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Kampf gegen die Mini-„Krise“ : Gladbachs Reise durch die Extreme

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Nico Elvedi (links) und Alassane Plea lassen nach der Niederlage gegen Istanbul Basaksehir die Köpfe hängen. Bild: dpa

Zwei Niederlagen in Folge, und in Gladbach redet mancher plötzlich vom drohenden Absturz. Trainer Rose und seine Spieler kämpfen um die Kontrolle.

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          Marco Rose hat während der vergangenen Tage an seinem Arbeitsplatz viele fragende Blicke registriert. In den Gängen vor seinem Büro, rund um den Trainingsplatz, „die Leute schauen einen anders an“, sagt der Trainer von Borussia Mönchengladbach. „Man merkt, dass eine andere Stimmungslage da ist.“ Dass alle sich fragen: „Wie reagieren die jetzt?“

          Bundesliga

          Es ist eine Frage, die nicht nur am Niederrhein gestellt wird. Borussia Mönchengladbach, die Mannschaft, die vor zehn Tagen den FC Bayern besiegte, die acht Wochen lang an der Spitze der Bundesligatabelle stand, in deren Umfeld mehr oder weniger offen über Titelwahrscheinlichkeiten nachgedacht wurde, droht abzustürzen. Es wäre ein Klassiker: hoch geflogen, tief gefallen. Dem Aus in der Europa League gegen Istanbul Basaksehir in der Nachspielzeit am vergangenen Donnerstag folgte am Sonntag ein Gegentreffer kurz vor dem Abpfiff in Wolfsburg.

          Statt in die K.-o.-Runde des internationalen Wettbewerbs einzuziehen und die Erfolgsserie in der Bundesliga fortzusetzen, hat die Borussia erstmals in diesem Spieljahr zwei Partien nacheinander verloren. Sein Team habe zuletzt „die Konsequenz ein Stück weit vermissen lassen“, sagt Rose nun vor dem Spiel gegen den SC Paderborn am Mittwoch (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky). Ein Drama will er aus diesem Befund allerdings nicht machen: „Ich glaube, dass das menschlich ist.“

          Gladbachs Reise durch die Extreme

          Die Gladbacher erleben in diesem Dezember eine Reise durch die emotionalen Extreme. Mit dem Spektakel gegen den FC Bayern, den Träumereien von der Meisterschaft, den Geschichten über die beeindruckende Entwicklung des Klubs während des vergangenen Jahrzehnts. Und mit den schmerzlichen Niederlagen in der vorigen Woche. Nach ordentlichen Leistungen haben sie zweimal in der Nachspielzeit verloren, und mit einem Mal wird sichtbar, was das Geheimnis dieses Erfolges war: eine beharrliche Arbeit an der oberen Leistungsgrenze, das, was Rose „Konsequenz“ nennt.

          Haderer klagen zwar über Pech mit den späten Treffern und einem Fehler der Videoassistenten vor dem ersten Gegentor beim 1:2 in Wolfsburg, der Trainer jedoch sagt: „Ich mag dieses Gerede darüber, wie ungerecht der Fußball immer wieder sein kann, nicht hören. Man bekommt relativ häufig das, was man sich verdient hat.“ Übersetzt heißt das: Die Verantwortung für die Misserfolge liegt allein bei der Borussia selbst. Fußballer glauben ja gerne, die kleinen Zufälle des Spiels beeinflussen zu können. „Wir müssen uns dieses Quentchen Glück jetzt wieder verdienen“, sagt Torhüter Yann Sommer.

          Das Gefühl, die Kontrolle zu haben, ist den Gladbachern wichtig. Zustände wie in Dortmund oder München, wo nach jedem Punktverlust ein Weltuntergangsgefühl aufflammt, wo regelmäßig unberechenbare emotionale Dynamiken entstehen, wollen sie am Borussia-Park auf keinen Fall haben. „Wir haben über sieben, acht Wochen Fragen beantwortet, die in eine ganz andere Richtung gingen“, sagt Rose nachdem plötzlich nach Problemen, Ängsten und Sorgen gefragt wird. „Jetzt haben wir mal zwei Ergebnisse nicht bekommen – zwei sehr bittere Ergebnisse“, und plötzlich schreiben die Kommentatoren der Klub sei „auf den Boden“ zurückkehrt. „Mir ist das mit diesen Extremen in der medialen Berichtserstattung einfach zu viel“, erklärt Rose.

          Die Ambitionen sind gleich geblieben

          Zu den größten Stärken des Standortes Mönchengladbach zählt ja, dass es einen guten Zusammenhalt und eine offene interne Kommunikation gibt. Niemand aus der Klubführung oder der Sportlichen Leitung muss nach zwei Niederlagen um seine Reputation fürchten. Mit der Folge, dass den Extremen, die Anhänger und manche Freunde der Zuspitzung von der Pressetribüne spüren, im Klub selbst eher gelassen begegnet wird.

          Rose will einfach an den Inhalten arbeiten: „Wir werden alles sehr, sehr kritisch hinterfragen. Denn wir wollen auch wieder Fußballspiele gewinnen.“ Wobei diese Dezembertage schon das Potential haben, in der Saisongeschichte einmal als Wendepunkt betrachtet zu werden. Ein paar Zähler sollten sie gegen Paderborn und am Samstag bei Hertha BSC schon noch einspielen, um die gute Stimmung des Herbstes mit in die Winterpause zu nehmen.

          Zumal das konstruktive Miteinander im Kader vor einer schwierigen Probe steht. In der ersten Saisonhälfte spielte das Team in drei Wettbewerben, alle Profis konnten relativ sicher sein, Spielzeit zu bekommen. Nun ist nur noch die Bundesliga übrig, „darum wird sich ganz sicher etwas ändern. Da wir einen großen Kader haben, waren die vielen Spiele ein Aspekt, den Kader bei Laune zu halten“, sagt Abwehrchef Matthias Ginter. Spielerverkäufe sind aber nicht geplant, denn „wir wollen größtmöglichen Erfolg haben, und dafür brauchen wir Konkurrenz“, sagt Sportdirektor Max Eberl. Die Ambitionen sind gleich geblieben, auch wenn die Borussia derzeit nur noch Zweiter ist.

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