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Bundesliga, 1. Spieltag : Gute-Laune-Fußball und akute Unlustsymptome

Getrennte Wege: Wetklo jubelt über den gehaltenen Elfmeter - Schütze Cacau ist auf dem Weg zur Stuttgarter Niederlage Bild: dpa

Die Bundesliga ist wieder da - und fast alle freuen sich darüber: Mainz bleibt Mainz, Ballack bleibt Ballack - und beide gewinnen am Sonntag. Auch die Aufsteiger St. Pauli und Kaiserslautern starten stark. Und der alte van Nistelrooy schlägt Schalke.

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          Na endlich. Bundesliga. Haben Sie auch die Tage gezählt seit dem 11. Juli? Dem Weltmeisterschaftsendspiel? Dann wissen Sie ja, dass es vierzig waren. Vierzig Tage ohne. Oder hatten Sie noch schlimmere Symptome, können sich an erstklassigen Fußball in ihrer Region kaum erinnern? Dann halten Sie es wahrscheinlich mit dem 1. FC Kaiserslautern und mussten vier Jahre Verzicht üben auf die erste Liga. Was die Fans des FC St. Pauli durchmachen mussten, wollen wir uns lieber nicht vorstellen. Ist aber schön, dass Sie nach acht Jahren auch wieder da sind.

          Alle freuen sich also auf die Bundesliga. Obwohl: Fast alle, genau genommen. Denn bei manchem Vertragsspieler hält sich die Bereitschaft zur Erfüllung des einst unterschriebenen Kontrakts derzeit in engen Grenzen - ein Symptom, das mit wiederkehrender Regelmäßigkeit in den späteren Sommermonaten bei Teilen der Fußball spielenden Elite auftritt und sich, der fußballunabhängigen Sommergrippe ähnlich, einer Heilung hartnäckig widersetzt - vielleicht, weil es nur örtlich begrenzt in Einzelfällen zu beobachten ist.

          Der Hoffenheimer Carlos Eduardo verzichtete auf einen Einsatz beim Heimspiel gegen Werder Bremen. Keine Lust mehr auf den Kraichgau, stattdessen darf es demnächst vielleicht Tatarstan sein. Von einem Wechsel zu Rubin Kasan ist die Rede. Die Kollegen ließen sich die Freude am Saisonauftakt trotzdem nicht nehmen. Nach frühem Rückstand durch einen Handelfmeter von Frings (3.) und Bas Ausgleich (20.) gelangen Mlapa, Ibisevic und Salihovic zwischen der 37. und der 43. Minute drei Tore - die Entscheidung. Hoffenheim steht damit an der Tabellenspitze.

          Gratulant erster Güte: Michael Ballack in „Chelsea-Blue” bei Leverkusens 2:0-Sieg in Dortmund

          In Hamburg standen sich am Samstag zwei Stürmer gegenüber, die im fortgeschrittenen Karrierestadium die Bundesliga als Spielwiese entdeckt hatten. Spielfreude aber gab nur HSV-Stürmer Ruud van Nistelrooy zu erkennen. Eljero Elia, ebenso talentiert wie abwanderungswillig, flankte 18 Sekunden nach Beginn der zweiten Hälfte auf den Niederländer - fertig war das 1:0 der Hamburger. Vom Schalker Neuzugang Raúl war dergleichen nicht zu sehen - Trainer Magath wechselte den Spanier nach einer guten Stunde aus. Und als Farfan in Unterzahl (Höwedes hatte Gelb-Rot gesehen) überraschend ausgeglichen hatte, drehte van Nistelrooy ein zweites Mal auf. Nun war es Zé Roberto, der flankte, van Nistelrooy stand noch ein wenig näher am Tor als beim ersten Treffer - 2:1 für den Hamburger SV.

          Die beiden Tore vom alten Mann mit neuem Schwung führten nach dem Spiel bei Felix Magath zu zwei nicht ganz neuen Ideen:

          1. Der (selbstverständlich unberechtigte) Platzverweis habe das Spiel maßgeblich beeinflusst;

          2. Schalke brauche neue Spieler.

          Der ein oder andere von Unlust befallene Spieler der Konkurrenz dürfte die Notfallnummer von Doktor Magath im Handy gespeichert haben.

          Zvejdan Misimovic zum Beispiel. Dass Wolfsburg beim 1:2 in München zu einem Treffer (durch Dzeko) kam, lag vor allem an der Einwechselung von Zvejdan Misimovic zur Pause. Zahlreiche weitere Auftritte für den Meister von 2009 sind von Misimovic trotzdem nicht unbedingt zu erwarten. Der Bosnier trägt in diesen Tagen nicht nur sein Können zu Markte, sondern auch deutlich zur Schau, wie schwer ihn die Sommerunlust in diesem Jahr in Wolfsburg getroffen hat. Gerne würde er wieder für Magath, seinen Meistertrainer von 2009 auflaufen. Oder für Galatasaray Istanbul.

          Demichelis schmollt, Badstuber spielt, Müller trifft

          Bei Bayern München war Martin Demichelis zu der Erkenntnis gekommen, dass der Platz auf der Tribüne dem auf der Ersatzbank vorzuziehen sei. Auf dem Platz war keiner für den Argentinier, den hatte Trainer van Gaal an Holger Badstuber vergeben - eine allseits erwartete, Demichelis aber offenbar trotzdem überraschende Entscheidung. Demichelis schmollte auf den Rängen und sann über seine Zukunft nach, auf dem Rasen machten Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger (mit seinem Siegtor in der Nachspielzeit) so weiter, wie sie vor der Abreise aus Südafrika aufgehört hatten.

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