https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/borussia-moenchengladbach-demuetigt-fc-bayern-muenchen-in-fussball-bundesliga-13951040.html

Gladbacher 3:1-Gala : Wie Borussia die Bayern in die Realität zurückholte

  • Aktualisiert am

Auf dem Hosenboden gelandet: Bayern-Verteidiger Boateng wirkt nach einem Gegentor konsterniert Bild: dpa

Das „Fohlen“-Phänomen: Nach dem Erfolg gegen die fast unbesiegbaren Bayern ist Mönchengladbach derzeit das Maß aller Dinge in der Bundesliga. Die Münchner zeigen sich ratlos – gehen aber schnell zur Tagesordnung über.

          3 Min.

          Es war ein bisschen wie zu besten „Fohlen“-Zeiten. Die Fans sangen mit großer Inbrunst „Die Seele brennt“, die Sieger selbst strahlten. Mit drei Neunzehnjährigen im Team zwangen die Gladbacher ihren alten Rivalen Bayern München im bis auf den letzten Platz gefüllten Borussia-Park erst in die Knie, im Anschluss startete eine große Sause mit den Fans. Mit diesem Selbstvertrauen soll nun in der Champions League bei Manchester City am Dienstag (20.45 Uhr / live bei Sky und im Champions-League-Ticker auf FAZ.NET) der Umzug in die Europa League perfekt gemacht werden.

          Borussia Mönchengladbach ist nach turbulentem Saisonstart zur Mannschaft der Stunde in der Fußball-Bundesliga aufgestiegen und hat die Rekordjagd der Bayern als erstes Team gestoppt. „Wir wussten, dass die Bayern schlagbar sind, und wir haben gezeigt, dass es nicht unmöglich ist“, sagte Gladbachs amerikanischer Nationalspieler Fabian Johnson nach dem 3:1 (0:0)-Erfolg am Samstag gegen den Tabellenführer. Mit 26 Zählern und Platz drei stehen die Gladbacher in der Liga nun schon besser als im Vorjahr nach 15 Spieltagen (24 Punkte/4.) da. Und das reichte am Ende für die Champions League.

          „Zu Hause können wir alle schlagen“

          Die Lust auf mehr in dieser Saison ist geweckt. „Wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft haben und guten Fußball spielen können. Zu Hause können wir alle schlagen“, meinte Oscar Wendt, der mit seinem wunderschön herausgespielten Führungstreffer (54. Minute) die Initialzündung auslöste und den Weg zum Sieg durch die weiteren Tore von Lars Stindl (66.) und Johnson (68.) ebnete. Der Anschlusstreffer des erstmals nach neun Monaten wieder spielenden Franck Ribéry (81.) kam für die Bayern zu spät.

          Das Team ist unter André Schubert in der deutschen Eliteliga nun schon seit zehn Spielen unbesiegt. Was sicherlich weniger am grünen Kapuzenpulli des Trainers liegt, den er bei jedem Spiel trägt. Der neue Gladbacher Chefcoach hat mit seiner Art frischen Wind ins Team gebracht, die Grundzüge des Systems von Lucien Favre verfeinert und flexibel ausgebaut. „Der Trainer hat immer andere Ideen“, kommentierte Kapitän Granit Xhaka.

          Geschlossenheit auch nach dem Abpfiff: Gladbach feiert das 3:1 über die Bayern Bilderstrecke
          Geschlossenheit auch nach dem Abpfiff: Gladbach feiert das 3:1 über die Bayern :

          Gegen die Bayern war es diesmal eine Dreier-Abwehrkette mit zwei sehr hoch stehenden Außenverteidigern. Zudem standen in Andreas Christensen, Mo Dahoud und dem erstmals für die Startelf nominierten Nico Elvedi drei 19-Jährige in der Startelf. Das funktionierte in der ersten Halbzeit ordentlich, aber die Bayern hätten durch Javier Martinez, Robert Lewandowski oder Kingsley Coman durchaus in Führung gehen können. „Da haben wir Glück gehabt und einen Torwart, der uns im Spiel gehalten hat“, befand Schubert.

