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Bundesliga an der Börse : Geschäftsgrundlage Risiko

Verlust: Von 11 Euro im Herbst 2000 fiel die Dortmunder Aktie auf 1,05 Euro Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Zehn Jahre nach dem Börsengang von Borussia Dortmund denkt kein Bundesligaklub mehr daran, Aktien auszugeben. Nicht die Hemmschwellen fielen, sondern die Kurse. Die Finanzierung des Betriebs kann auch so die Nerven strapazieren.

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          Vor genau zehn Jahren durchbrach der Dax zum ersten Mal die Marke von 8000 Punkten. Es war die Zeit, als in Deutschland noch die Börse dem Volk anstrengungslosen Wohlstand versprach mit Zeichnungsgewinnen von mehr als hundert Prozent und nicht die Regelsätze von Hartz IV. An jenem Tag hatten die Fusionsgespräche zwischen der Deutschen und der Dresdner Bank die Börse befeuert. Im Tagesverlauf schoss das Barometer auf einen Rekordstand von 8122 Punkten, und auch der Kurs der Volksaktie Telekom kletterte über die magische Grenze von hundert Euro.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der 7. März des Jahres 2000 war jener Tag, von dem man heute weiß, dass er den Höhepunkt der Börsenbegeisterung in Deutschland markierte. Wenige Tage später kam die Infineon-Aktie in den Handel, sie war dreiunddreißigfach überzeichnet, der Vorstandsvorsitzende fuhr im Rennanzug an der Börse vor, und über Aktienkurse und märchenhafte Gewinne sprachen die Deutschen beim Friseur, an der Tankstelle und im Fußballstadion. Damals schmerzten die Menschen nur entgangene Gewinne, denn Verluste gab es nicht. Daran konnten sich nur die Großeltern erinnern.

          Rund neunzig Prozent Verlust

          In jenen Tagen des Börsenrauschs schickte sich auch Borussia Dortmund an, auf dem Parkett sein Glück zu suchen. Der damalige Präsident Gerd Niebaum prophezeite damals eine neue Zeitrechnung im Fußball: „Ich bin davon überzeugt, dass die Bundesliga-Landschaft in fünf bis zehn Jahren ganz anders als heute aussieht. Wenn wir als Pionier an die Börse gehen sollten, werden bald auch bei anderen Klubs die Hemmschwellen fallen.“ Aber nicht die Hemmschwellen fielen, sondern die Kurse.

          Der damalige BVB-Präsident Gerd Niebaum prophezeite eine neue Zeitrechnung im Fußball

          11 Euro betrug der Ausgabekurs der BVB-Aktie, die im Herbst 2000 in den Handel ging. Heute liegt das Papier bei 1,05 Euro. Ein Verlust von rund neunzig Prozent, und viele Altaktionäre sitzen immer noch auf dem Papier. Eine Dividende wurde nie ausgeschüttet. Wie die Deutschen, so wendete sich auch die Bundesliga von der Börse ab. Kein deutscher Verein hat je wieder den Gang aufs Parkett gewagt, und es sieht nicht danach aus, als wollte es noch einer tun. Die Börse ist als Finanzierungsmodell ins Abseits geraten.

          Die Grenzen der Phantasie

          Sebastian Hein hat noch immer viel mit der BVB-Aktie zu tun, jenem weitgehend entwerteten Relikt aus verflossenen Zeiten. Hein ist Analyst beim Bankhaus Lampe, an diesem Freitag kam seine letzte Studie über die BVB-Aktie heraus. Er rät zum Halten, wie zuletzt im Oktober. Sie lag damals bei 93 Cent. Seither ist sie im Gleichklang mit dem sportlichen Erfolg gut gelaufen. „Wer jetzt kauft, spekuliert ganz klar auf die Europacup-Teilnahme“, sagt er. Der BVB ist Fünfter, das reicht. Drei Punkte weniger, und es reicht nicht.

          Das Volumen der Aktie sei kein Problem, sagt Hein. Sie werde rege gehandelt, vor allem montags. Die Papiere liegen überwiegend in privaten Händen. Aber die Phantasie, von der es vor zehn Jahren so reichlich an der Börse gab, ist begrenzt bei der Aktie. Das liegt daran, weil die Borussia nicht von einem Investor übernommen werden kann. Die 50+1-Regel der Liga begrenzt das externe Engagement bei einem Klub auf maximal 49 Prozent. In anderen Ländern ist eine Übernahme möglich, allerdings oft zum Schaden der Vereine, selbst der größten wie Manchester United oder Liverpool.

          Der Kapitalbedarf wächst

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