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4:1 gegen Gladbach : Leidenschaftliche Kölner gewinnen Derby

  • -Aktualisiert am

Wenn Baumgart die Mütze zieht: Köln feiert sich und seinen Trainer. Bild: Reuters

Unvernünftig, aber leidenschaftlich: Der FC spielt voll auf Angriff und bezwingt Gladbach mit 4:1. Die Fans singen Karnevalslieder und vergessen noch einmal die vierte Pandemie-Welle.

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          Als die Kölner Spieler zu Ende gejubelt hatten und das „Kölle-Alaaf“-Getöse verklungen war, da gönnte sich Steffen Baumgart noch ein kleines Privatvergnügen. Die Fans in der Südkurve hatten den Trainer des 1. FC Köln gerufen, nun war er in den Strafraum vor den Stehrängen gelaufen, zog er seine Schiebermütze vom Kopf, verbeugte sich und feierte mit den euphorisierten Anhängern einen spektakulären 4:1-Sieg im großen Derby gegen Borussia Mönchengladbach. „Es ist einfach schön, diese Emotionen zu spüren", sagte er später. „Ich durfte das noch nicht erleben. Das ist einfach schön gewesen.“

          Bundesliga

          Der Trainer wirkte erstaunlich nüchtern im bislang größten Moment seiner Kölner Zeit.  Dieser Erfolg war der höchste Sieg der Kölner gegen die Borussia seit einem 4:0 unter Peter Neururer 1996, und gewonnene Derbys werden lange erinnert am Rhein. Und nicht zuletzt war dieser Sieg ein Statement. In der vergangenen Saison war der FC ja nur mit Mühe konkurrenzfähig in der Bundesliga, während die Borussia in der Champions League spielte. Derzeit ist der Unterschied zwischen den beiden Teams nur marginal. In der Tabelle sind die Rivalen nach dieser Partie sogar punktgleich, und auf dem Platz war der FC zwar nicht drei Tore besser, der verdiente Sieger waren die Kölner aber schon.

          Bereits in der ersten Halbzeit spielte der FC „richtig gut“, sagte Sportchef Jörg Jakobs, auch wenn da in den Strafräumen noch nicht so viel passierte. Die beste Gelegenheit der ersten Hälfte hatte Anthony Modeste, als er nach einer Ecke aus kurzer Distanz köpfen konnte und Yann Sommer den Ball über die Latte bugsierte (30.). Aber die Atmosphäre war intensiv, denn kein anderer Bundesligagastgeber hatte an diesem Spieltag alle Karten verkaufen dürfen. Nur das Kölner Gesundheitsamt hatte die volle Auslastung genehmigt, die Stadt teilte mit: „Aufgrund des bestehenden Hygienekonzeptes und der bisherigen Umsetzung dessen, hat das Gesundheitsamt der Anfrage zugestimmt.“ Die Eindrücke dieses Tages hinterlassen allerdings Zweifel, ob das richtig war.

          Trotz mehrmaliger Aufforderung durch den Stadionsprecher waren viele tausend Leute nicht bereit, auch auf den Plätzen während der Partie eine Maske zu tragen. Womöglich war es das letzte Spiel vor einer derartigen Kulisse für lange Zeit. „Keiner weiß, was auf uns zukommt“, sagte Jakobs. Erfreulicher als dieses bedrückende Thema war das wunderbare Fußballspiel, das die beiden Teams auf dem Platz boten, wo nach der Pause die nächste Intensitätsstufe gezündet wurde.

          Die Partie wogte hin und her, aber die Kölner waren zu Beginn der zweiten Hälfte etwas energischer. Und ein schöner Spielzug über ihre linke Angriffsseite des FC, an dessen Ende Benno Schmitz den Ball zurück auf Dejan Ljubicic legte, bescherte dem Spiel sein erstes Tor. Der Mittelfeldspieler traf aus 14 Metern zum 1:0 (55.). Dieser Treffer schuf die Grundlage für ein wildes Spektakel, das vielleicht nicht mehr so niveauvoll, dafür aber umso aufregender war. Zu Baumgarts Grundsätzen gehört ja der Vorsatz, auch bei einer Führung immer weiter offensiv und riskant zu spielen. Also hatte die Borussia viel Platz für das eigene Angriffsspiel, mitunter sogar für Konter.

          Kölner Feiertag: 4:1 im Derby gegen Gladbach
          Kölner Feiertag: 4:1 im Derby gegen Gladbach : Bild: dpa

          Alassane Pléa setzte einen wunderschönen Versuch an den Pfosten (62.), immer wieder warf sich der fabelhafte Kölner Torhüter Marvin Schwäbe, der den verletzten Timo Horn vertrat, ins Getümmel. Gladbachs Jonas Hofmann schoss aus bester Lage knapp neben das Tor (66.), und Baumgart wechselte trotz Führung und zunehmendem Druck der Gladbacher mit Mark Uth und Sebastian Andersson zwei Stürmer ein. Das schien sich zunächst zu rächen, als Jonas Hofmann viel zu unbedrängt zum 1:1 abschließen konnte (74.). „Da hatte ich das Gefühl, wir können das Spiel noch gewinnen“, sagte Gladbachs Trainer Adi Hütter, und Torhüter Sommer ergänzte: „Das war ein ausgeglichenes Spiel.“

          Doch Uth traf nach einem schlimmen Fehlpass des Gladbacher Nationalspielers Florian Neuhaus aus 16 Metern zum 2:1 (77.), bevor Ondrej Duda nur eine Minute später nach einem missglückten Abwehrversuch Nico Elvedis ein drittes Tor für die Kölner nachlegte. Baumgart hatte trotzdem, immer das „Gefühl, dass das Spiel noch kippen kann“, und tatsächlich war die Borussia nah dran an einem Anschlusstreffer, der Plea sogar gelang (88.). Doch der Treffer fand aufgrund einer knappen Abseitsstellung keine Anerkennung. Erst mit Anderssons 4:1 (90.) war die Partie endgültig entschieden.

          Die Kölner sangen Karnevalslieder und die Gladbacher verließen deprimiert ihren Block, denn alle wussten, was Baumgart etwas später aussprach: „Jedes Derby hat eine große Bedeutung, nicht nur für uns, für Gladbach auch.“

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