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Bundesliga, 6. Spieltag : Die Fußball-Hierarchie steht Kopf

Mainz bleibt Mainz und auf Platz eins: die 05er gewinnen 2:1 bei Bayern München Bild:

Mainz 05 gewinnt auch bei Bayern München und hat nun zehn Punkte Vorsprung auf den Deutschen Meister. Hannover 96 ist plötzlich Dritter. Und Wolfsburg sammelt neun Punkte in acht Tagen. Wenigstens ist Schalke 04 nicht mehr Letzter.

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          Der Fußball steht weiterhin Kopf. Ober zumindest die Tabelle der Fußball-Bundesliga. Denn weiterhin ist die Reihenfolge der Mannschaften in der höchsten deutschen Spielklasse nicht mit der eingeschliffenen Hierarchie, der Größe des Festgeldkontos oder der Dauer der Ligazugehörigkeit synchronisiert.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Auch nach dem sechsten Spieltag der Fußball-Bundesliga ist der FC Bayern München weit entfernt von der Tabellenspitze, auch wenn der Großmeister aus dem Süden ja qua Definition da hingehört - so ähnlich wie Autos von Mercedes bekanntlich eingebaute Vorfahrt haben, in der Formel 1 wie an diesem Wochenende in Singapur aber dennoch meistens hinterher fahren.

          Der in der ewigen Tabellenführer-Tabelle mit 577 ersten Plätzen ganz klar auf Rang 1 rangierende FC Bayern unterlag diesen Samstag mit 1:2 dem FSV Mainz 05, der es zuvor erst zwei Mal ganz nach oben geschafft hatte. Sogar das einzige Zählbare für die Münchner steuerten die Mainzer bei: mit einem Eigentor von Svensson. Und da nichts so alt ist wie die Zeitung von gestern oder die Tabelle der Vergangenheit, können die Mainzer stolz auf die einzig wirkliche Rangliste von Belang verweisen, die aktuelle Tabelle der Fußball-Bundesliga. Sie weist die Mainzer nun zum dritten Mal in Folge als Nummer 1 aus! Mit zehn Punkten Vorsprung auf Bayern München!

          Wolfsburger Doppeltorschütze: Grafite (r.) schießt beide Tore beim 2:1 gegen Freiburg
          Wolfsburger Doppeltorschütze: Grafite (r.) schießt beide Tore beim 2:1 gegen Freiburg : Bild: dapd

          Zweiter Anwärter auf den Titel „Mannschaft der Woche“ ist der VfL Wolfsburg. Die mit drei Niederlagen - darunter ein sensationelles 3:4 nach 3:0-Führung gegen Mainz - ziemlich stotternd in die Saison gestartete McClaren-Truppe hat binnen acht Tagen neun Punkte gewonnen. Nach dem 2:1-Sonntagssieg gegen Freiburg ist der Überraschungsmeister von 2009, der übrigens erst 19 erste Plätze in seiner Vereinsstatistik vorweisen kann, in der Live-Tabelle schon bis Position sechs geklettert. Völlig unerwarteter Dritter ist unterdessen Hannover 96. Die Niedersachsen zeigten am Sonntag Abend Ergebnisfußball vom Feinsten, spielten nicht schön, aber erfolgreich, und gewannen beim umständlichen 1. FC Kaiserslautern mit 1:0.

          Dortmund Zweiter - Schalke immerhin nicht mehr Letzter

          Erster Anwärter auf die Mainzer Nachfolge auf der Pole-Position ist aber Borussia Dortmund - in der ewigen Spitzenreitertabelle auf Position 6 geführt (89 mal Erster). Die Schwarz-Gelben mit dem einstigen Mainzer Traineridol Klopp an der Seite gewannen mit 3:1 beim FC St. Pauli und bleiben somit mit nur drei Punkten Rückstand auf Rang zwei.

          Weit entfernt von Position 1 ist dagegen weiterhin der FC Schalke 04; es sei denn, man guckt sich die Tabelle von unten an. Doch auch in der Summe ihrer Bestleistungen sind die Schalker deutlich schlechter, als sie von sich selbst behaupten. Der wahlweise „Altmeister“ oder „Meister der Herzen“ genannte Revierklub brachte es bislang in 42 Spielzeiten nur auf 59 Tabellenführungen (Rang 9). Und viele werden da auch auf absehbare Zeit nicht hinzukommen: Schalke schaffte gegen Borussia Mönchengladbach mit Müh und Not nach 0:2-Zwischenstand ein 2:2 - und ist nun wenigstens nicht mehr Letzter! Die Rheinländer, immerhin schon 130 Mal Erster und damit die ewige Nummer zwei, bleiben in der Jetztzeit aber auch nur knapp vor Schalke.

          Stuttgart weit hinter den eigenen Ansprüchen

          Genauso häufig wie Gladbach stand Werder Bremen schon an der Spitze der Tabelle. Doch vor dem Nordgipfel gegen den Hamburger SV waren weder die Bremer noch die Hamburger in einer günstigen - und den eigenen Ambitionen genügenden - Tabellenregion platziert. Aus Bremer Sicht besorgniserregend auch der Fakt, dass die Abwehr in jedem Heimspiel der Saison bislang zwei Gegentore kassierte. Auch gegen den HSV: Van Nistelrooy und Pitroipa egalisierten die Bremer Führung, die Marin und Almeida herausgeschossen hatten. Doch kurz vor Schluss setzte Wesley den starken Almeida ein: 3:2 für Werder.

          Noch weiter zurückgefallen hinter seine eigenen Ansprüche ist der VfB Stuttgart. Die Schwaben - vorher kurioserweise mit einer positiver Tordifferenz auf dem Abstiegsrelegationsrang platziert - haben sich trotz des „Cannstatter Wasens“ zu Hause gegen Bayer Leverkusen endgültig in die Miesen gespielt: 1:4, Tabellenletzter. Leverkusen wiederum hat zwar das schlechteste Verhältnis aus umgesetzten Meisterschaften nach angesammelten Spitzenplätzen (0 aus 68), schiebt sich nach dem Auswärtssieg aber in der aktuellen Tabelle auf Rang fünf nach vorne.

          Mainz gleichauf mit Bielefeld, Bochum und Duisburg

          In der Erfolgsrelation zwischen Spitzenplätzen und Meisterschaften ist auch die Bilanz von Eintracht Frankfurt (0 aus 55) schlecht, während der 1. FC Nürnberg zwar nur 36 Mal das Feld anführte, aber immerhin schon einmal als Gesamtsieger die Ziellinie überspielte. Diesen Samstag gewann Eintracht Frankfurt freilich mit 2:0 und konnte die Abstiegsränge verlassen. Schon am Freitag trennte sich der 1. FC Köln mit 1:1 von 1899 Hoffenheim, das in der Euro-League-Zone verbleibt.

          Newcomer Mainz schob sich in der ewigen Tabellenführer-Tabelle in den vergangenen acht Tagen von 0 auf 24 - steht da gleichauf mit alten Liga-Recken wie Arminia Bielefeld, MSV Duisburg und VfL Bochum. Sie alle kicken derzeit aber eine Etage tiefer. Die Mainzer dagegen könnten in naher Zukunft weiter zum Überholen ansetzen: Der nächste Gegner der Kampagne heißt Hoffenheim; mit einem Sieg hätten die 05er den ewigen Startrekord von sieben Siegen egalisiert - doch das ist eine andere Statistik.

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