https://www.faz.net/-gtm-6zhbz

Bruno Labbadia : Der romantische Realist

  • -Aktualisiert am

Akribie im Ländle der Tüftler: Labbadias Geduldsspiel ist aufgegangen Bild: dapd

Der angebliche „Hinrundentrainer“ Labbadia hat den VfB Stuttgart zum treffsichersten Team der Rückrunde gemacht. Auch nach dem Spiel beim FC Bayern an diesem Samstag (15.30 Uhr) wollen die Schwaben Fünfter bleiben.

          4 Min.

          Blauer Anzug, weißes Hemd, die schwarzen Schuhe picobello gewienert, das dunkle Haar sorgfältig gekämmt - alles an Bruno Labbadia ist picobello, wenn er in der Coaching-Zone steht und seine Mannschaft beobachtet. Den Chic, der diesen Fußballlehrer mehr als jeden seiner Bundesliga-Kollegen auszeichnet, möchte der Trainer des VfB Stuttgart am liebsten auf das Spiel seiner Profis übertragen. Auch deren Auftritte sollen möglichst stilbewusst, stimmig und prägnant anmuten - daran arbeitet Labbadia voller Akribie im Ländle der Tüftler.

          Das jüngste von neun Kindern einer italienischen Einwandererfamilie aus Schneppenhausen bei Darmstadt ist nach durchwachsenen, kurzfristigen Erfahrungen auf seinen zwei ersten erstklassigen Trainerstationen in Leverkusen und Hamburg auf dem Cannstatter Wasen fast schon sesshaft geworden. „Ich bin“, sagt er ein wenig staunend, „nach jetzt 17 Monaten hier am zweitlängsten beim VfB in den vergangenen sechs Jahren.“ Länger war in diesem Zeitraum nur Armin Veh da, der mit den Schwaben im Jahr 2007 deutscher Meister wurde.

          Vom nationalen Fußballgipfel spricht der 46 Jahre alte Labbadia nicht einmal andeutungsweise, und das ist auch vollkommen verständlich. Es ist ja noch nicht so lange her, dass er nach Stuttgart kam, um den VfB in der Saison 2010/11 vor dem Abstieg zu bewahren. Geholt von Fredi Bobic, dem 40 Jahre alten Sportdirektor des VfB, der bei diesem Klub einst mit Giovane Elber und Krassimir Balakow ein magisches Dreieck für die Freunde zauberhaften Angriffsfußballs bildete.

          Bobic, wie Labbadia in seiner Zeit ein Bundesliga-Stürmer par excellence, musste gleich in seinem ersten Jahr als sportlicher Leiter des Klubs zwei Trainer (Christian Gross und Jens Keller) entlassen und eine Krise meistern, die den VfB Stuttgart bis auf den 17. Platz der Tabelle zurückgeworfen hatte. „Und dann holte er jemand, der noch nie Abstiegskampf gemacht hat“, sagt Labbadia im Blick zurück auf eine Entscheidung, die manchem gewagt vorkam. Schließlich stand dieser Bruno Labbadia nach der vorzeitigen Trennung von Bayer Leverkusen und seiner Entlassung beim Hamburger SV in dem Ruf, zwar ein Mann voller Ideen zu sein, dem aber die Überzeugungskraft fehle, Konstanz in die Leistungen seiner Teams zu bringen. Vorurteile, die er in Stuttgart widerlegt hat.

          Angriffslustiger Ästhet

          Der angebliche „Hinrundentrainer“ bewahrte den VfB, der in der Rückrunde der Spielzeit 2010/11 dreißig Punkte aufsammelte, zunächst vor dem Abstieg und führte ihn nach einer Saison mit ein paar Dellen kurz vor und nach der Winterpause auf den Europa-League-Rang fünf. Da wollen die Schwaben auch nach dem Auswärtsspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) beim Champions-League-Finalisten Bayern München bleiben, denn nur als Ligafünfter erreicht der VfB den internationalen Wettbewerb ohne Qualifikationsspiele vorweg.

          Weitere Themen

          Olympiasiegerin Chloe Kim zurück im Wettkampf Video-Seite öffnen

          Snowboard Weltcup : Olympiasiegerin Chloe Kim zurück im Wettkampf

          Der 20-jährigen Amerikanerin Chloe Kim ist es gelungen nach rund zwei Jahren Pause mit einem Sieg im schweizerischen Laax wieder in die Wettkampfwelt zurückzukehren. Sie hatte im Vorfeld eine Pause eingelegt, um ihr Studium an der Princeton University voranzubringen.

          Topmeldungen

          Vorbereitung einer Infusion.

          Künstliche Antikörper : Wer bekommt Spahns Covid-Prophylaxe?

          200.000 hochgradig gefährdete Bundesbürger sollen die „passive Impfung“ erhalten, für die die Regierung viel Geld in die Hand genommen hat. Die Antikörper helfen – allerdings nur vorbeugend, wenn die Infizierten noch nicht krank sind. Wer also bekommt sie?
          Vor allem preiswerte Tintenstrahldrucker für zu Hause sind derzeit knapp.

          Homeoffice : Drucker sind knapp

          Während es im ersten Lockdown noch der alte Drucker tat, statten sich jetzt viele Menschen mit neuen Elektrogeräten für Homeoffice und Homeschooling aus. Hersteller und Handel trifft das unvorbereitet.
          Gerd Winner, No, 1983, Mischtechnik auf Leinwand

          F.A.Z. exklusiv : Huber und Dabrock gegen assistierten professionellen Suizid

          Evangelische Theologen haben für einen professionell assistierten Suizid in kirchlichen Einrichtungen plädiert. Das darf niemandem gleichgültig sein, dem an der öffentlichen Präsenz des Christentums gelegen ist. Ein Gastbeitrag.
          Wohl dem, der zu Hause ein sonniges grünes Plätzchen hat. Eine Horizonterweiterung kann, mit dem richtigen Buch, auch dort stattfinden.

          Zukunft des Tourismus : Über Leben ohne Reisen

          Was passiert mit uns, wenn wir nicht reisen? Die Zukunftsforscher Horst Opaschowski und Matthias Horx über Langeweile, Horizonterweiterung und die Frage, wie unser Urlaub nach der Pandemie aussehen wird.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.