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Markus Anfang und Darmstadt 98 : Wie Bremens neuer Trainer den alten Klub überrumpelte

  • -Aktualisiert am

Trainer Markus Anfang ist kein Darmstädter mehr. Bild: dpa

Darmstadt 98 verliert Markus Anfang, der unbedingt nach Bremen wechseln wollte. Werder und der Trainer schienen sich dabei für eine Art Überrumpelungstaktik entschieden zu haben – mit Erfolg.

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          Die frühsommerliche Ruhe nach dem formidablen Saisonabschluss in der zweiten Liga ist bei den „Lilien“ vorbei. Der SV Darmstadt muss sich mal wieder auf Cheftrainersuche begeben, weil Markus Anfang den Klub mit sofortiger Wirkung verlassen hat, um sich dem SV Werder Bremen anzuschließen. Der 46-jährige Fußballlehrer gesellt sich in die Reihe von Coaches mit nur kurzer Verweildauer am Böllenfalltor.

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          Nach dem Bundesligaabstieg 2017 gehen die Südhessen im August in ihre fünfte Zweitligasaison in Serie – mit dem dann fünften Cheftrainer in dieser Zeitspanne. Denn nach Torsten Frings (fünf Monate in der zweiten Liga), Dirk Schuster (15) und Dimitrios Grammozis (16) verbrachte auch Anfang nur zwölf Monate beim SVD.

          „Ich hatte ein kurioses, aber auch sehr schönes Jahr in Darmstadt und werde immer im Positiven auf meine Zeit bei den Lilien zurückblicken. Nach der Kontaktaufnahme von Werder stand für mich allerdings schnell fest, dass ich diese Herausforderung annehmen möchte“, sagte Anfang am Dienstag laut einer Vereinsmitteilung.

          Stillosigkeit von Werder und Anfang

          Die Darmstädter waren in Aufruhr, seitdem die Bremer ihnen mitgeteilt hatten, dass sie sich mit Anfang, der beim SV 98 noch einen Vertrag bis Sommer 2022 hatte, für einen Wechsel an die Weser einig seien. Das war am vergangenen Wochenende. Anfang und Werder schienen sich für eine Art Überrumpelungstaktik entschieden zu haben: Erst hat wohl Anfang der Darmstädter Führung mitgeteilt, dass er nach Bremen wechseln will, dann hat der Bundesligaabsteiger offensichtlich die Südhessen informiert, dass man sich mit deren Cheftrainer einig sei.

          Zunächst stellte sich die SVD-Führungscrew noch quer. Wohl als Reaktion auf die Stillosigkeit von Werder und auch Anfang, der den harten Bruch mit dem SVD in Kauf genommen hat. Und freilich um den Preis hochzutreiben. Werder soll zunächst 200.000 Euro Ablöse in Raten geboten haben – ein Angebot, das die „Lilien“ als brüskierend gering betrachtet haben sollen. Auf dem zuletzt rasant in Fahrt gekommenen Trainermarkt hierzulande soll den „Lilien“ eine siebenstellige Summe vorgeschwebt haben.

          Über die konkrete Ablöse vereinbarten beide Parteien Stillschweigen. „Zwar hätten wir gerne weiterhin mit Markus Anfang zusammengearbeitet, doch wir haben uns dazu entschieden, seinem ausdrücklichen Wechselwunsch zu entsprechen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Diesbezüglich konnten wir eine Einigung mit Werder Bremen erzielen“, sagte der Darmstädter Carsten Wehlmann, der nun federführend mit der Nachfolgersuche beauftragt ist.

          Als Werder-Sportchef Frank Baumann unlängst die Anforderungen für den neuen Bremer Chefcoach umriss, las sich dies wie das Profil von Markus Anfang. Zweitligaerfahren, druck- und stressresistent auch in einem bisweilen unruhigen Vereinsumfeld – dies kann der 46-Jährige zur Genüge bieten. Anfang kann zweite Liga.

          Das hat er nun mit drei verschiedenen Vereinen und unter verschiedenen Voraussetzungen, aber stets mit einer erkennbaren, einem offensiven Spielstil zugeneigten Trainerhandschrift bewiesen: Mit Holstein Kiel wurde er als Aufsteiger Dritter, beim großen 1. FC Köln wurde er als Spitzenreiter kurz vor dem feststehenden Aufstieg entlassen und bei Darmstadt 98 nach der besten Rückrunde der Vereinsgeschichte (33 Punkte) noch Siebter.

          Dass Anfang enorm ehrgeizig ist, haben sie am Böllenfalltor in der abgelaufenen Saison häufig gemerkt. Dass er Darmstadt womöglich nur als Durchgangsstation auf seinem angestrebten Weg in die Bundesliga – die er in Kiel und Köln jeweils nur fast erreichte – betrachtete, dürfte die SVD-Verantwortlichen nicht überraschen. Einige Male ließ Anfang durchblicken, dass er von der (Gehalts-)Struktur und den Investitionsmöglichkeiten in den Kader schlechtere Voraussetzungen vorgefunden habe, als ihm bei der Vertragsunterschrift suggeriert worden sei.

          Der gebürtige Kölner äußerte regelmäßig, dass mehrere Transferperioden nötig seien, um das Profiaufgebot gemäß seinen Vorstellungen zu modellieren. Die nun feststehenden Abgänge der wichtigen Spieler Serdar Dursun, Victor Palsson und Immanuel Höhn und der wahrscheinliche Verlust des Leihspielers Lars Lukas Mai werden Anfangs Abwanderungsgelüste befeuert haben. Unlängst hatte er noch gesagt: „Wir wissen alle, wie schwer die Liga in der nächsten Saison wird. Wir wissen alle um die Abgänge, die wir haben, und wir wissen alle, dass wir adäquate Spieler brauchen.“ Nun brauchen die „Lilien“ auch noch einen neuen Cheftrainer.

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