https://www.faz.net/-gtm-10053

Borussia Mönchengladbach : Trainer Luhukay entlassen - Sportdirektor Ziege übernimmt

  • -Aktualisiert am

Frühes Ende bei Borussia Mönchengladbach: Trainer Jos Luhukay muss seine Koffer packen Bild: ddp

In Mönchengladbach sind nach dem 1:2 der Borussia gegen den 1. FC Köln die erwarteten Konsequenzen gezogen worden - Trainer Luhukay muss gehen. Alle Fakten sprachen nach einer Reihe von Niederlagen gegen den Holländer.

          Was am Samstag schon Konturen angenommen hatte, ist am späten Sonntagnachmittag vollzogen worden: Borussia Mönchengladbach hat sich nach der 1:2-Heimniederlage gegen den 1. FC Köln von Trainer Jos Luhukay getrennt, der den Traditionsklub im Mai zurück in die Fußball-Bundesliga führte. Nach einer Serie von zuletzt vier Niederlagen zog der Tabellenletzte damit die erwartete Konsequenz.

          Vorläufiger Nachfolger des 45 Jahre alten Niederländers wird der Gladbacher Sportdirektor Christian Ziege, der über keine höherklassigen Erfahrungen auf der Trainerposition verfügt. Ziege betreute die Gladbacher A-Jugend, ehe ihn der Verein vor rund eineinhalb Jahren zum Sportdirektor ernannte. Luhukay ist der erste entlassene Fußballlehrer in dieser Bundesliga-Spielzeit. Er hatte bis zuletzt darauf gehofft, auch nach dem siebten Spieltag Trainer der Borussia bleiben zu können.

          „Wir schätzen ihn menschlich und fachlich sehr“

          Die Vereinsführung mit Ziege und Präsident Rolf Königs an der Spitze tat sich denn auch nicht leicht, den verdienstvollen Übungsleiter zu verabschieden. „Jos Luhukay ist unser Aufstiegstrainer“, sagte Königs nach der Trennung, „ihm gilt unser Dank und Respekt. Wir schätzen ihn menschlich und fachlich sehr. Trotzdem hat uns die aktuelle sportliche Lage veranlasst, uns von ihm zu trennen.“

          Am Sonntag hatten sich die Gladbacher Verantwortlichen zu Beratungen getroffen, die sich über viele Stunden hinzogen. Wie es vor der Trennung von Luhukay hieß, gab es verschiedene Lösungsansätze. Zum einen fiel immer wieder Zieges Name, der nun fürs Erste die sportliche Gesamtverantwortung bei der Borussia übernimmt; zum anderen wurde auch Hans Meyer gehandelt, der vor ein paar Jahren in Mönchengladbach als Trainer erst gefeiert, später aber entlassen wurde. Luhukay selbst hatte nach dem 1:2 im rheinischen Derby gesagt, dass es für ihn nicht in Frage komme, von sich aus aufzugeben. Ziege jedoch hatte es zuvor in Interviews vermieden, dem Fußball-Lehrer das Vertrauen auszusprechen. Eine Entscheidung sei „bald“ zu erwarten.

          „Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen“

          Gegen Köln zeigte Gladbach sich trotz des frühen Rückstandes zunächst widerstandsfähig, kam nach dem frühen Gegentor von Ehret (5. Minute) dank Brouwers prompt zum Ausgleich (10.) und bot, gemessen am Tabellenstand, eine passable Leistung, allerdings nur bis zur Pause. Wie im Heimspiel zuvor gegen Hertha BSC (0:1) brachten die Borussen in der zweiten Hälfte nur eine einzige Torchance zustande. Sogar Luhukay räumte ein, dass diese Produktivität nicht ausreiche, „den Sieg zu erzwingen“, wie er es vorher in Aussicht gestellt hatte. Bei allem guten Willen habe es seiner Elf an „Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen“ gemangelt. Es passte ins Bild, dass der Kölner Stürmer Novakovic dieses Defizit kurz vor Schluss zum Siegtreffer nutzte (88.) (siehe auch: 1:2 gegen Köln - Gladbachs Lage spitzt sich in letzter Minute zu).

