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Bundesliga-Abstiegskampf : Bloß keine Experimente bei Fortuna Düsseldorf

  • -Aktualisiert am

Fortuna-Trainer Rösler: ein Punkt über dem Strich, der vom direkten Abstieg trennt. Bild: dpa

Fortunas Trainer Uwe Rösler versucht, auch im Saisonfinale die Ruhe zu bewahren. Läuft alles glatt, kann Düsseldorf schon an diesem Samstag ein kleines Etappenziel erreichen.

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          Als Trainer ist Uwe Rösler noch nie abgestiegen. Als Spieler sieht das anders aus. 1995/96 musste er mit Manchester City – damals noch kein Verein, der mit Milliarden aus Abu Dhabi hantieren durfte – den Gang in die zweite englische Liga antreten. Die Umstände hat Rösler auch knapp 25 Jahre danach noch gut vor Augen, wie er am Freitag erzählte.

          Bundesliga

          2:2 stand es in der Schlussphase des letzten Spieltags gegen den FC Liverpool, die „Citizens“ fühlten sich sicher. Ein Trugschluss, weil die Ergebnisse auf den anderen Plätzen gegen sie sprachen. Das hatte Trainer Alan Ball aber nicht mitbekommen und riet seinen Mannen, auf Zeit zu spielen und das Unentschieden zu halten. Es brauchte schon einen ausgewechselten Spieler, der „in der Unterhose aufs Feld rannte“ (Rösler) und seinen Kollegen sagte, sie müssten sehr wohl gewinnen. „Aber da war es schon zu spät“, erinnert sich Rösler. City stieg wegen der schlechteren Tordifferenz ab.

          Der 51-Jährige hat das am Freitag nicht etwa erzählt, um eine Anekdote aus seiner bewegten Karriere unters Volk zu bringen. Rösler machte damit klar, was er davon hält, sich von den Geschehnissen in anderen Stadien ablenken zu lassen. Auf die wolle er „keine Energie verschwenden“, stellte der Fußballlehrer klar – wohl wissend, dass die Gefahr ja auch an diesem Samstag besteht. Dann empfängt Fortuna Düsseldorf am vorletzten Bundesliga-Spieltag den FC Augsburg, parallel treffen sich Mainz 05 und Werder Bremen (jeweils 15.30 Uhr live im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky).

          Das sind sämtliche Teams, die realistischerweise noch direkt absteigen oder auf dem Relegationsplatz landen können. Wobei Rösler die sechs Punkte und elf Tore besser dastehenden Augsburger nicht wirklich dazurechnet. Es geht um Mainz 05 (34 Punkte), die Fortunen (29) und Werder Bremen (28). Einer ist gerettet, einer muss in die Relegation, einer direkt runter. Also spekulieren die Düsseldorfer gar nicht erst darauf, den FCA möglichst hoch zu schlagen, um ihn noch unten reinzuziehen. Bei einer 2:0-Führung in den letzten Minuten auf das dritte Tor zu spielen wäre nicht in Röslers Sinn. Das sei eine der Erkenntnisse, die sie aus dem Spiel gegen Hertha BSC Ende Februar gewonnen hätten.

          Damals verspielte die Fortuna sogar ein 3:0. Bei weitem nicht die einzigen Punkte, die sie trotz bester Ausgangspositionen liegen ließ. Diverse Pfostentreffer, ungenutzte Überzahlsituationen, späte Gegentore oder anderweitig verspielte Führungen – die Liste der verpassten Chancen ist lang. Umso überraschender waren die Ereignisse am Mittwoch in Leipzig. Da lief es mal andersherum. Aus einem 0:2 machte die Fortuna in der Schlussphase noch ein 2:2. Was die Statik im Kampf gegen den Abstieg völlig änderte. Erstens sprang die Fortuna wieder vor Werder Bremen auf den Relegationsrang, zweitens herrschte endlich mal wieder so etwas wie Begeisterung. „Das Gefühl nach diesem späten Tor ist natürlich nicht vergleichbar mit dem Gefühl der letzten Woche“, sagte Torschütze Steven Skrzybski mit Blick auf den Gegentreffer in der 95. Minute beim 0:1 gegen Borussia Dortmund. Danach lagen die Düsseldorfer buchstäblich am Boden, Werder siegte parallel 5:1 in Paderborn und schien mit einem psychologischen Vorteil in die letzten Spiele zu gehen.

          Nun sieht das wieder völlig anders aus. Werder zittert, die Fortuna ist obenauf. Auch im Umfeld ist die Laune gut, in Verein wie Stadt sind keine Existenzängste zu spüren. Viel mehr als einen harten Kampf bis zum Schluss hatte ohnehin niemand erwartet. „Wir wussten von Anfang an, dass wir gegen den Abstieg spielen. Von daher sind wir relativ ruhig“, bestätigt Rösler, der das Pendel aber auch nicht in die andere Richtung ausschlagen lassen will: „Es hat uns bisher gutgetan, dass wir uns nicht aus der Ruhe haben bringen lassen. Und wir werden uns jetzt auch nicht positiv aus der Ruhe bringen lassen.“

          Läuft alles glatt, kann die Fortuna einen kleines Etappenziel schon am Samstag erreichen, indem sie den direkten Abstieg vermeidet. Dafür darf Werder nicht gewinnen, die Düsseldorfer müssen drei Punkte holen. Wie das klappen soll? Mit ebenjener Ruhe und Besonnenheit. „Auch vor Endspielen hilft es, die Abläufe in der Vorbereitung so normal wie möglich zu halten“, sagt Rösler. Bloß keine Experimente, einfach so weitermachen. Bis auf die Ergebnisse hat es zuletzt ja ganz ordentlich ausgesehen. Also wollen die Düsseldorfer den Ball haben und das Spiel diktieren. Natürlich weiß der Trainer um „Augsburgs Pressingfallen“, aber deswegen defensiver auftreten? Nicht mit Rösler. Die Voraussetzungen für Ballbesitzspiel sind nämlich ohnehin gut. Dank der Stadt, die hat dieser Tage extra einen neuen Rasen im Stadion verlegt.

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