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Hamburger SV : Maloche statt Mallorca für Bruno Labbadia

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„Ich bin mir bewusst, was ich mache“: Bruno Labbadia Bild: dpa

Der nächste Trainer, bitte: Für den Hamburger SV sind die „Retter-Qualitäten“ des Rückkehrers Bruno Labbadia die letzte Hoffnung auf den Klassenverbleib. Die Mission beginnt ziemlich turbulent.

          Sie hatten es noch nicht einmal geschafft, den blauschwarzen Trainingsanzug mit seinen Initialen zu beflocken. Das hielt den gewohnt energiegeladenen Bruno Labbadia natürlich nicht davon ab, am Mittwochvormittag zum ersten Mal mit der neuen Mannschaft zu trainieren. Noch am Sonntag hatte sich der 49 Jahre alte Fußball-Lehrer auf den Mallorca-Urlaub mit seiner Frau gefreut.

          Dann rief der Hamburger SV an, und „meine Frau musste allein fliegen“. Die letzten Details mit seinem neuen, alten Klub waren erst um 3.30 Uhr in der Nacht zum Mittwoch geklärt. An Schlaf war da nicht zu denken, aber: „Ich habe mich auch genug ausgeruht“, sagte Labbadia zur Mittagszeit im prall gefüllten Presseraum des HSV bestens gelaunt.

          Der neue, der vierte Coach der Hamburger in dieser Saison, hatte seine Profis kurz zuvor mit einer Überraschung für die zweite Wochenhälfte erfreut: Noch am Nachmittag machte sich der Tabellenletzte zu einem Kurztrainingslager nach Rotenburg an der Wümme auf. Dort soll sich bis Freitagabend in aller möglichen und nötigen Konzentration auf das Spiel am Sonntag bei Werder Bremen vorbereitet werden. Der Abschied von Hamburg, die Abkehr vom Allzuvertrauten dürfte als Teambuilding-Versuch die erste gute Entscheidung Labbadias sein, waren die Hamburger Profis doch zuletzt nur als Ansammlung hochbezahlter Einzelspieler aufgefallen.

          Labbadia sagte: „Die Mannschaft muss sich miteinander befassen. Wir müssen jeden Millimeter an Möglichkeit nutzen, um schnell wieder zu gewinnen.“ Labbadia wirkte offen und wohlgestimmt, antwortete freundlich auf die vielen Fragen. Die beiden Verantwortlichen des HSV aber, Dietmar Beiersdorfer und Peter Knäbel, hatten es schwer. Wie erklärt man das Unerklärliche? Gerade AG-Chef Beiersdorfer hat eine ganze Reihe schwerwiegender Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen zu verantworten, die man ihm nicht zugetraut hatte.

          Schon am Mittag stand der neue Coach auf dem Trainingsplatz

          Zum dritten Trainer-Wechsel der Saison sagte er: „Wir waren am Sonntag noch überzeugt, mit Peter Knäbel als Trainer weiterzumachen. Am Montag hat sich die Situation aber verändert, und wir mussten zu der Erkenntnis kommen, dass die Gespräche mit Thomas Tuchel nicht weiterzuführen sind. Die Mannschaft ist von innen heraus schwer zu motivieren, deshalb mussten wir einen Impuls von außen setzen.“ Labbadias bis Sommer 2016 laufender Vertrag gilt auch in der zweiten Liga. Natürlich kam die Frage, ob Tuchel dem HSV abgesagt habe, um Jürgen Klopp nachzufolgen – doch zu diesem Themenkomplex wollte keiner etwas sagen.

          Im Moment wirkt es jedenfalls, als käme der HSV bei einem begehrten ehemaligen Mainzer zum zweiten Mal zu spät, nachdem sich Beiersdorfer als Sportchef im Februar 2008 nicht durchringen konnte, Klopp zu verpflichten. Auch mit Blick auf Labbadia gab es Bedenken, denn Beiersdorfer hatte die „Option Bruno“ schon im September als Slomka-Nachfolger in Erwägung gezogen, entschied sich dann aber für Joe Zinnbauer, den Mann aus dem eigenen Stall.

          Start in den Frühling: Bruno Labbadia übernimmt die schwierige Aufgabe beim HSV

          Nun also kehrt derjenige zurück, der, verglichen mit heute, in einer überaus bequemen Situation 2010 gehen musste. Damals hatte Labbadia den HSV von Martin Jol übernommen und führte ihn ins Halbfinale der Europa League. Auf Rang sieben standen die Hamburger, als eine 1:5-Niederlage in Hoffenheim Labbadias Aktien vor genau fünf Jahren schlagartig sinken ließ.

          Boss Bernd Hoffmann hatte damals Angst, das „Finale im Wohnzimmer“ zu verpassen; die Uefa hatte das Europa-League-Endspiel nach Hamburg vergeben. Ohne den dann entlassenen Labbadia, mit seinem damaligen Assistenten Ricardo Moniz, schied der HSV gegen den FC Fulham aus. Eine Pleite, die als Keimzelle des Niedergangs gilt.

          Mit dem HSV-Logo auf der Brust: Stürmer Labbadia in der Saison 1987/88

          Der in Hamburg wohnende Labbadia hatte oft gesagt, er sei noch nicht fertig mit dem HSV. Nun kann er beweisen, dass seine Retter-Qualitäten unter ungleich schlechteren Voraussetzungen als 2011 beim VfB Stuttgart auch beim HSV fruchten „Ich bin mir bewusst, was ich mache“, sagte der gebürtige Darmstädter, „das Leben ist zu kurz, um immer nur zu überlegen. Ich habe Bock auf diesen Job.“

          Der in seinen zwei Trainerwochen ungeschickt und unglücklich agierende Sportchef Knäbel wird seinen angestammten Posten einnehmen. Knäbel wirkte erleichtert, nicht mehr auf dem gefährlichsten Schleudersitz der Liga Platz nehmen zu müssen. Labbadia aber stürzt sich nach seiner 18-monatigen Pause, in der er in vier Ländern bei verschiedenen Klubs hospitierte, wieder ins Abenteuer Bundesliga. „Man bezahlt einen hohen Preis für das Dasein als Bundesligatrainer“, sagte er auch mit Blick auf Klopp, und fügte an: „Fußball ist geil. Wenn man gewinnt.“

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