon, dass das mit nur sieben Punkten abgeschlagene Bundesliga-Schlusslicht nur eines seiner letzten fünf Spiele verloren hat, machte den Mainzern zuletzt ihre personelle Situation zu schaffen. Und jetzt fällt auch noch der Trainer aus.

          Bundesliga

          Bo Svensson ist für die Begegnung am Ronhof gesperrt, nachdem er am vergangenen Samstag in Bochum zum vierten Mal in dieser Saison eine Gelbe Karte gesehen hatte – als Erster seiner Zunft. Einer seiner Vorgänger in Mainz, Sandro Schwarz, war Ende 2019 als erster Profitrainer mit Gelb-Rot bedacht worden, musste im kommenden Spiel eine halbe Stunde vor Anpfiff den Kontakt zu Mannschaft und Trainerteam abbrechen. Svensson ist es immerhin erlaubt, auf der Tribüne Platz zu nehmen, in der Pause in die Kabine zu gehen und Kontakt zur Bank zu halten. „Aber ich darf nicht aktiv coachen“, sagt er.

          Statt seiner übernimmt dies „Babak? Wer?“, wie der „Kicker“ schreibt. Der Ko-Trainer, der in der Fußballszene der Landeshauptstadt und der Region bestens bekannt ist: Babak Keyhanfar, gebürtiger Mainzer mit iranischen Wurzeln, der zu seinen aktiven Zeiten für den Stadtteilklub SV Gonsenheim zu den besten Stürmern der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar gehörte. Ein Torjäger mit einem blitzschnellen Antritt, der heute noch immer dann zu bewundern ist, wenn es einen 05-Treffer zu bejubeln gilt. Als Spieler war Keyhanfar mit Eigenschaften ausgestattet, die auch die FSV-Verantwortlichen von ihren Akteuren fordern: aggressiv, giftig, gedankenschnell, hungrig.

          „Emotionale Angelegenheit“

          Seine Trainerlaufbahn begann parallel in der Gonsenheimer Jugend, später übernahm er für zwei Jahre die erste Mannschaft und wechselte dann ans Nachwuchsleistungszentrum der 05er. Als Ko-Trainer der U 19. Chef war Bo Svensson. Die Chemie zwischen beiden stimmte auf Anhieb, als Svensson zur nächsten Saison den österreichischen Zweitligaverein FC Liefering übernahm, holte er Keyhanfar nicht von ungefähr ein halbes Jahr später nach. Und im Januar 2021 kehrte das Duo in neuer Funktion an den Bruchweg zurück.

          „Für mich ging damit ein Traum in Erfüllung“, sagt Keyhanfar. „Ich war früher als Fan am Bruchweg und habe später die Zeit mit und nach dem Umzug in die Arena auch als Kumpel von Yunus Malli sehr intensiv erlebt. Dann selbst mit an der Seitenlinie zu stehen und ein Teil des Ganzen zu sein ist eine sehr emotionale Angelegenheit und auch eine Geschichte, die mich stolz macht.“

          Emotional, impulsiv lebt der 36-Jährige auch jedes Spiel seiner Mannschaft mit, gegen ihn wirkt Cheftrainer Sven­sson bisweilen wie ein Stoiker. Immer wieder stecken die beiden während einer Begegnung die Köpfe zusammen, um über taktische und personelle Dinge zu beraten. „Wir haben eine ähnliche Denkweise, eine ähnliche Vision von einer Fußballmannschaft“, sagt Keyhanfar. „Sowohl von den Inhalten her als auch von all dem, was ein funktionierendes Kollektiv auszeichnet. Wir wissen, wie der andere tickt und was er von einem erwartet. Dass ich mich aktiv einbringen kann, ist nicht nur erlaubt, sondern auch etwas, dass Bo sich wünscht.“

          Am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) wird er dies erstmals hauptverantwortlich in einem Bundesligaspiel tun; schon einmal hatte er diesen Part in Österreich ausgefüllt, als Svensson sich wegen einer Corona-Infektion in Quarantäne befand. Der Chef ließ am Freitag keine Zweifel daran aufkommen, dass er seinem Assistenten vollauf vertraut. „Babak hat einen sehr guten Draht zu den Jungs. Ich glaube, dass sie für ihn durchs Feuer gehen werden.“

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