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Bundesliga-Kommentar : Die kleine Borussia macht es vor

Von Lucien Favres Gladbachern kann sich Jürgen Klopp (links) noch etwas abschauen Bild: Imago

Dortmund orientiert sich immer noch an den Bayern. Dabei sind die Münchner weit enteilt. Der BVB sollte sich lieber die frischere und taktisch klügere Borussia aus Gladbach zum Vorbild für den Neustart nehmen.

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          Auch wenn sich Dortmund nach dem 0:1 gegen ersatzgeschwächte Bayern für neunzig Minuten in die Illusion flüchten durfte, sich mit der Ausnahmemannschaft auf Augenhöhe zu befinden, ist der Absturz dieser Borussia so atemraubend wie hierzulande kein anderer in Zeiten des Hochkapital-Fußballs. Es sind nicht nur die unglaublichen 34 Punkte Rückstand nach 27 Spieltagen auf den Tabellenführer, die das Selbstbild vom zweiten Leuchtturm in der Liga erschüttern.

          Auch beim Blick auf die andere Borussia aus Mönchengladbach werden die Defizite deutlich. Der Rückstand der im Ligavergleich steinreichen Borussia aus dem Ruhrgebiet und der kleinen Borussia am Niederrhein beträgt ebenfalls unglaubliche 17 Punkte – und die herausragende Qualität, die das Team von Lucien Favre dabei im Vergleich zu den Dortmundern zeigt, entspringt genau der Masche, die den BVB unter Jürgen Klopp einst groß und vielleicht zu groß werden ließ: ein überlegenes taktisches Konzept.

          Beim Blick auf den kleinen Nachbarn wird es für die Dortmunder auch schwierig, weiterhin vor allem Rachsucht und das viele Geld aus München als Hauptgrund für ihre schwere Krise auszumachen, die noch keineswegs beendet ist. Denn die Parallelen der beiden Borussen-Teams sind offensichtlich. Beiden Klubs wurden die besten Spieler weggekauft. Die Gladbacher haben daraus jedoch keinen Kulturkampf gemacht, als Dortmund und München ihnen die Stars Reus und Dante abspenstig machten, sondern weiter das Beste.

          Es ist nicht nur das spektakulär herausgekonterte 4:1 in Hoffenheim nach dem 2:0-Sieg bei den Bayern, der diese Borussia als Mannschaft der Stunde erscheinen lässt (zusammen mit Wolfsburg Tabellenführer der Rückrunde). Die Gladbacher sind neben dem FC Bayern, Schalke, Leverkusen und (noch) Dortmund auch der einzige Klub, der es in den vergangenen drei Spielzeiten unter die ersten zehn der Liga gebracht hat.

          Klopp und der BVB müssen den Kader verkleinern

          Während die börsennotierte Borussia es sich leisten konnte, rund 65 Millionen zu investieren, um den Verlust von Lewandowski zu kompensieren, hat die Borussia vom Bökelberg gerade etwas mehr als zehn Millionen ausgegeben, nachdem der Klub in den vergangenen Jahren durch die Verkäufe von Jansen, Marin, Reus und ter Stegen über 50 Millionen eingenommen hatte. Mönchengladbach akzeptiert klaglos, dass es in der Talent-Nahrungskette nicht oben steht – und ist dennoch nachhaltig erfolgreich.

          Die sportliche und die Transfer-Bilanz der beiden Borussen könnte unterschiedlicher kaum ausfallen. Favre lässt ein über Jahre gewachsenes und die Spieler nicht verbrennendes Konzept auf dem Platz umsetzen, dem die Bayern selbst zu Hause und in besserer Besetzung nicht gewachsen waren. Klopps Borussia droht dagegen den Kader verkleinern zu müssen, wenn es auch nicht über den DFB-Pokal für die Europa League reichen sollte.

          Gladbach ist ein Vorbild für Dortmund

          Das Personal genügt auch im fitten Zustand kaum mehr für höchste Ziele, wie sie der BVB anstrebt. Die taktischen Variationen sind begrenzt. Auch das hat die Niederlage gegen den FC Bayern gezeigt. Dass der Maßstab für den BVB nicht mehr der FC Bayern sein kann, hat sich mittlerweile bei 78 Punkten Rückstand in drei Spielzeiten auch in Dortmund herumgesprochen. Dass die andere, die frischere und taktisch klügere Borussia ein Vorbild für einen Neustart des BVB abgeben könnte, womöglich noch nicht. Aber das ließe sich leicht erkennen. Man muss nur jeden Spieltag hinschauen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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