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0:1 gegen Augsburg : Braunschweig geht kurz vor Schluss K.o.

  • -Aktualisiert am

Das tut weh! Der Braunschweiger Trainer Torsten Lieberknecht kann es nicht fassen Bild: dpa

Im Schneckenrennen um den Relegationsplatz bleibt Braunschweig Letzter. Auf diesem Tabellenplatz stehen sie nun schon an 30 von bisher 33 Spieltagen. Das Kuriose: Eine Rettung ist noch möglich.

          Wie ein Schreckgespenst hatte er sich vor der Haupttribüne aufgebaut. Tor in der Nachspielzeit erzielt, den FC Augsburg zum 1:0 (0:0) geschossen: Diese kuriose Bild von Raul Bobadilla, der mit nacktem Oberkörper in Supermann-Pose dastand und sich diebisch freute, werden die Spieler und Zuschauer von Eintracht Braunschweig wohl so schnell nicht vergessen. Denn das Tor des Augsburger Einwechselspielers brachte die Niedersachsen um eine hoffnungsvolle Konstellation im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga. Der Aufsteiger versäumte es am 33. Spieltag, sich mit einem Heimsieg auf den Relegationsplatz vorzutasten.

          Entsprechend kleinlaut schlichen die Profis der Eintracht nach einem Kraftakt vom Platz, der mit einem bitteren Rückschlag endete. Das Augsburger Siegtor fiel in der Nachspielzeit, als Braunschweig alles nur Erdenkliche in der Offensive versucht hatte. Das Hoffen und Bangen auf der Tribüne dürfte mit Blick auf die Blau-Gelben Hauptdarsteller mit gemischten Gefühlen verbunden gewesen sein.

          Im Grunde ist es eine  wunderbare Sache, dass Eintracht Braunschweig an 30 der bisherigen 33 Spieltage das Schlusslicht der Liga war und trotzdem immer noch eine klitzekleine Chance auf den Klassenerhalt hat. Aber das Schneckenrennen im Abstiegskampf, das sich die Niedersachsen mit dem Hamburger SV und dem 1. FC Nürnberg liefern, bleibt eben auch mit einer wesentliche Tücke verbunden. Es gab vor allem in der Rückrunde so viele Chancen für Braunschweig, die schwächelnde Konkurrenz einzuholen. Und doch wollte es einfach nicht gelingen.

          Schreckgespenst im Abstiegskampf: Torschütze Raul Bobadilla

          „Wie die Mannschaft mit der Situation umgegangen ist und sie sich nie hat unterkriegen lassen, zeugt von einer wahnsinnigen mentalen und charakterlichen Stärke“, sagt Eintracht-Sportdirektor Marc Arnold. Sein Lob ist sicherlich gut gemeint. Aber das vergebliche Anrennen einer Braunschweiger Mannschaft, der es an individueller Klasse fehlt, sorgte eben auch für einen Stammplatz am allerletzten Ende der Tabelle. Der Nervöseste unter den Braunschweiger Nervösen dürfte am 33. Spieltag mit Abstand Daniel Davari gewesen sein. Der Torhüter der Niedersachsen, der sich einen neuen Verein suchen möchte, hinterließ in seinem letzten Heimspiel für die Eintracht einen leicht konfusen Eindruck. Er benötigte so manchen Patzer und Wackler, ehe sich seine Leistung stabilisierte.

          Die Anspannung auf dem Rasen war von Minute zu Minute größer geworden. Eigentlich hatten sich die Chancen des Gastgebers zunehmend verbessert, weil Hamburg und Nürnberg auf dem Weg zu Niederlagen waren. Doch es war wieder einmal zum Verzweifeln, wie harmlos sich die Mannschaft von Trainer Torsten Lieberknecht in der Offensive präsentierte. Das viele Rennen und Kämpfen im Mittelfeld vor 22 600 Zuschauern war schön anzusehen. Aber was hilft das alles, wenn im Sturm nichts gelingt, das wirklich für Torgefahr sorgt? Kapitän Domi Kumbela konnte der ihm angedachten Rolle als Torjäger nicht gerecht werden. Ihm fehlte es an guten Vorlagen, aber auch an der nötigen individuellen Klasse, um sich gegen die solide Augsburger Hintermannschaft durchzusetzen.

          Sprunggewaltig aber ungefährlich: Der Braunschweiger Domi Kumbela (links) gegen den Augsburger Matthias Ostrzolek.

          In der Endabrechnung einer Saison, zu deren Höhepunkt zweifellos der Abstiegskampf zählt, darf sich der FC Augsburg als professioneller Nebendarsteller fühlen. Die Mannschaft von Trainer Markus Weinzierl zeigte auch in Braunschweig eine couragierte Leistung, kombinierte klug und war weit davon entfernt, den Braunschweigern etwas zu schenken. Vor allem Stürmer Sascha Mölders war immer wieder dabei zu beobachten, wie er seine Schnelligkeit gegen die Abwehr der Eintracht ausspielte. In der Schlussphase reagierte Augsburger Torhüter Marwin Hitz zudem mehrfach glänzend und machte die wenigen guten Braunschweiger Torschüsse zunichte.

          Nun hilft nur noch ein Sieg

          Selten in der Saison war es im Braunschweiger so gespenstig still wie gestern kurz nach dem Abpfiff. Keiner im weiten Rund wollte wahrhaben, dass Bobadilla wirklich gerade dieses Tor mit einem sehenswerten Lupfer geschossen hatte. Das treue Publikum der Eintracht musste wohl erst noch begreifen, dass der Rest der kleinen Hoffnung auf den letzten Spieltag verlagert werden muss, wo in der Partie bei der TSG Hoffenheim nur noch ein Sieg den Sprung auf den Relegationsplatz möglich machen kann.

          Eintracht Braunschweig - FC Augsburg 0:1 (0:0)

          Eintracht Braunschweig: Davari - Kessel, Bicakcic, Correia, Reichel - Bellarabi (88. Khelifi), Kratz (66. Pfitzner), Boland, Hochscheidt (60. Ademi) - Nielsen, Kumbela
          FC Augsburg: Hitz - Verhaegh, Callsen-Bracker, Klavan, Ostrzolek - Kohr (80. Bobadilla), Baier - Esswein, Altintop, Werner (54. Hahn) - Mölders (61. Ji)
          Schiedsrichter: Dingert (Lebecksmühle)
          Zuschauer: 22.600
          Tor: 0:1 Bobadilla (90.+4)
          Gelbe Karten: Kessel (4), Kratz (4) / Bobadilla (2), Kohr (3)

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