https://www.faz.net/-gtm-8fbqg

Bündnis „Team Marktwert“ : „Traditionsklubs“ der Bundesliga fordern mehr Geld

  • -Aktualisiert am

Das Fernsehen zahlt der Bundesliga bald mehr Geld – aber wer profitiert wie viel? Bild: Picture-Alliance

Von 2017 an wird die Fußball-Bundesliga mehr TV-Geld an ihre Vereine ausschütten. Das Vorgeplänkel um die Verteilungsfrage hat begonnen. Dafür schließen sich sechs Traditionsklubs zusammen.

          2 Min.

          Nachdem sich sechs Klubs der Fußball-Bundesliga zu einer Initiative für eine „gerechte und moderne Verteilung“ der Fernsehgelder zusammengeschlossen haben, sollen nun mehr Vereine dem Bündnis „Team Marktwert“ beitreten. Ausdrücklich sei die Mitarbeit weiterer Profiklubs aus beiden Ligen gewünscht, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung. Beteiligt sind bisher Eintracht Frankfurt, Werder Bremen, Hertha BSC, der Hamburger SV, 1. FC Köln und VfB Stuttgart.

          Die Idee ist nicht neu. Aber jetzt sollen wohl konkret Mehrheiten gesucht werden für eine Änderung in der Liga-Satzung. Es geht darum, dass das Geld aus der nationalen Fernsehvermarktung, derzeit 628 Millionen Euro im Schnitt pro Saison, nicht nur gemäß des sportlichem Erfolgs, sondern auch nach dem jeweiligen Marktwert des Vereins ausgeschüttet werden soll.

          Nicht nur die Tabellenposition müsse berücksichtigt werden, sagte Axel Hellmann, Vorstandsmitglied bei der Fußball AG von Eintracht Frankfurt. „Bei der Verteilung sollte in besonderem Maße berücksichtigt werden, wer den Wert unseres gemeinsamen Produkts Bundesliga steigert, weil er viele Fans hat und für öffentliches Interesse sorgt.“ Zudem führt die Gruppe an, dass alle großen Ligen wie in England, Spanien, Italien oder Frankreich inzwischen Verteilungsmodelle eingeführt hätten, die mehrere Kriterien berücksichtigten. 25 bis 30 Prozent der Medienerlöse würden dort nach Marktwert-Aspekten ausgeschüttet. Ein solcher Marktwert könne sich aus „objektiven Kennzahlen“ wie Fan-Basis, Beliebtheit, Bekanntheit, TV-Reichweite und Raten bei den Social-Media-Aktivitäten errechnen.

          Bislang erhält in Deutschland die erste Liga 80 Prozent und die zweite Liga 20 Prozent der Einnahmen aus der nationalen TV-Vermarktung. Innerhalb der beiden Ligen erhält der Tabellenerste doppelt so viel wie der Tabellenletzte. Grundlegend für die Rechnung sind die sportlichen Leistungen der vergangenen fünf Jahre. Hinzu kommen die Einnahmen aus der Auslandsvermarktung. In der abgelaufenen Saison 2014/2015 spielten die Bayern so in der Bundesliga mehr als 50 Millionen Euro ein. Den letzten Platz in der TV-Tabelle belegte Zweitligaklub Heidenheim mit Einnahmen in Höhe von 5,1 Millionen.

          Unbenanntes Dokument

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. in völlig neuer Form, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken, optimiert für Smartphone und Tablet. Jetzt gratis testen.

          Die neue Initiative richtet sich gegen sogenannte Retortenklubs wie Wolfsburg, Leverkusen, Hoffenheim oder Ingolstadt. Die Vertreter der selbsternannten Traditionsvereine sind der Meinung, dass diese Klubs vor allem durch ihre geringere Anhängerschaft weniger zum Gesamtprodukt Bundesliga beitragen. Im Dezember forderte der Zweitligaklub FC St. Pauli, dass Vereine mit Mäzen oder Konzern im Hintergrund, die über mehr finanzielle Möglichkeiten verfügten, ganz ausgeschlossen werden müssten vom TV-Gelder-Zufluss.

          Im Jahr 2010 hatte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke, vorgeschlagen, „weiche Faktoren“ in die Verteilung einzubeziehen. Die Liga in den Niederlanden verteilte schon damals mehr als ein Drittel der Einnahmen anhand von Popularitätswerten auf ihre Klubs. Bis Juni will die Deutsche Fußball Liga die Medienrechte für die vier Spielzeiten von 2017/18 bis 2020/21 vermarktet haben. Die Einnahmen könnten diesmal auf mehr als eine Milliarde Euro pro Saison steigen. Das Vorgeplänkel um die Verteilungsfrage hat begonnen. Der Ligavorstand mit seinen acht Mitgliedern könnte eine neue Regelung direkt beschließen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gregor Gysi am Sonntagabend in Berlin

          Einzug ins Parlament : Die drei Retter der Linkspartei

          Die Linke ist bei der Bundestagswahl unter die Fünf-Prozent-Hürde gefallen. Trotzdem darf sie mit 39 Abgeordneten ins neue Parlament. Das hat sie drei Kandidaten zu verdanken, die ihre Wahlkreise gewonnen haben.
          Norbert Walter-Borjans am Montag in Berlin

          Wer bildet die Regierung? : Die SPD lockt die Liberalen mit Drohungen

          Die Führung der SPD sucht mit merkwürdigen Methoden nach einem Partner. Gegenüber der FDP und ihrem Vorsitzenden wird sie geradezu beleidigend. Deren Vorstellungen seien „Voodoo-Ökonomie“, sagt Norbert Walter-Borjans.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.