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Gladbacher Torhüter Olschowsky : Erstklassige Nummer fünf

  • -Aktualisiert am

Alles im Griff: Jan Olschowsky im Spiel gegen den BVB Bild: picture alliance / Laci Perenyi

In der Reihe der Gladbacher Profi-Torhüter steht Jan Olschowsky eigentlich ganz hinten. Gegen den BVB zeigt der 20-Jährige, dass er zu mehr taugt als für die vierte Liga.

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          Auch ohne diese allerletzte Pointe eines unvergesslichen Abends wäre Jan Olschowsky wohl erfüllt von Glückshormonen ins Wochenende und in diese frühe Winterpause gegangen. Aber es gibt eben diese Augenblicke, in denen das Leben Menschen mit Wohlergehen im Überfluss beschenkt. Der 20 Jahre alte Olschowsky, der vor einigen Wochen noch fünfter Torhüter bei Borussia Mönchengladbach gewesen ist, war zum Helden eines ziemlich spektakulären Bundesligaspiels geworden.

          Dann war auch noch der Mann aufgetaucht, den er später als sein „großes Idol“ beschrieb, um ein feierliches Lob zu sprechen. Ohne Vorankündigung, live und leibhaftig. Marc-André ter Stegen, der in Mönchengladbach geborene, aufgewachsene und ausgebildete Nationaltorhüter, der für den FC Barcelona spielt, war kurz vor der Abreise zur WM zu Besuch in seiner Heimatstadt und mit seinem kleinen Sohn auf dem Arm in die Kabine seines ehemaligen Teams gekommen.

          „Marc hat mir gratuliert“

          „Ich war schon ein bisschen überrascht, ihn hier zu sehen“, sagte Olschowsky später und erzählte, was sich um Umkleideraum zugetragen hatte: „Marc hat mir gratuliert, das bedeutet mir sehr viel. Denn er hat es als vielleicht einziger Keeper geschafft, hier aus der Jugend zur Nummer eins durchzustarten und so eine Weltkarriere hinzulegen.“

          Bundesliga

          So weit ist das neue Gesicht auf der Torhüterbühne noch lange nicht. Aber seine Auftritte am vergangenen Dienstag in Bochum sowie am Freitagabend gegen den BVB werden die Neugier vieler Sportdirektoren geweckt haben. Besonders in der Partie gegen die Dortmunder wehrte Olschowsky mehrere kaum haltbare Bälle ab; eine seiner Taten muss für den gegnerischen Angreifer Donyell Malen wie ein Teufelswerk gewirkt haben.

          Aus fünf Metern hatte der Niederländer flach aufs Tor geschossen, woraufhin dem Gladbacher Keeper das magische Kunststück gelang, den Ball mit seinem auf dem Boden liegenden Arm über die Latte zu bugsieren. Diese Aktion wurde später kaum beachtet, in einigen TV-Zusammenfassungen tauchte sie gar nicht auf, dabei könnte es sich um die spektakulärste Torwartaktion der bisherigen Bundesligasaison handeln. In jedem Fall hatte Marcus Thuram genau gesehen, wem an diesem Abend sein besonderer Dank gelten musste.

          „Das hat er überragend gemacht“

          Der Franzose stülpt nach Siegen gerne das Trikot des stärksten Gladbachers über eine Eckfahne und schwenkt diese vor den eigenen Fans. An diesem Abend entschied er sich selbstverständlich für das violette Shirt Olschowskys. „Der Junge kann extrem stolz auf sich sein, das hat er überragend gemacht“, sagte Trainer Daniel Farke. Kapitän Lars Stindl erklärte: „Jan hat Ruhe ausgestrahlt und uns in den entscheidenden Situationen auch gerettet. Großartig.“

          Bundesliga

          Dabei hatte Olschowskys Bundesligakarriere alles andere als glücklich begonnen. Bei seinem Debüt am Dienstag in Bochum hatte er bereits nach elf Minuten zwei Gegentreffer zugelassen, hatte etwas nervös gewirkt und sich erst im Spielverlauf stabilisiert. Gerade weil dieser Auftritt „nicht so positiv gelaufen ist“, sei er jetzt „überglücklich“, sagte Olschowsky: „Das ist für mein Selbstbewusstsein, mein Standing allgemein sehr wichtig.“ Denn eigentlich war er nur als Torwart Nummer fünf in die Saison gegangen. Das macht seinen Weg zum Bundesligahelden dieses 15. Spieltages zu einer geradezu wundersamen Geschichte.

          Neben Stammkeeper Yann Sommer und Ersatzmann Tobias Sippel stehen bei der Borussia auch noch die Torhüter Moritz Nicolas und Jonas Kersken unter Vertrag. Nicolas wurde im Sommer für ein Jahr nach Kerkrade ausgeliehen, Kersken zum SV Meppen.

          Nachdem sich anschließend Sommer einen Bänderriss im Knöchel zuzog und Sippel wegen muskulärer Probleme ausfiel, war Olschowsky plötzlich die Nummer Eins. Gerade auf der Torhüterposition sind solche schnellen Aufstiege selten, weil kaum rotiert wird und Schlussleute so gut wie nie auf der Bank landen, um geschont zu werden.

          Also war Olschowsky, der schon im Alter von sieben Jahren für die Borussia spielte, zunächst für die U23 in der vierten Liga im Einsatz, wohin er nach der Winterpause wohl auch zurückkehren wird, um Spielpraxis zu sammeln und sich weiter zu entwickeln. Möglich ist, dass er ein One-Hit-Wonder auf der schillernden Profibühne bleiben wird. Ebenso gut ist aber vorstellbar, dass dieser Abend eine Tür zu einem dauerhaften Engagement in der ersten oder zweiten Liga geöffnet hat.

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