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Arminia entlässt Neuhaus : Zu wenig geredet

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Beliebt bei den Fans, aber nicht bei der Geschäftsführung: Die Arminia trennt sich von Uwe Neuhaus. Bild: AFP

Arminia Bielefeld trennt sich von Aufstiegstrainer Uwe Neuhaus – was viele Fans erzürnt. Der Klub beschwört im Abstiegskampf nun das „Heben aller Potentiale“.

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          Uwe Neuhaus ist nicht länger Trainer des Bundesliga-Aufsteigers DSC Arminia Bielefeld. Am Montagnachmittag hat der Tabellensechzehnte den westfälischen Fußballlehrer, der die Ostwestfalen nach elf Jahren in der zweiten und dritten Liga zurück in die höchste Spielklasse geführt hat, von seinem bis einschließlich 30. Juni 2022 gültigen Vertrag entbunden.

          Bundesliga

          Auch Neuhaus‘ vertrauter Assistent Peter Nemeth ist nach der Entscheidung der Bielefelder Vereinsgremien freigestellt worden. Ein Nachfolger für den bisherigen Cheftrainer wurde noch nicht bekannt gegeben. Dem Vernehmen nach soll Frank Kramer, zuletzt Leiter der Nachwuchsabteilung von RB Salzburg, der neue Mann sein und an diesem Dienstag vorgestellt werden.

          Der 48 Jahre alte Memminger hatte davor zwischen 2016 und 2019 für den Deutschen Fußball-Bund als Trainer der U-18-, U-19- und U-20-Mannschaften gearbeitet. Bundesliga- und Zweitligaerfahrung bringt er aus seiner Zeit als Cheftrainer der Spielvereinigung Greuther Fürth wie von Fortuna Düsseldorf (2013 bis 2015) mit.

          Berauschende Aufstiegssaison

          Am Montag aber stand eher Neuhaus, der alte Trainer, im Blickpunkt. Dass der 61 Jahre alte Fußballpraktiker, im vorigen Sommer nach einer berauschenden Aufstiegssaison mit nur zwei Niederlagen gefeiert, nun gehen muss, kam bei vielen Fans des größten ostwestfälischen Vereins gar nicht an, was diverse Meinungsforen in den sozialen Netzwerken spiegelten. Zum Abschied von ihrem verdienstvollen Trainer zeigte sich der Klub noch einmal „dankbar“ für die „engagierte Arbeit“, die Neuhaus abgeliefert habe. Der zuvor auch bei Union Berlin und Dynamo Dresden lange erfolgreiche Coach führte die Bielefelder in seiner Zeit aus der Abstiegszone der zweiten Liga bis zum Erstliga-Aufstieg, wirkte in der Bundesliga aber nicht mehr so souverän und nahbar wie zuvor.

          Intern gab es einen erkennbaren Entfremdungsprozess zwischen ihm und der Geschäftsführung des DSC Arminia Bielefeld. Auch Teile der Mannschaft sollen zuletzt nicht mehr rückhaltlos hinter dem mal sperrigen, mal charmanten, aber nicht allzu kommunikativen Neuhaus gestanden haben. Besonders dessen unverbrüchliche Nähe zu Fabian Klos, dem Kapitän und Anführer des Teams, der aber nur selten mit erstligareifen Auftritten für sich warb, war manchem ein Dorn im Auge. Dazu kam zuletzt eine Serie von vier deutlichen Niederlagen, aufgehellt durch ein allerdings eindrucksvolles 3:3 beim Tabellenführer und Dauermeister FC Bayern München.

          Aktueller Abwärtstrend

          Als Tabellensechzehnter sind die Arminen derzeit aber so plaziert, dass die Mannschaft den Klassenverbleib mit mehr Mut und Konzentration als zuletzt noch schaffen kann. Daran hat auch der im Dezember 2018 nach Bielefeld gekommene Neuhaus, der seinem Team in der zweiten Bundesliga zu einem sehenswerten Ballbesitzfußball verholfen hat, einen Anteil.

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          Was diesem Trainer jedoch in den schwierigen Augenblicken fehlte, da aus Stammspielern von gestern Bankdrücker wurden, war ein Schuss Empathie auch gegenüber den Zukurzgekommenen. Den vermisste auch der aus Berlin von der Hertha mit großen Hoffnungen nach Bielefeld zur Arminia gekommene Kapitän der deutschen U-21-Auswahl Arne Maier, Neuhaus‘ Wunschspieler, der zuletzt gar keine Rolle mehr in den Plänen des Trainers spielte.

          Auch um den aktuellen Abwärtstrend zu stoppen, handelte Sportgeschäftsführer Samir Arabi im Einklang mit dem Bielefelder Aufsichtsrat vor den wegweisenden Heimspielen gegen Union Berlin am Sonntag und den SV Werder Bremen am 10. März. Ein neuer Impuls auf der Trainerbank ist dringend erwünscht und dazu eine mittelfristig sichtbare Entwicklung hin zu einem Klub, der jungen, talentierten Profis eine Plattform zur Weiterentwicklung bieten möchte. „Aufgrund der aktuellen Entwicklungen haben wir gemeinsam entschieden, den (für den Sommer) geplanten Wechsel jetzt vorzuziehen“, wird Sportgeschäftsführer Arabi in dem am Montagnachmittag verbreiteten Klubkommuniqué zur Trennung von Neuhaus zitiert.

          Um ein weiteres Jahr unter erstklassigen Bedingungen in der Bundesliga dabei zu sein, bräuchten alle Beteiligten „einen maximalen Zusammenhalt, das Heben aller Potentiale und eine Leidenschaft, wie sie in den Kernwerten unseres Vereins verankert sind“. Genau daran hat es zuletzt gefehlt, was nicht allein Neuhaus‘ Schuld, sondern auch ein Versäumnis einer vom Wagemut verlassenen Bielefelder Mannschaft war.

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