          Die Mannschaft habe zur Halbzeit an dem System festhalten wollen und Verbesserungen vorgeschlagen, berichtete der Gladbacher Coach, dem diese Eigenverantwortung seiner Profis gefällt. „Nach der Pause haben wir viel häufiger die Wege nach vorne gesucht und gegen einen hoch pressenden Gegner die Bälle in die Tiefe gespielt - das haben die Jungs sehr gut gelöst“, meinte Schubert. Das gibt auch Selbstvertrauen für den Auftritt in Manchester.

          Und der Kult um den grünen Glücksbringer-Pulli stört Schubert auch nicht. „Ich bin überhaupt nicht abergläubisch. Aber wenn alle das toll finden, dann bediene ich das gerne und ziehe das Ding weiter an.“

          Die ob der vielen Siege etwas verwöhnten Bayern wollten den Schauplatz des Geschehens dagegen so schnell wie möglich verlassen. Die erste Niederlage in dieser Saison – und schon die zweite in diesem Jahr gegen Borussia Mönchengladbach – hat den Rekordmeister nicht tief getroffen, aber auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. „Wir haben nie gesagt, dass wir unschlagbar sind, sondern wir wollten unsere Serie so lange wie möglich aufrechterhalten“, meinte Kapitän Philipp Lahm.

          Auf dem Weg zurück in die Heimat kam dann am Samstagabend auch noch die Nachricht vom Dortmunder Last-Minute-Sieg in Wolfsburg, so dass sich der Vorsprung auf den ärgsten Verfolger auf fünf Punkte verringerte. Sportvorstand Matthias Sammer bemerkte, dass ein Sieg im Borussia-Park keineswegs selbstverständlich gewesen sei. Die erste Saisonpleite als Warnschuss? „Wir werden unsere Lehren daraus ziehen. Es ist keine Niederlage, die uns umwirft“, kommentierte Sammer. Dabei fing alles an wie immer: „Wir haben eine gute erste Halbzeit gespielt“, befand Trainer Pep Guardiola, der dann aber sehen musste, wie seine Mannschaft nach dem 0:1 den Faden verlor. „Wir sind es nicht mehr gewohnt, in Rückstand zu geraten“, meinte Lahm.

          Der Wille, das Spiel zu drehen, war fortan nicht erkennbar. „Da haben wir große Probleme bekommen und die Stabilität und Kontrolle verloren“, sagte der Bayern-Trainer, der auch auf insgesamt sechs Stammspieler verzichten musste. Dies ließ aber auch Lahm nicht als Ausrede gelten. „Wir hatten auch heute eine sehr gute Mannschaft auf dem Platz.“

          Dazu zählte erstmals seit langem auch wieder der spätere Torschütze Ribéry. „Das war vor allem wichtig für ihn“, sagte Guardiola. „Es fühlt sich gut an, eingewechselt zu werden, wenn du so lange verletzt warst. Für mich war es schön wieder auf dem Platz zu sein“, sagte Ribéry – und empfahl, die Niederlage schnell abzuhaken. „Wir müssen das schnell vergessen und auf das nächste Spiel schauen.“

          Die restlichen Aufgaben des Jahres mit der Champions-League-Partie am Mittwoch bei Dinamo Zagreb (20.45 Uhr / Live auf Sky und im Champions-League-Ticker auf FAZ.NET), den beiden Bundesligaspielen gegen den FC Ingolstadt und Hannover 96 sowie der Pokalpartie gegen Darmstadt 98 dürften die Bayern nicht vor große Probleme stellen. Und wenn doch: Dann müssen die Verfolger in der Liga – allen voran Borussia Dortmund – Konstanz beweisen. Für Guardiola, der zuvor mit seinem Team saisonübergreifend in 48 Hinrundenspielen ohne Niederlage geblieben war, ist vor allem der Lerneffekt wichtig. „Wir sollten lernen, dass wir die Kontrolle nicht so schnell verlieren“, forderte der Spanier.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bundeskanzler Olaf Scholz verabschiedet sich am Dienstag in Pretoria vom südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa.

          Bundeskanzler in Afrika : Ein kurzes Bett für Scholz

          In Afrika wirbt Bundeskanzler Olaf Scholz für einen Schulterschluss der Demokratien gegenüber autoritären Regimen. Aber vor allem Südafrika will sich nicht gegen Russland stellen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          AllesBeste
          Testberichte & Kaufberatung
          Baufinanzierung
          Erhalten Sie Ihren Bauzins in 3 Minuten
          Spanischkurs
          Lernen Sie Spanisch