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Braydon Manu bei Darmstadt 98 : Reden, rackern, rennen – treffen!

  • -Aktualisiert am

Aufbruchstimmung: Braydon Manu hat in Darmstadt eine tragende Rolle übernommen. Bild: Imago

Der Nebendarsteller, der für gelegentlichen Szenenapplaus sorgte, ist in eine Hauptrolle hineingewachsen. Der schnelle Braydon Manu ersetzt Torjäger Luca Pfeiffer auf ganz andere Art, aber vollwertig.

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          Als Braydon Manu zehn Minuten vor Spielende den Paderborner Rasen verließ, hatte er immer noch viel zu sagen. Also bedachte er die Darmstädter Spieler, die sich gerade bereit machten, das Feld zu betreten, mit allerlei Ratschlägen. Was da gesprochen wurde, ist nicht überliefert, aber der Sprecher tat gestenreich kund, was ihm auf dem Herzen lag und erinnerte dabei an Thomas Müller, den sie bei Bayern München auch „Radio Müller“ rufen. Zuvor hatte man ihn im ständigen Dialog gesehen und gehört, etwa, als er seinen Kompagnon Tobias Kempe anspornte, mit ihm auf Balljagd zu gehen.

          2. Bundesliga

          Radio Manu ackerte, dass ihm die Stutzen runterrutschten in einem Auswärtsspiel beim SC Paderborn, das Darmstadt-98-Trainer Torsten Lieberknecht als „absolute Schwerstarbeit“ bezeichnete. Den 2:1- Sieg trug seine Mannschaft davon, weil sie die meist ballbesitzenden Paderborner entnervt hatte. Manu tat sich als Störenfried Nummer Eins hervor und dann gelang ihm auch noch ein Tor – er war mal wieder einer der besten Darmstädter.

          Dabei hat der 25-Jährige gebraucht, um sich zu etablieren. Noch in seiner zweiten Saison am Böllenfalltor 2020/21, wurde er für ein halbes Jahr nach Halle verliehen, um in der dritten Liga zu reifen. Letzte Saison war Manu dann regelmäßig Teil der Lilien-Offensive, er betrat die Spielfläche Zweite Bundesliga aber meist in einer Nebenrolle mit wenig Text. Immerhin 21 Einsätze kamen so zusammen, nur zehnmal aber stand Manu in der Anfangself. Häufig schickte ihn Trainer Lieberknecht ins Getümmel der Schlussviertelstunde, als sich die gegnerischen Verteidiger bereits müde gerannt hatten.

          Tietz ist immer noch da

          In dieser Spielzeit ist das anders. In zehn Auftritten spielte Manu deutlich mehr Minuten, in den letzten fünf Spielen jeweils über 70. Und seit dem zweiten Spieltag war er auch jedes Mal von Anfang an dabei. Der Nebendarsteller, der für gelegentlichen Szenenapplaus sorgte, ist in eine Hauptrolle hineingewachsen. Die Hauptrolle, die nach Luca Pfeiffers Abgang auf die Bundesligabühne Stuttgart neu besetzt werden musste. Keine einfache Rolle, vergangene Saison bildete Pfeiffer zusammen mit Phillip Tietz eine Doppelspitze, die große Momente hatte. Pfeiffer traf 17 Mal, Tietz steuerte 15 Treffer bei, sie waren die Helden in dieser Darmstädter Geschichte.

          Tietz ist immer noch da und er schießt auch immer noch Tore, fünf an den ersten zehn Spieltagen. Die Treffer von Pfeiffer müssen dagegen andere machen. Gegenwärtig gibt Manu diesen Part. Gegen Paderborn erzielte er sein viertes Saisontor und kommt bereits jetzt auf dieselbe Ausbeute, wie in der vergangenen Saison. Wohl gemerkt, dafür brauchte er 179 Minuten, beziehungsweise zwei volle Spiele weniger Zeit. Laut dem Statistikportal FBref schießt Manu im Schnitt entweder ein Tor oder gibt eine Vorlage – pro Spiel.

          In Paderborn war es seine Stirn, von der der Ball zum zwischenzeitlichen 1:1 ins Netz sprang. Der 1,70 Meter große Darmstädter musste sich dafür sogar bücken, wurde aber von keinem Paderborner gestört. Das Tor bot erstklassiges Ansichtsmaterial, wie sich die völlig unterschiedlichen Typen Manu und Tietz ergänzen. Während Tietz, mit 1,90 Metern Zielspieler aus dem Handbuch für Flankenbälle, in die Mangel genommen wurde, fand Manu in dessen Rücken unbestellte Quadratmeter.

          Lieberknecht lässt Manu die Freiheit zu wuseln, wie es schon immer sein Spiel war. Und seine Schnelligkeit hat ihren Wert nicht nur auf den Außenbahnen. Auch im Zentrum, wo er nun viel häufiger zu finden ist, macht sein Tempo den Unterschied. Insbesondere der Antritt ist eine Augenweide, Manu sprintet nicht, er scheint förmlich nach vorn zu explodieren. Das führt mittlerweile regelmäßig zu Toren wie gegen Heidenheim oder Bielefeld, als er den Ball mit höchster Geschwindigkeit aufnahm, um ihn anschließend mit Links ins Tor zu wuchten.

          Und wenn Manu keinen Raum vor sich findet, so ist er robust genug, den Ball abzuschirmen. Von seinem kräftigen Körper mit dem niedrigen Schwerpunkt prallen viele Gegenspieler einfach ab. Kultiviert er diese Klasse, dürfte es seine Durchbruchsaison am Böllenfalltor werden. Die Offensive der Lilien ist derweil variabel geworden, sie verspricht noch für viele Mannschaften in der Zweiten Liga eine große Herausforderung zu werden.

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