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Hass-Tiraden gegen Gomez : „Wir verhalten uns selbst wie Affen“

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Erfolgreich in der Relegation: Wolfsburgs Stürmer Mario Gomez. Bild: AFP

Vor allem der Nationalstürmer Mario Gomez wird in der Relegation in Braunschweig mit Hass-Sprüchen überzogen. Der Wolfsburger reagiert souverän auf die Anfeindungen. Nun aber wird der DFB aktiv.

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          Als der Mob den Platz stürmte, gab der mit Hass-Tiraden geschmähte Mario Gomez das Kommando zur Flucht. „Ich habe nur mitbekommen, dass Mario gesagt hat, wir sollen reinlaufen“, berichtete Wolfsburgs Profi Christian Träsch nach dem Sieg im Relegations-Rückspiel in Braunschweig. Die VfL-Profis flüchteten am Montagabend nach dem glücklichen Klassenverbleib vor einer radikalen Minderheit von Eintracht-Fans, die wieder einmal das hässliche Gesicht des Fußballs zeigten.

          Es war allerdings mehr als eine Minderheit, die vor allem VfL-Stürmer Gomez immer wieder mit Hass-Sprüchen überzog. Der Nationalspieler, spätestens nach dem umstrittenen Handelfmeter-Tor im Hinspiel die Reizfigur der Braunschweiger Fans, gab sich dennoch souverän: „Das macht gar nichts mit mir, es zählt allein das Geschehen auf dem Platz.“ Und der 31-Jährige fügte hinzu: „Ich kann prinzipiell nichts mit dem Hass anfangen, der im Fußballstadion stattfindet.“ Er stellte das teils widerwärtige Verhalten in einen größeren Zusammenhang: „Vor ein paar Tagen ist in Manchester etwas Schreckliches passiert – und ein paar Tage danach verhalten wir uns selbst wie Affen. Das ist traurig.“

          Der DFB-Kontrollausschuss wird Ermittlungen einleiten. Das teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Dienstag mit. Der Ausschuss werte zunächst die vorliegenden Materialien wie Fernsehbilder und den Bericht der Sicherheitsaufsicht aus. Fans hatten den Rasen gestürmt. Die Polizei musste den Platz sichern. Schon unmittelbar vor dem Anpfiff der zweiten Halbzeit hatten Anhänger im Fanblock der Eintracht Pyrotechnik und Böller gezündet. Ein Ordner musste von Sanitätern behandelt werden, kam aber nach Angaben der Eintracht vom Dienstag glimpflich davon.

          Braunschweigs Präsident Sebastian Ebel rang nach den Vorkommnissen um Fassung und um die richtigen Worte. Als „unglaubliche Sauerei“ bezeichnete der Klubchef die Böller-Attacken am Ende der Pause und das Verhalten einiger hundert Anhänger nach der Partie. Es sei „völlig inakzeptabel“. Der DFB-Kontrollausschuss wird wegen der Vorfälle in Braunschweig Ermittlungen einleiten.

          Der Böllerwurf in Richtung eines Ordners habe in der Partie „zu einem Bruch geführt – wir haben das gegen Hannover erlebt, wir haben das hier erlebt“, meinte Ebel. „Das ist sowas von bescheuert, gegen die eigene Mannschaft.“ Wenige Minuten nach dem Vorfall hatte der Portugiese Vieirinha in der 49. Minute das entscheidende Tor zum 1:0 der Wolfsburger in Braunschweig erzielt. Ebel fand klare Worte zu den Ausfällen der eigenen Fans und wirkte zugleich hilflos. „Das Leben des Ordners aufs Spiel zu setzen, ist etwas, wo ich mir wünschen würde, dass die, die das gemacht haben, mit aller Macht des Gesetzes konfrontiert werden“, sagte der Braunschweiger Clubchef.

          Eintracht Braunschweig hat die Vorfälle beim Rückspiel in der Bundesliga-Relegation gegen den VfL Wolfsburg (0:1) mit deutlichen Worten verurteilt. „Wir tolerieren nicht, dass Polizisten, Ordner, Spieler oder Fans der Gastmannschaft mit körperlicher Gewalt oder Pyrotechnik angegriffen werden“, heißt es in einer Stellungnahme der Klubführung des Fußball-Zweitligaklubs vom Mittwoch. Der Klub werde harte Strafen gegenüber den Tätern aussprechen. „Wir überlassen unser Stadion nicht den Chaoten, die hierfür die Verantwortung tragen.“

          Die etwas andere Party: Mario Gomez und Wolfsburger Fans an einem Hinterausgang des Stadions in Braunschweig. Bilderstrecke
          Die etwas andere Party: Mario Gomez und Wolfsburger Fans an einem Hinterausgang des Stadions in Braunschweig. :

          Immerhin hatte der von einem Knallkörper getroffene Ordner wohl Glück. „Er ist soweit okay“, sagte am Dienstag eine Sprecherin des Fußball-Zweitligisten. Der Mann sei nach einer kurzen Behandlung sogar dienstfähig gewesen. Nach Angaben der Polizei erlitt er ein leichtes Knalltrauma. Der Mitarbeiter des Ordnungsdienstes war nach der Attacke zunächst zu Boden gegangen und von Sanitätern behandelt worden. „Dies wird von uns aufs Schärfste verurteilt. Wir wünschen dem Ordner, der behandelt werden musste, gute Besserung“, teilte die Eintracht mit.

          Im Gegensatz zum Klubchef vermied sein Coach eine klare Verurteilung. „Da mischt sich etwas unter, was nicht unbedingt auf den Platz gehört“, sagte Trainer Torsten Lieberknecht zu den Begleiterscheinungen. Er lobte mehr das Auftreten seines Teams und des vernünftigen Teils der Fans. „Ganz Deutschland hat gesehen, was für ein fantastischer Verein wir sind“, sagte der Coach. Dass nicht mehr passierte, lag offensichtlich am Eingreifen der Polizei. Bei dem Platzsturm verhinderten die Beamten, dass der pöbelnde Mob bis zum VfL-Fanblock vordringen konnte. Obwohl Böller flogen und eine Rakete in einer Beamten-Gruppe landete, sei niemand verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher.

          Der DFB-Kontrollausschuss wird wegen der Vorfälle Ermittlungen einleiten. Auch die Eintracht wolle die Vorgänge prüfen und ihre Konsequenzen daraus ziehen.

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