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Borussia Mönchengladbach : Das bisschen Krise ist doch kein Problem

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Vier Niederlagen in Serie, aber der Trainer ist nicht das Problem: Adi Hütter darf bleiben Bild: dpa

Borussia Mönchengladbach sieht in der Niederlage gegen Frankfurt schon die Wende zum Besseren. Der langfristige Trend aber zeigt das Bild einer Mannschaft, die um den Verbleib in der Bundesliga bangen muss.

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          Zumindest einen kleinen Trost erhielten die Profis in den Trikots von Borussia Mönchengladbach, die sich mehr und mehr zur größten Krisenmannschaft dieses Bundesligawinters entwickeln. Sie hatten mit 2:3 gegen Eintracht Frankfurt verloren, im vierten Spiel nacheinander hatten sie drei oder mehr Gegentore zugelassen, und der Vorsprung des Klubs auf den Relegationsplatz ist auf einen Punkt geschrumpft.

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          Und doch applaudierten die meisten Menschen in der gar nicht so schlecht gefüllten Nordkurve den Verlierern, die sich immerhin gewehrt hatten. Das „tut der Mannschaft sehr gut“, sagte Trainer Adi Hütter, der ebenfalls lobende Worte für die Leistung seiner Spieler fand: „Die Mannschaft hat leidenschaftlich gekämpft. Ich denke, dass Frankfurt sich heute bei seiner Abwehrreihe und Torhüter Kevin Trapp bedanken kann, die unsere Großchancen vereitelt haben.“ Die Niederlagenserie ging zwar nicht zu Ende, aber alle Beteiligten waren fest entschlossen, die Gelegenheit wenigstens zu einem atmosphärischen Umschwung zu nutzen. Und als versiertester Krisenkommunikator trat Christoph Kramer in Erscheinung.

          Die Leistung gegen Frankfurt sei „ein Schritt in die richtige Richtung“, verkündete der Mittelfeldspieler, der in vielen Phasen der Saison verletzt gefehlt hatte und an diesem Abend Mitte der zweiten Halbzeit eingewechselt worden war. Es sei eben nun mal so, dass in Problemphasen wie der gegenwärtigen „die Selbstverständlichkeit komplett abhandenkommt“ und „von jedem einzelnen der Fuß nicht sicher“ sei. Kramers Botschaft: Kein Grund zur Aufregung. In der großen weiten Fußballwelt gab es schon so viele Krisen, die alle irgendwann zu Ende gingen. Das war ein neuer Sound nach der etwas ratlos wirkenden Selbstkritik der vergangenen Wochen.

          Die neue Zuversicht basierte auf einer ordentlichen Leistung in der ersten Halbzeit, an deren Ende allerdings ein schlimmer Ballverlust von Denis Zakaria das Frankfurter 1:1 einleitete. Auch die 20 Minuten am Spielende, als die Borussia nach einer Gelb-Roten Karte für den Frankfurter Tuta viel Druck erzeugte, können als Indiz für den Umschwung taugen. Allerdings zeigte dieses Spiel auch, wie zerbrechlich die kleinen Fortschritte sind.

          Wieder hatte der Champions-League-Achtelfinalteilnehmer der vergangenen Saison mit schlimmen Fehlern eine Flut von Gegentoren möglich gemacht. 17 Treffer hat das Team alleine in den jüngsten vier Spielen zugelassen. Und zu Beginn der zweiten Hälfte, als dem 1:1 schnell ein 1:2 und dem abermaligen Ausgleich direkt das 2:3 folgte, drohte der nächste Totalschaden. Ein konsequenterer Gegner hätte leicht zwei, drei weitere Tore erzielen können.

          Voller Hohn brüllten die Frankfurter Anhänger immer wieder „Hütter raus“, um den Trainer zu treffen, der im Sommer von der Eintracht zur Borussia gewechselt war und nun mit seiner neuen Mannschaft mächtig zu leiden hat. Vielleicht stärkten auch diese Schmähungen den Zusammenhalt und das Wohlwollen des Gladbacher Publikums. Denn gemeinsam mit den Frankfurtern auf die eigenen Spieler und ihren Trainer einzuprügeln, wäre irgendwie unpassend gewesen. Aber Kramers Zuversicht wirkte, als sei er unabhängig vom Verlauf dieses Abends davon überzeugt, dass sich die Saison sehr bald wieder zum Guten wenden werde. „Wir wissen alle, wie schnell es im Fußball gehen kann“, sagte er. „Vor vier Spieltagen hatten wir auch 18 Punkte, und da dachten wir: Oh, jetzt sind es noch drei Punkte in Richtung Champions League.“ Nun sehe die Tabelle eben etwas anders aus, genauso schnell könne sich das Bild aber wieder ändern.

          Wechselträume zu Weltklubs blockieren die Köpfe

          Wer den Blick auf die größeren Zusammenhänge richtet, kann jedoch ebenso gut zu einer anderen Einschätzung gelangen: Seit der ehemalige Trainer Marco Rose am Rosenmontag im vergangenen Februar bekanntgegeben hat, von Mönchengladbach nach Dortmund wechseln zu wollen, hat die Mannschaft in 31 Spielen 33 Punkte erspielt. Über Monate hinweg ist das die Bilanz eines Klubs, der ernsthaft um den Verbleib in der Bundesliga fürchten muss. Und für die Hütter nur einen Teil der Verantwortung trägt.

          Schon lange wird gemutmaßt, dass das Gefüge des Teams angeschlagen sei, es gebe in Mönchengladbach zu viele Spieler, die während der Erfolgsphase im vergangenen Herbst vom nächsten Schritt, von einem Wechsel zu einem Weltklub geträumt hätten, heißt es. Verletzungen, die schwache Rückrunde und die pandemischen Finanznöte vieler Vereine führten jedoch dazu, dass alle bleiben mussten und jetzt womöglich nicht mehr mit voller Überzeugung für die Borussia spielen. Doch Kramer trat selbst dieser schlüssigen These entgegen: Bei solchen Erzählungen handele es sich um „mediale Nebengeräusche“. Der Wunsch nach einem Vereinswechsel könne nicht „als Ausrede, dass einer mit dem Kopf nicht dabei ist“, gelten. Auf dem Platz, wenn das Spiel laufe, sei „alles wie immer“. Vielleicht helfen die deeskalierenden Worte des erfahrenen Wortführers ja tatsächlich beim Versuch, die Köpfe fürs nächste Spiel freizukriegen, wenn den Gladbachern in Hoffenheim der Absturz auf den Relegationsplatz droht.

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