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Einführung in der Bundesliga : Gibt es buntes Freistoßspray bei Schnee?

Der englische Schiedsrichter Jonathan Moss muss noch etwas üben Bild: Picture-Alliance

Von Freitag an wird auch in der Bundesliga gesprüht. Woraus besteht das Freistoßspray? Wer hat es erfunden? Und wie viele Dosen hat der DFB geordert? FAZ.NET beantwortet die wichtigsten Fragen.

          3 Min.

          In Europapokal-Spielen und in der EM-Qualifikation der DFB-Elf gegen Schottland und Irland wurde es schon benutzt. Premiere in den ersten drei Ligen in Deutschland hat es an diesem Freitag in der Zweiligaspielen (18.30 Uhr / Live bei Sky und im 2. Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) in Heidenheim und Bochum. Auch im DFB-Pokal am 28. und 29. Oktober kommt das Spray zum Einsatz.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Wann benutzt der Schiedsrichter das Spray?

          Die deutschen Schiedsrichter sind angewiesen, das Spray sparsam zu nutzen, damit der Spielfluss nicht unnötig gestört wird. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) rechnet mit drei bis vier Einsätzen pro Spiel. Die Sprühdose wird nur bei Freistößen in Strafraumnähe verwendet. Zunächst markiert der Unparteiische die Lage des Balles, schreitet dann den Abstand von 9,15 Metern ab und zieht eine Linie, die von der abwehrenden Mannschaft nicht überschritten werden darf. Geschieht dies dennoch, wird der Spieler verwarnt.

          Was erhofft man sich von der Nutzung?

          Lange Diskussionen um den genauen Ort des Freistoßes und eine Mauer, die sich immer weiter nach vorne schiebt vor der Ausführung, sollen verhindert werden. Dadurch soll es weniger wiederholte Freistöße, Spielverzögerungen und Gelbe Karten geben. Untersuchungen des brasilianischen Verbandes belegen, dass es seit der Einführung mehr Freistoßtore und weniger Verwarnungen gab.

          Wer hat das Freistoßspray erfunden?

          Der Brasilianer Heine Allemagne kam vor vierzehn Jahren auf die Idee des Hilfsmittels, als sich ein TV-Kommentator über den zu geringen Abstand der Mauer echauffierte. Vor Rührung habe er bei der WM geweint, als er die Schaumlinien auf dem Rasen sah, erzählte er der BBC. Sein argentinischer Geschäftspartner Pablo Silva ließ das Patent schließlich 2010 eintragen. Über die Website 9.15 Fairplay kann man sich auch selbst Dosen bestellen.

          Wo wurde das Spray bisher schon genutzt?

          In Argentinien wurde es 2009 eingeführt, weitere Ligen in Südamerika zogen schnell nach. Die U-20-WM 2013 war das erste globale Turnier, bei dem das Spray genutzt wurde. Mit der Verwendung bei der Klub-WM im vergangenen Dezember, die der FC Bayern in Marokko gewann, war erstmals ein deutscher Klub mit dem Spray konfrontiert. Bei der WM in Brasilien schaffte die Hilfe für Schiedsrichter den weltweiten Durchbruch. Seit Saisonbeginn wird das Spray im Europapokal und in der EM-Qualifikation genutzt. Auch die großen Ligen in Spanien, England, Italien und Frankreich entschieden sich schnell zur Nutzung. Nun zieht auch Deutschland nach.

          Warum dauerte es in Deutschland so lange?

          2011 noch lehnten deutsche Funktionäre eine Einführung rigoros ab. Erst nach den positiven WM-Erfahrungen nahm die Zahl der Skeptiker ab. Eine Nutzung zu Saisonbeginn lehnte der DFB ab, weil er seine Unparteiischen erst schulen wollte. In der vergangenen Woche wurden die Schiedsrichter bei einem Lehrgang in Mainz eingewiesen. Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer überlegt dennoch, ob er vor seinem Spiel in Hannover am Samstag nicht doch noch im eigenen Garten übt. Dass die richtige Anwendung nicht so einfach ist, zeigte das Beispiel des englischen Referees Jonathan Moss. Nach diversen Versuchen presste er den Schaum endlich auf der Dose – und erwischte Arsenals Santi Cazorla, der die misslungene Aktion aber mit Humor nahm.

          Für sechs Anwendungen reicht der Inhalt eines Freistoßsprays

          Wie sind die Reaktionen auf die Einführung?

          Die Vereine begrüßen die Einführung des Sprays. Sie hatten nach der WM beim DFB um eine zeitnahe Einführung gebeten. Die Abstimmung bei der DFL verlief einstimmig. DFB-Abteilungsleiter Fröhlich erläutert, dass sich die Schiedsrichter dem Votum und der „positiven Grundstimmung“ angeschlossen hätten. Aber nicht alle Referees halten das Spray für notwendig. „Wir in Deutschland hatten nicht das Problem bei der Mauerstellung, das war vielleicht in anderen Ländern der Fall“, sagt Peter Gagelmann. Kollege Kinhöfer findet: „Das ist sicher nicht nachteilig, aber von meiner Warte aus gesehen ist das eher ein mediales Thema und keines, was mich als Schiedsrichter sonderlich beschäftigt.“ Auch einige Spieler sind nicht glücklich. Der Niederländer Wesley Sneijder sieht in der Schaumlinie ein „mentales Hindernis“.

          Woraus besteht der Schaum auf dem Spielfeld?

          Das Gemisch besteht aus Butangas (20 Prozent), Propangas (2 %) und Tensiden (1%), die restlichen 77 Prozent sind Wasser. Nach Hersteller-Angaben ist das Spray komplett biologisch abbaubar. Spätestens 120 Sekunden nach dem Sprühen ist der Wasseranteil verdunstet und die Schaumbläschen sind geplatzt. Die Bedenken, die der TÜV Rheinland anmeldete, sind ausgeräumt. Der Zwischenhändler in Deutschland hat bestätigt, dass die Etiketten den EU-Normen entspricht. Zudem hat die Dekra die Verkehrstauglichkeit des Produkts geprüft.

          Was passiert, wenn die Dose leer ist?

          147 Milliliter befinden sich in den Sprühdosen, die die Schiedsrichter mit einer Halterung an ihrem Hosenbund tragen. Das reicht für etwa sechs Anwendungen. In jede Halbzeit nehmen sie eine neue, volle Dose mit. Ist diese während des Spiels doch einmal leer, hält der Vierte Offizielle an der Seitenlinie Ersatz parat. „Wenn eine Dose mal nicht funktioniert, wird das Spiel nicht abgebrochen“, sagt Lutz Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter beim Deutschen Fußball-Bund gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Der DFB hat zunächst 5000 Dosen zu je acht Euro geordert. Jeder Schiedsrichter bekam 15 Dosen – das sollte bis zum Ende der Hinrunde reichen.

          Was passiert eigentlich bei Schnee auf dem Spielfeld?

          Dann haben die Schiedsrichter nach jetzigem Stand ein Problem. „Uns ist nicht bekannt, dass es das Spray schon in irgendeiner Farbkombination gibt“, sagt DFB-Mann Fröhlich. So kehren die Schiedsrichter dann zur alten Prozedur zurück – und stellen die Mauer mit ruhiger Hand und klaren Worten.

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