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Anton Stach in Mainz : „Der richtige Schritt für meine Entwicklung“

  • -Aktualisiert am

Bo Svensson hat Anton Stach eine Perspektive aufgezeigt. Bild: Picture-Alliance

Anton Stach hat nur wenige Spiele gebraucht, um bei Mainz 05 zu zeigen, dass er sich in der ersten Liga durchsetzen kann. Seinen Aufstieg kennzeichnen einige Umwege.

          3 Min.

          Die Konstellation war außergewöhnlich, als Anton Stach zu seinem Debüt in der U-21-Nationalmannschaft kam. Ende März, im Gruppenspiel der Junioren-Europameisterschaft gegen die Niederlande war es, der Zweitliga-Spieler aus Fürth wurde in der Schlussphase eingewechselt – und am Mikrofon beim übertragenden TV-Sender „Pro Sieben“ saß sein Vater Matthias.

          Bundesliga

          „Ich könnte jetzt sagen: Blamier mich nicht, Junge“, kommentierte der Reporter die Szene: „Mach ich aber nicht. Ich sehe das ganz gelassen.“ Für anderweitige Befürchtungen gab es auch keinen Grund. Weder im weiteren Verlauf des Turniers, das die deutsche Mannschaft unter Trainer Stefan Kuntz gewann, noch seither in den Begegnungen, die Anton Stach für den FSV Mainz 05 absolviert hat. In fünf Pflichtspielen seines neuen Vereins wirkte er mit, stets als Joker eingewechselt – und schon stehen drei Torvorbereitungen in seiner Statistik.

          Im DFB-Pokalspiel bei der SV Elversberg leitete er mit flachen Hereingaben von der rechten Seite die beiden Ausgleichstreffer durch Jonathan Burkardt vor, mit denen sich die Mainzer spät in Verlängerung und Elfmeterschießen retteten. Und beim 2:0-Sieg in Hoffenheim gingen Stachs Antritt auf der Außenbahn und sein kluges Anspiel auf Marcus Ingvartsen dem zweiten Tor voraus. Der 20-Jährige ist nicht nur weit von blamablen Auftritten entfernt, sondern hat bereits den Nachweis erbracht, sich in der ersten Liga durchsetzen zu können.

          Über Umwege in die Bundesliga

          Aus seiner Vita lässt sich ein solcher Karrieresprung nicht ableiten. Als Ju­gend­lichem gelang es dem in Buchholz in der Nordheide aufgewachsenen Stach nicht, sich im Nachwuchs des SV Werder Bremen durchzusetzen. Mit 17 Jahren wechselte er zum Jugendförderverein Nordwest, eine Saison später zum VfL Osnabrück. 63 Regionalliga-Einsätze für den eher unbekannten SSV Jeddeloh und den VfL Wolfsburg II hatte er vorzuweisen, als die SpVgg Greuther Fürth ihn im Sommer vorigen Jahres verpflichtete.

          Stach wurde zu einem der Besten in der zweiten Liga, stieg mit den Franken auf, wurde U-21-Europameister und sammelte mit der Olympiaauswahl in Tokio zwar keine Erfolge, aber zumindest Erfahrungen, die nur wenigen deutschen Fußballern zuteilwerden. Und jetzt ist er Bundesliga-Profi, ausgestattet mit einem Vertrag bis zum Sommer 2024. „Ich hatte nicht den geraden Weg nach oben, sondern habe viele Umwege genommen“, beschreibt er seine bisherige Laufbahn und weiß, dass es etwas floskelhaft klingt, wenn er sagt: „Das zeigt, dass man es immer schaffen kann.“

          Plötzlicher Aufschwung

          Sicher, im Mainzer Kader steht beispielsweise ein Leandro Barreiro, mit dem Stach um die Achterposition konkurriert, dem der nahtlose Übergang aus der U 19 in die erste Liga gelang – auch das ist keine Selbstverständlichkeit. Stachs Entwicklung jedoch ist insofern bemerkenswerter, als sein Traum von einer Profikarriere beendet schien, bevor sie begonnen hatte.

          Aber dann: „Innerhalb eines Jahres von der vierten Liga zum Stammspieler in der Zweiten“, sagt er, als könne er den plötzlichen Aufschwung selbst kaum fassen. Wenn seine Freunde und Mitspieler aus früheren Vereinen diesen Weg als „echt heftig“ bestaunten, wenn andere ihm sagten, ihn wegen seiner Beharrlichkeit und seines Fleißes als Vorbild zu betrachten, „gibt mir das schon ein gutes Gefühl“.

          Greuther Fürth tat Stachs Abschied nach nur einer Saison weh, zumal er nicht die einzige Stammkraft war, die nach dem Aufstieg zu einem anderen Bundesliga-Klub wechselte. Immerhin bescherte der Verkauf den Fürthern eine Transfereinnahme von 3,5 Millionen Euro – Vereinsrekord. Der Spieler versichert, nicht nach Mainz gegangen zu sein, weil er sich dort die größeren Chancen auf den Klassenverbleib ausrechnet, „sondern weil ich das Gefühl hatte, dass dies der richtige Schritt für meine weitere Entwicklung ist. Bo Svensson hat etwas mit mir vor, er hat mir gesagt, was er in mir sieht und woran ich noch arbeiten muss.“

          Der Trainer wiederum freut sich, mit dem 1,94 Meter großen Mittelfeldspieler eine seltene Spezies im Kader zu haben. „Anton kann auf der Sechs oder Acht spielen, er hat die Qualität für beide Positionen, defensiv und offensiv“, sagt Svensson. Stach verfügt über eine Dynamik und technische Fertigkeiten, die man einem Mann seiner Größe nicht unbedingt erwartet.

          „Ich erkenne sein Potential, aber er ist noch nicht fertig“, benennt Svensson den taktischen und athletischen Nachholbedarf. „Wir arbeiten an den Baustellen, die er verbessern kann.“ An Stachs Bereitschaft wird es nicht mangeln. „Bo hat mir gesagt, aus meiner Größe und Physis müsse ich eine richtige Waffe machen“, erzählt er. „Ich will das Bestmögliche aus meinem Körper herausholen.“

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