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Bremen gegen Hamburg : Die Eleganten und die Grimmigen

  • -Aktualisiert am

Deutliches Zeichen: Stevens hofft auf einen „Dreier” Bild: AP

Das Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV an diesem Samstag ist auch ein Wettbewerb der Spielauffassungen. Christian Kamp und Frank Heike haben die Fußball-Bundesligaklubs unter die Lupe genommen.

          Lesen wir Fußball doch einmal nicht als Heldengeschichte. Natürlich, es kann leicht sein, dass ein Geistesblitz, ein Moment individueller Klasse, das Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV an diesem Samstag (15.30 Uhr im FAZ.NET-Liveticker) entscheidet. Dann ist die Chance gut, dass entweder Diego oder Rafael van der Vaart daran beteiligt sein werden. Sie sind die herausragenden Akteure ihrer Teams, strategische Köpfe und unnachahmliche Einzelkönner zugleich.

          Doch die spannendere Frage könnte diesmal sein: Welche Idee, welche Auffassung vom Spiel setzt sich durch? Es kommt nicht oft vor, dass zwei Mannschaften in einer Saison vorführen, wie man auf ganz verschiedene Art erfolgreich Fußball spielen kann. Beinahe gleichauf, mit je einem Punkt Rückstand auf den FC Bayern, gehen Werder und der HSV in den Klassiker an diesem Samstag, der auch ein kleiner Ideenvergleich ist.

          Das Bremer Spiel ist auch eine Typfrage

          Was die Bremer auf dem Platz auch anstellen - es sieht einfach nicht nach schwerer Arbeit aus. Leichtigkeit ist die gängige Maßeinheit für die Güte ihres Spiels. Das schnelle, direkte Passen, die kreativen Momente - all das ist längst zu Werders Markenzeichen verschmolzen. Trotz des Verlusts von Miroslav Klose sind die Bremer noch das torgefährlichste Team der Liga. Zugleich - und weniger beachtet - pflegen sie auch das entsprechende Defensivverhalten. Die Naldos, Mertesackers und Baumänner verteidigen brav, aber präzise, man könnte sagen: spielerisch. Nichts ist wertvoller als ein kontrolliert gewonnener Zweikampf, der ohne Zeitverlust in den nächsten eigenen Angriff mündet.

          Schaaf, ein Freund der Rautenformation

          Das Bremer Spiel ist eben auch eine Typfrage. Es ist kein Zufall, dass der nette Baumann Kapitän ist, dass der Abiturient Mertesacker die Rolle des Klassensprechers übernommen hat. Auf dem Platz kommen sie ohne große Gestik und Gebrüll aus. Das gilt auch für die Fraktion der sonnigen Gemüter, Diego und Naldo, für die das Leben und der Fußball keinen Schatten bereitzuhalten scheinen. Hat man bei Sanogo und Carlos Alberto nicht so genau hingeschaut? Oder kann es auch sein, dass ein bisschen mehr Giftigkeit (Frings und Borowski sorgen bisweilen dafür) manchmal nicht schaden würde? Klubchef Born jedenfalls sagte kürzlich, dass er den Hamburger de Jong als „markigen Kerl“ sehr schätze.

          Die Werder-Raute begünstigt schnelle Kombinationen

          Vielleicht ist das gesamte Bremer Spiel, das - wenn man nicht gerade gegen Real Madrid spielt - stets auf Kontrolle und Dominanz ausgerichtet ist, ein bisschen zu einseitig. Es sind jedenfalls seit Jahren Teams von einem bestimmten Zuschnitt, gegen die Werder Probleme hat: Physisch starke Gegner, die allein auf Zerstörung aus sind, dürfen auf ein Unentschieden hoffen; kommt noch Konterstärke dazu, geht der Schuss für Werder auch mal schmerzhaft nach hinten los - wie beim 0:3 in Dortmund, auch ein 0:4 gegen die Bayern gehört in diese Kategorie.

          Die Rautenformation als immer gleiche Grundordnung ist der organisatorische Ausdruck der Bremer Spielidee. Trainer Schaaf hat sie seiner Mannschaft schon vor Jahren verordnet und ist bis heute nicht davon abgerückt. Wie gut sich die Spieler an diesem Gerüst festhalten können, selbst wenn immer neue Ausfälle das Team durcheinanderwirbeln, hat das 3:2 der Bremer Reserveelf gegen Madrid noch einmal eindrucksvoll vor Augen geführt. Die Raute begünstigt schnelle Kombinationen, weil sie es leichter macht, Überzahl herzustellen. Sie macht aber auch die Defensive anfällig, weil sie nach Ballverlusten viel Räume und nur wenig Absicherung bietet. Nachdem die Raute eine Weile als letzter Schrei gegolten hatte, organisiert sich in der Bundesliga neben Werder nur noch der VfB Stuttgart regelmäßig so.

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