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Borussia Mönchengladbach : Ziege für Pander: Effenberg übt heftige Kritik

  • Aktualisiert am

Reservespieler, Jugendtrainer, Sportdirektor: Christian Ziege macht Karriere bei Borussia Bild: AP

Peter Pander ist weg, Christian Ziege da, und Stefan Effenberg schüttelt den Kopf: Nachdem der vom Abstieg bedrohte Bundesligaverein den Sportdirektor gewechselt hat, ist der ehemalige Gladbach-Spieler beleidigt, dass man nicht an ihn gedacht hat.

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          Borussia Mönchengladbach hat vor dem drohenden Absturz in die Zweitklassigkeit den radikalen Schnitt vollzogen. 36 Tage nach dem Rückzug von Chefcoach Jupp Heynckes ist auch die Ära von Peter Pander als Sportdirektor des Fußball-Bundesligaklubs beendet, der zu Wochenbeginn seinen Rücktritt offeriert hatte. Sein Nachfolger wird überraschend der ehemalige Nationalspieler Christian Ziege, der einen Vertrag bis 30. Juni 2009 bekommt.

          Mit deutlicher Kritik reagierte Stefan Effenberg auf die Entscheidung seines ehemaligen Vereins, Ziege als Sport-Direktor zu benennen. Effenberg hatte sich bei der Borussia selbst ins Gespräch gebracht. „Ich habe Präsident Rolf Königs am Dienstag aus Florida angerufen und ihm klar und deutlich meine sofortige Hilfe angeboten“, sagte er der Freitag-Ausgabe der „Bild“-Zeitung. Er hätte Veränderungen vorgenommen und sei überzeugt gewesen, den Abstieg zu
          vermeiden.

          „Schallende Ohrfeige“ für Effenberg

          „Es ist für mich eine schallende Ohrfeige. Ich habe die Raute noch immer im Herzen“, meinte Effenberg, der von 1987 bis 1990 und von 1994 bis 1998 für die Gladbacher spielte. „Sie bekommen mich auf dem silbernen Tablett serviert und treten es mit Füßen.“ Er bezweifle, ob dort Leute Entscheidungen treffen, die wirklich Ahnung vom Fußball haben.

          Ära beendet: Peter Pander

          „Wir werden alles unternehmen, um den Klassenverbleib zu schaffen und müssen zudem die Planungen für die neue Saison forcieren“, begründete Vereinspräsident Rolf Königs die Eil-Maßnahmen. Der 35 Jahre alte Ziege, der bislang die B-Jugend des fünfmaligen deutschen Meisters betreute, steht für das „junge, hungrige Team aus den eigenen Reihen“, wie Königs die künftig Verantwortlichen des Tabellen-Letzten bezeichnete. Dazu gehören Cheftrainer Jos Luhukay (43), Teammanager Steffen Korell (35) und Max Eberl (33) als Direktor Jugend und Amateure. „Das ist eine Zäsur, ein Neuanfang. Den machen wir mit Christian Ziege, der unserem Kompetenzteam Sport vorsteht“, sagte Königs.

          „Tag und Nacht für die Borussia“

          „Es ist für mich eine Ehre, diesen Posten zu übernehmen“, äußerte der frühere England- und Italien-Profi Ziege bei seiner Vorstellung im Borussia-Park. Er wolle im Zusammenwirken mit den anderen Verantwortlichen „alles daran setzen, dass unsere Profimannschaft in der ersten Liga bleibt“. Um das für ihn ungewohnte Terrain erfolgreich bearbeiten zu können, will sich der 72-malige Nationalspieler „Tag und Nacht dransetzen, um diese Sachen für die Borussia zu lernen“.

          Pander, der ehemalige Manager des VfL Wolfsburg, war am 21. April 2005 als Nachfolger von Christian Hochstätter verpflichtet worden und hatte einen Vertrag bis 30. Juni 2008. Dieser wird jetzt gelöst, Pander erhält wohl eine Abfindung. Pander war in Mönchengladbach wegen seiner Transferpolitik nie unumstritten. Er verantwortete zahlreiche Spieler-Einkäufe, die aber kaum die gewünschten Erfolge nach sich zogen. Die unter seiner Führung zu Stande gekommene Verpflichtung des Argentiniers Federico Insua für geschätzte 4,5 Millionen Euro ist bislang der teuerste Transfer der Mönchengladbacher Vereinsgeschichte.

          Morddrohungen gegen Pander

          Zu seinem Rücktritt sagte der gelernte Bankkaufmann Pander, er wollte „mit diesem für mich äußerst schweren Schritt“ die Mannschaft vor dem Erstligaspiel am Samstag gegen Hertha BSC aus der Schusslinie nehmen. „Sie ist intakt und hat einen hervorragenden Trainer“, meinte Pander. Doch die jüngsten negativen Einflüsse seien am Ende „zu belastend für den Verein und mich gewesen“.

          Ende Januar hatte der damalige Cheftrainer Jupp Heynckes in Mönchengladbach seinen Rücktritt eingereicht. Er war erst Anfang der Saison für Horst Köppel gekommen, der trotz eines zehnten Platzes in der Saison 2005/06 seinen Trainerstuhl für Heynckes räumen musste. Sein Nachfolger beim aktuellen Tabellen-Letzten ist seitdem der Niederländer Jos Luhukay.

          Nachtreten von Köppel

          In der jüngeren Vergangenheit hatte es gegen Pander sogar Morddrohungen gegeben, was der 56-Jährige Anfang Februar öffentlich bestätigt hatte. Einen Rücktritt hatte er zu diesem Zeitpunkt noch ausgeschlossen. Bei Heynckes hatten ähnlichen Drohungen mit zum Rückzug des Cheftrainers beigetragen.

          Der frühere Trainer Köppel hatte zuletzt heftige Kritik an Panders Arbeit geübt und dessen Ablösung gefordert: „Pander wollte mich nie wirklich haben, hat mir immer Knüppel zwischen die Beine geworfen, wo er nur konnte. Trotzdem hat er es nie geschafft, mich abzuschießen, was er immer wollte. Die Position des Sportdirektors muss ein Ex-Profi einnehmen, der weiß, was ein Trainer und die Mannschaft brauchen und wie sie denken.“

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