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Borussia Mönchengladbach : „Situation prekär, aber lösbar“

  • -Aktualisiert am

Jupp Heynckes hat viele Erklärungen aber kleine Lösungen Bild: AP

In knapp dreißig Jahren als Fußball-Lehrer hat Jupp Heynckes schon beinahe alles erlebt, nur gegen den Abstieg musste eines seiner Teams noch nie kämpfen. Die Erfahrung macht er nun in Mönchengladbach und muss um seinen Posten bangen.

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          Die Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach reden längst nicht mehr drum herum, wenn es um den Ernst der Lage geht. Im kleinen Kreis sprach Rolf Königs vor kurzem von einem Desaster, ja sogar von einer Katastrophe. Dennoch versicherte der Präsident des Traditionsklubs, alles werde gut ausgehen - für Trainer Jupp Heynckes wie für dessen große Liebe namens Borussia. "Wir kommen noch", sagte Königs.

          Das war ein paar Tage vor dem Rückrundenstart in Cottbus. Nach der Niederlage gegen den Aufsteiger und Mitbewerber im Kampf um den Klassenverbleib sind die Zweifel, die Königs nicht zulassen wollte, größer geworden. Wieder hat die seit mittlerweile elf Bundesligaspielen sieglose Mannschaft eine Chance vertan. Die Führungskräfte hatten das Ziel ausgegeben, ohne schuldhaftes Zögern den Trend zu wenden, und dafür die ersten vier Spiele der Rückrunde ins Auge gefasst; das zweite davon bestreitet der Tabellensechzehnte an diesem Dienstag gegen den 1. FC Nürnberg im heimischen Borussia-Park.

          Heynckes „felsenfest überzeugt“

          Mancher Kenner wertet den Vier-Spiele-Plan als Ultimatum oder wenigstens als Bewährungsfrist für Heynckes. Offiziell widerspricht Sportdirektor Peter Pander solchen Deutungen. Mit dem Begriff Ultimatum könne er im Zusammenhang mit Heynckes "wenig anfangen". Die Klubspitze halte an der Beschlusslage aus der Winterpause fest. "Wir können den Kurs nicht nach dem achtzehnten Spiel wieder ändern." Nach dem letzten Spiel der Hinrunde soll Heynckes intern gefragt haben, ob er für den Klub noch tragbar sei. Die Klubspitze sprach ihm das Vertrauen aus - auch Pander, der als Kritiker des renommierten Fußball-Lehrers gilt.

          Neuzugang Steve Gohouri (l.)

          Das Vertrauensvotum wurde unterlegt durch Investitionen in neues Personal. Zudem kehrten die beiden Verteidiger Marcell Jansen und Kasper Bögelund nach langer Verletzungspause in die Elf zurück. Und eine Serie von sieben gewonnenen Testspielen schien dem Abstiegskandidaten wieder ein wenig Selbstvertrauen eingeflößt zu haben. Gladbach wähnte sich bereit für den Aufschwung. Doch die erste ernste Probe aufs Exempel widerlegte die Zuversicht, auch wenn Heynckes in Cottbus "positive Signale gesehen" haben will. Auch die Neuzugänge Steve Gohouri, Mikkel Thygesen und Alexander Baumjohann konnten das Unheil nicht abwenden. "Sie müssen sich erst an das Tempo und die Atmosphäre in der Bundesliga gewöhnen", sagt der Trainer. Dennoch sei er "felsenfest davon überzeugt, da unten rauszukommen".

          Luhukay als möglichen Nachfolger?

          In knapp dreißig Jahren als Fußball-Lehrer hat Heynckes noch nie gegen den Abstieg gekämpft, aber er hat für alles eine Erklärung, wenn auch offenbar keine Lösung. Schon früh in der Saison, nachdem ein guter Start gelungen war, hatte er seine Vorgesetzten auf die Gefahr von Rückschlägen hingewiesen, sie geradezu angekündigt - und recht behalten. Aber auf solche Frühwarnsysteme wird er sich nicht mehr lange zurückziehen können. Allmählich bricht die Zeit an, in der Erkenntnisse, mögen sie fachlich noch so fundiert sein, nicht mehr zählen, sondern nur noch "das nackte Ergebnis", wie Pander sagt, "gerade bei einem so brutalen Tabellenbild". Die Führungskräfte des Tabellensechzehnten stehen noch zu Heynckes und stellen Besonnenheit zur Schau, aber es folgen Einschränkungen, die sich aus der Natur der Sache ergeben. "Mit jedem Spieltag ohne Punkte verlierst du den Anschluss ein bisschen mehr", sagt Pander. "Eine Lücke von drei Punkten zum fünfzehnten Platz muss man erst einmal schließen, die Situation ist prekär, aber noch ist sie lösbar."

          Viele Fehlversuche kann Heynckes sich nicht mehr erlauben. Die nächsten beiden Spiele gegen Nürnberg und am kommenden Samstag in Bielefeld dürften über seinen Verbleib entscheiden. Dennoch bestreitet Pander vehement, einen "Plan B" in der Schublade zu haben; so etwa für den Fall, dass Heynckes aus eigenem Antrieb zurücktreten sollte.

          Allerdings wird kolportiert, dass die Vereinsführung den in der Winterpause verpflichteten Assistenztrainer Jos Luhukay als möglichen Nachfolger im Auge habe. Luhukay hat sich in der vergangenen Saison als Trainer des damaligen Zweitliga-Aufsteigers SC Paderborn einen Namen gemacht und gilt seit seinem Rücktritt kurz vor dieser Saison als kommender Bundesligatrainer. Mit welchen Gedanken oder Hintergedanken Gladbach den Niederländer auch verpflichtet haben mag: Heynckes und die Borussia brauchen dringend Siege. Nur wenn sich der Erfolg rasch einstellt, kommt er für Heynckes noch rechtzeitig.

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