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Bruno Labbadia : Erkenne deine Chancen

  • -Aktualisiert am

Hat wieder gut lachen: Bruno Labbadia Bild: dpa

Eben noch klarer Absteiger, jetzt schon Kandidat für die Champions League. Bruno Labbadia hat nach dem Auswärtssieg in Hamburg Oberwasser und nimmt seine Kritiker auf die Schippe.

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          Bruno Labbadia hatte Spaß daran, seine Zuhörer ein bisschen hochzunehmen: „Wir waren nach sieben Runden fast abgestiegen“, sagte der Trainer des VfB Stuttgart, „jetzt haben wir nur noch drei Punkte Rückstand auf die Champions League.“ Labbadia schaute dann auf und guckte mit großen Augen in die Runde, damit auch jeder verstand, dass er sich nun des Stilmittels der Ironie bedienen würde: „Wir werden jetzt natürlich die Champions League voll  angreifen.“

          Labbadia gelang es am Sonntagabend nach dem 1:0-Sieg seines VfB Stuttgart beim Hamburger SV gut, mit den überbordenden Erwartungen in der baden-württembergischen Landeshauptstadt zu spielen. Von dem seiner Meinung nach zu kleinen Kader, der zudem durch Verletzungen geschwächt ist (Hoogland, Didavi und Cacau), sprach Labbadia nicht, er sagte stattdessen: „Ich habe heute den Traum eines jeden Trainers erlebt - ich musste niemanden auf die Tribüne setzen!“ 

          Wenn Labbadia so weiter durch die Saison geht - erkenne Deine Chancen statt beklage Deine Sorgen -, wird der 46 Jahre alte Coach noch zum Liebling seiner Vorgesetzten, Präsident Gerd Mäuser und Aufsichtsrats-Chef Dieter Hundt. Nachdem Labbadia vor zwei Wochen im Anschluss an das Leverkusen-Spiel der Kragen geplatzt war und er in einer offenbar vorbereiten Rede gegen seine Kritiker aus den Stuttgarter Zeitungshäusern schoss, wirkte er am Sonntag, als habe es gut getan, sich mal Luft verschafft zu haben. Die Wutrede streifte er mit keinem Wort, nur ein bisschen Spott über die Hochrechnungen war übrig  geblieben - siehe oben.

          Allerdings neigt der Trainer dazu, eigene Kalamitäten aufzuzählen
          Allerdings neigt der Trainer dazu, eigene Kalamitäten aufzuzählen : Bild: dpa

          Natürlich betrachtet Labbadia seine durch schwäbische Sparsamkeit reduzierte  Mannschaft nicht als Champions-League-Kandidaten. Allerdings sind die Mittel beim VfB mit etwa 40 Millionen Euro für den Profikader weiterhin im oberen Drittel der Bundesliga anzusiedeln, und sein Diktum von der jungen Mannschaft  führt sowieso in die Irre: in Tasci, Boka, Kvist, Gentner und Ibisevic hat er genug erfahrene Spieler dabei und alles in allem ein Team, das normalerweise zwischen Rang fünf und acht anzusiedeln ist. 

          Wortreicher Beschwerdeführer

          Es geht beim VfB wohl eher darum, dass die Mannschaft öfter so spielt wie am Sonntag und am besten gar nicht mehr so wie in der Europa League in Molde beim 0:2. „Man hat gesehen, dass die Mannschaft will“, meinte Labbadia nach dem zweiten Saisonsieg. „Aber wir müssen aufpassen, wir können durch Kleinigkeiten  unten reinrutschen.“ Formkrisen, Verletzungen und Krankheiten, zählte der Trainer auf, könnten reichen, um das zerbrechliche Gebilde namens VfB in Not zu bringen. Diese Sorgen hat Labbadia in Stuttgart aber keineswegs exklusiv. Der Coach neigt nur dazu, besonders nachdrücklich und wortreich auf seine Kalamitäten hinzuweisen.

          Das kennt man in Hamburg noch gut aus seiner Zeit als HSV-Trainer. Höchstwahrscheinlich wird sein Team auch nicht in jedem Spiel so viel laufen und so erfolgreich gegen den Ball arbeiten können wie in Hamburg. Das war an der Grenze zum Optimum, befand der gut gelaunte Sportchef Fredi Bobic: „Das hatte Klasse, wie die Jungs gespielt haben.“ 

          Tatsächlich spielte der VfB beim kampfstarken, aber ideenlosen HSV lange Zeit  sehr engagiert und erarbeitet sich viele Torchancen. Weil aber nur Vedad  Ibisevic in der 31. Minute traf, musste Stuttgart am Ende um den Erfolg  zittern. Am Donnerstag müssen sich die Stuttgarter nun in der Europa League gegen den FC Kopenhagen beweisen. Dann hilft nur ein Sieg, um die europäischen Ambitionen zu wahren.

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