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Bundesliga-Abstiegskampf : Angriff ist die beste Verteidigung

Augsburger Rezept gegen den Abstieg: Zuversicht Bild: dpa

Vier bedrohte Teams treffen am 29. Spieltag der Fußball-Bundesliga in direkten Duellen aufeinander. Werder hofft auf den Angriff, in Augsburg macht Abstiegskampf gnädig.

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          Werder Bremen (28 Punkte, 38:57 Tore, Platz 15) empfängt im zweiten der beiden direkten Duelle im Abstiegskampf den FC Augsburg (27 Punkte, 35:47 Tore, Platz 16). Um 15.30 Uhr ist auch Anpfiff zu diesem Sechs-Punkte-Spiel (live bei Sky und im FAZ.NET-Liverticker). Wie sind die Aussichten bei den beiden Teams?

          Werder Bremen: Jetzt muss Ujah liefern

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Sie brauchen seine Tore jetzt ganz dringend. In der Hinrunde schenkte Anthony Ujah Werder sieben Treffer. Mit Wucht und Cleverness traf der 25-jährige Nigerianer - und die 4,5 Millionen Euro, die Sportchef Thomas Eichin dem 1. FC Köln vor der Saison hatte überweisen lassen, schienen gut angelegt. Ujahs Treffsicherheit überdeckte Claudio Pizarros Formschwäche und leuchtete bis nach China - 14,5 Millionen Euro bot Guangzhou Evergrande den Bremern Ende Januar an. Doch Eichin ließ Ujah nicht ziehen. Trainer Viktor Skripnik wollte Ujah und Pizarro als Doppelspitze auf den Gegner loslassen. Das klappte im Grunde ordentlich, nur bewegten sich die Leistungskurven der beiden Stürmer in entgegengesetzte Richtungen.

          Und so kam es, dass Ujah seit dem 24. Spieltag und Pizarros drei Toren beim 4:1 in Leverkusen nur zweite Wahl ist. Hängen ließ sich Ujah im Training nicht, nur strahlte er zuletzt in München (0:5) und Dortmund (2:3) kaum Torgefahr aus, als er für den verletzten Pizarro randurfte. Der Peruaner laboriert weiter an seinem Bauchmuskelfaserriss, und so wird Ujah wohl nach auch an diesem Samstag gegen Augsburg von Beginn an auflaufen, als einzige Spitze.

          Anthony Ujah (rechts) braucht Beistand: Auf den Werder-Angreifer kommt es an
          Anthony Ujah (rechts) braucht Beistand: Auf den Werder-Angreifer kommt es an : Bild: dpa

          Es lastet erheblicher Druck auf ihm und der Mannschaft. Einerseits vernimmt man aus Bremen viel Überzeugung, dem Abstieg zu entgehen. Werder sieht sich in einer guten Ausgangsposition. Andererseits bieten die Heimspiele gegen Augsburg, am 2. Mai gegen Stuttgart und am letzten Spieltag gegen Frankfurt eine trügerische Sicherheit - drei Siege, und die Bremer blieben so gut wie sicher in der Bundesliga. Drei Remis - und Werder wäre ein heißer Abstiegskandidat.

          Es kommen die Wochen, in denen man Spieler braucht, die den Unterschied ausmachen können. In der Hinrunde war Ujah so einer. Und es ist typisch für diesen traditionell offensivstarken Klub, dass man in Sachen Rettung eher auf den Angriff hofft als auf die Abwehr. (fei.)

          FC Augsburg: Von Endspurt keine Spur

          Das Augsburger Rezept gegen den Abstieg stammt aus einer anderen Römer-Stadt: Et hätt noch emmer jootjejange. „Wir standen schon mal viel schlechter da“, sagt Daniel Baier, „und haben die Situationen gemeistert.“ Der Regisseur hat den heroischen Abstiegskampf 2012 und 2013 noch gut in Erinnerung. Der Unterschied: Damals rollte man das Feld auf der Zielgeraden auf. Diesmal ist von Endspurt keine Spur. Der FCA spielt die bisher schlechteste Rückrunde seiner Geschichte. In elf Spielen 2016 gelang nur ein Sieg - gegen Hannover. Das Problem ist die Defensive: 16 Gegentore in den letzten sechs Partien. „Wir müssen die Defensive stabiler bekommen und die Zweikämpfe besser absichern“, fordert Trainer Markus Weinzierl, der wieder auf Halil Altintop setzt. Der 33 Jahre alte Mittelfeldspieler soll mit seiner Erfahrung zum Erfolg beitragen. „Er hat unser volles Vertrauen“, sagte der FCA-Coach, der selbst in die Defensive geraten ist, weil die Spekulationen über seine ungeklärte Zukunft zur Belastung geworden sind. „Die Einzigen, die dieses Thema beschäftigt“, sagt Baier, „sind die Journalisten.“

          Aus Personalnot begnadigt: Augsburgs Abwehrspieler Daniel Opare wird gebraucht
          Aus Personalnot begnadigt: Augsburgs Abwehrspieler Daniel Opare wird gebraucht : Bild: Imago

          Ein nicht wegzudiskutierendes Problem ist das Personalangebot. Vor dem Spiel in Bremen schmerzen die Verletzung von Kapitän Verhaegh - und die Sperre von Ersatzmann Feulner.

          Die doppelte Lücke hinten rechts war nur für Daniel Opare eine gute Nachricht. Der Ghanaer wurde nach zweiwöchigem Trainingsausschluss wieder in den Kader aufgenommen. Abstiegsnot macht gnädig. Der Verteidiger, der noch keine Bundesliga-Minute gespielt hat, entschuldigte sich vor dem Team für seine Eskapaden - geschwänztes Training aus Frust und eine Heimreise nach Afrika nach dem Tod des Vaters, ohne den Klub zu informieren. „Er hat sich entschuldigt und ist wieder Teil der Mannschaft“, sagte Weinzierl: Ein Kicker auf Bewährung als Notnagel in der größten Bewährungsprobe des Klubs? Weinzierl lässt sich nicht in die Karten schauen. (cei.)

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