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Bremen in der Krise : Ein Patient namens Werder

  • -Aktualisiert am

Notorisch flügellahm: Die Bremer Profis Petersen (l.) und Sokratis spiegeln die Stimmungslage bei Werder Bild: dpa

Immer tiefer rutschen die Bremer in der Tabelle. Was früher die Champions League war, das ist heute der Kampf gegen den Abstieg. Vor dem Spiel gegen Wolfsburg (18.30 Uhr) hat sich ein Fußball-Modell überlebt - und Trainer Schaaf muss sich hinterfragen lassen.

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          In den Ecken des Presseraums hängen zwei Fernseher von der Decke; auf ihnen sind die beiden relevanten Videotext-Tafeln eingestellt - Nummer 253 und Nummer 252. Wer auf die 252 schaut, sieht die Spieltags-Vorschau: Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg, Samstag, 20. April 2013, 18.30 Uhr (Live im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET). Die beachtet aber kaum jemand. Denn viel interessanter oder bedrohlicher, je nach Standpunkt, ist die Tafel 253. Bremen steht auf Rang 14, das Polster auf die Vereine, die Werder im Nacken sitzen, ist bedrohlich dünn. Die 29. Runde ist eine Art Wegweiser: Geht es gerade noch einmal gut, oder muss sich der Champions-League-Teilnehmer von 2010 durch die Saisonverlängerung namens Relegation quälen?

          Da passt es ins Bild, dass Mediendirektor Tino Polster am Donnerstagmittag sekundenlang auf die Tabellentafel schaut. Als könne er diesen Niedergang nicht glauben. Als wolle er Werder per Telekinese ein paar Plätze weiter nach oben schieben. Polster geht es aber nur um die Uhrzeit auf der Tafel. Die Pressekonferenz mit Trainer Thomas Schaaf und Sportchef Thomas Eichin soll gleich beginnen.

          Keine Hektik, keine Proteste, keine Sonderaktionen

          Hat man die Dramatik der aktuellen Werder-Situation im Sinn, ist es erstaunlich, wie ruhig es zugeht. Keine hektischen Trainingslager, keine Sonderaktionen. Keine Fanproteste. Keine Plakate am Trainingsplatz. Und auch keine Fragen zu Schaafs Jobsicherheit. Nur die ehemaligen Profis Günter Hermann und Uli Borowka sind vor einiger Zeit ausgeschert und haben gefordert, den Trainer durch einen neuen zu ersetzen. Schaaf hat geantwortet: „Jeder hat prinzipiell das Recht, zu sagen, was er will.“ Es nervt ihn, wenn man ihm mit der abgenutzten Beziehung zur Mannschaft kommt: „Es gab eine erhebliche Fluktuation im Kader. Mit den meisten Spielern arbeite ich gerade Mal zwei, drei Jahre“, sagt Schaaf. Es gibt in Bremen keinerlei Anzeichen, dass er seinen Job nach einer Niederlage gegen Wolfsburg verlieren könnte.

          Die Fakten sprechen gegen den Coach und seine Mannschaft: In der Rückrunde hat Werder nur zweimal gewonnen. Wie in den beiden Spielzeiten davor haben die Bremer einer ordentlichen Hinserie eine schwache zweite Saisonhälfte folgen lassen. Schaaf kann oder will das nicht vernünftig erklären, er sagt: „Entscheidend ist, dass wir zu viele Fehler gemacht haben. Wir haben viele Dinge einfach nicht zu Ende gekriegt, obwohl wir gut angefangen haben. Wir waren oft nah dran, aber haben es dann nicht geschafft.“ Es sind auch solche Allgemeinplätze, die Schaafs Kritiker auf den Plan rufen. Der 51 Jahre alte Coach bemüht sich, die Brisanz der Wolfsburg-Partie herunterzuspielen: „Das wichtigste Spiel ist immer das nächste.“

          Etwas weiter kommt man bei Thomas Eichin, dem neuen Sportchef. Der Mann hat seinen Posten neben Schaaf erstaunlich schnell gefunden. Er hat sich in Absprache mit den alten Granden Willi Lemke, dem Aufsichtsratschef, und Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer entschieden, Schaaf Rückendeckung zu geben und die Mannschaft nur sanft anzugreifen. Vor ein paar Wochen monierte Eichin, ihm sei die Stimmung in Bremen viel zu schlecht. Es sei längst nicht fünf vor Zwölf. Höchstens zwanzig vor. Nun wird er gefragt, wohin die Zeiger denn inzwischen gewandert seien. Eichin überlegt kurz und sagt: „Es wird von außen entsprechend Druck aufgebaut. Wir müssen sehen, dass wir Druck wegnehmen. Wir sind uns der Situation einhundert Prozent bewusst.“

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