          Schon in den Tagen zuvor hatten viele Medien darüber spekuliert, ob Luhukay nach einem weiteren Misserfolg noch zu halten sei. Diese Einschätzung basierte nicht auf bloßer Sensationsgier, sondern vor allem auf Daten, Fakten und Eindrücken, die in der Summe die Argumentationsbasis des Trainers von Woche zu Woche geschwächt haben. Beim 1:2 gegen Köln setzte sich eine lange Niederlagenserie fort, die nur durch ein fast zufällig anmutendes 3:2 über Werder Bremen unterbrochen wurde.

          Wo sind die guten Spieler aus Liga zwei geblieben?

          Wer sechs von sieben Bundesligaspielen verliert und dazu gegen Energie Cottbus aus dem nationalen Pokalwettbewerb ausscheidet, gerät in diesem Geschäft schon der nackten Ergebnisse wegen in die Kritik, zumal in einem noch immer vielbeachteten Verein wie Borussia Mönchengladbach, mag diese einst erste Adresse des deutschen Fußballs sich auch weit von Anspruch und Wirklichkeit der glorreichen siebziger Jahre entfernt haben.

          Neben den Ergebnissen wurden unterdessen auch andere Faktoren sichtbar, die gegen Luhukay ins Feld geführt wurden. Im Laufe der noch jungen Saison hatte der Trainer 23 Spieler eingesetzt, aber noch keine feste Formation gefunden. Der Mannschaft fehlte es an Führungskräften. Wo sind die Spieler geblieben, die ihr in der zweiten Liga eine stabile Struktur gegeben hatten? Zwei von ihnen, Verteidiger Voigt und Mittelfeldspieler Rösler, beide Mitglieder des Mannschaftsrates, hatten das Vertrauen des alten Trainers schon verloren. Gegen Köln degradierte er sie zu Tribünenbesuchern. Kapitän Oliver Neuville pendelt nach langer Pause zwischen Ersatzbank und Startelf. Zuletzt hatte er Luhukay mangelnde Angriffslust vorgeworfen und mehr Mut eingefordert. Gegen Köln konnte er seinen Anspruch auf dem Rasen nicht untermauern.

          Ziege versucht, Gladbach aus dem Schlamassel zu befreien

          Nationalspieler Marko Marin ist mit neunzehn Jahren noch nicht so weit, einer Bundesligamannschaft den Weg aus der Krise zu weisen. Ein Patrick Paauwe, inzwischen Kopf der Elf, vor einem Jahr aber noch unbekannt, genügt offenbar nicht. Lauter Defizite, die auch Ziege vermutlich nicht von einem Tag auf den anderen wird abstellen können. Luhukay aber hinterließ zuletzt nicht mehr den Eindruck, als hätte er noch irgendwelche Trümpfe in der Hinterhand.

          Er schwankte zwischen allerlei Spielsystemen, als hoffte er im Ausschlussverfahren das richtige zu finden, wenn es anders nicht geht. Und so erinnerte er an einen Stürmer, der in der Nachspielzeit verzweifelt versucht, das befreiende Tor zu schießen. es glückte ihm nicht. Nun muss Christian Ziege versuchen, mit mehr Fortüne und Geschick die Gladbacher aus ihrem akuten Schlamassel zu befreien.

          Weitere Themen

          „Ich habe auf alle ihre Fragen geantwortet“ Video-Seite öffnen

          Platini aus Polizei-Gewahrsam : „Ich habe auf alle ihre Fragen geantwortet“

          Hintergrund des jüngsten Verhörs von dem Ex-UEFA-Präsident ist laut französischen Medien eine schon seit 2016 laufende Ermittlung zu der umstrittenen Vergabe der WM 2022 nach Katar. Sein Anwalt und Platini selbst betonten, sie wüssten nicht, warum er ins Polizeigewahrsam genommen wurde.

          Topmeldungen

          MH17-Abschuss : Vier Mordanklagen in den Niederlanden

          Die internationalen Ermittler wollen im Fall des Abschusses des Flugzeugs MH17 vier Verdächtige identifiziert haben. Russland und die ostukrainischen Separatisten weisen abermals jegliche Verantwortung zurück.

          Mord an Walter Lübcke : CDU weist AfD Mitverantwortung zu

          Wer ist für das hetzerische politische Klima mitverantwortlich, das womöglich den Täter zum Mord an Walter Lübcke angestachelt hat? Die CDU-Vorsitzende zeigt auf die AfD, ein Unions-Abgeordneter wählt drastische Worte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.