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Borussia Dortmund : „Wir standen einen Millimeter vor der Insolvenz“

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Unternehmer und Fußballer: Hans-Joachim Watzke Bild: ddp

Hans-Joachim Watzke, Vorsitzender der Geschäftsführung von Borussia Dortmund, spricht im F.A.Z.-Interview über seinen Kulturschock, die schwierige Sanierung des Bundesligavereins und die Transfers von Rosicky und Odonkor.

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          Er hat einen der schwersten Jobs im Bundesligafußball. Hans-Joachim Watzke, Vorsitzender der Geschäftsführung von Borussia Dortmund, spricht im F.A.Z.-Interview über die Sanierung des Traditionsvereins. „Wir können nun neue sportliche Ziele definieren“, sagt der 47 Jahre Unternehmer aus dem Sauerland.

          Vor einem Jahr begann der lange Rückweg des Hamburger SV an die Spitze der Bundesliga. Damals rangierte Borussia Dortmund, krisengeschüttelt, unter ferner liefen. Inzwischen formulieren Sie wieder flottere Ansprüche und schielen schon wieder nach ganz oben. Ist der BVB, der es an diesem Samstag mit dem HSV zu tun bekommt, demnächst aufs neue ein Kandidat für die Champions League?

          Wir haben den Anspruch, jenseits der Bayern mit Schalke 04, Werder Bremen oder dem Hamburger SV in zwei bis fünf Jahren wieder auf Augenhöhe zu sein. Das ist für uns eine ganz neue Perspektive, denn ich hatte bei meinem Amtsantritt als Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA im Februar 2005 gedacht, daß wir zehn Jahre brauchen, um unsere Schulden zu halbieren. Jetzt haben wir in rund eineinhalb Jahren fast hundert Millionen Euro an Verbindlichkeiten abgebaut. Daß das so schnell gehen konnte, damit hatten wir nicht gerechnet. Weil die Lage inzwischen aber wieder erfreulicher ist, können wir nun auch neue sportliche Ziele definieren.

          Heißt das, daß nun der neue Reichtum bei der Borussia ausgebrochen sei?

          Natürlich nicht. Wir suchen den Wettbewerb an der Spitze der Tabelle nur unter einer Voraussetzung: wenn wir das Ganze wirtschaftlich mit schwarzen Zahlen unterlegen.

          Wenn Sie nach allem, was sich an Schulden unter Ihren Vorgängern in der Geschäftsführung angehäuft hat, schon wieder von schwarzen Zahlen sprechen können, grenzt das an ein kleines Wunder. Oder haben Sie mit dieser rasanten Entwicklung zum Positiven beim BVB gerechnet?

          Was bei uns in den vergangenen 19 Monaten passiert ist, war am Anfang nicht abzusehen. Wenn ich im Februar 2005 hundertprozentig gewußt hätte, wie die Situation eigentlich ist, hätte ich wahrscheinlich die Flucht ergriffen. Der erste Schritt, den ich damals unternahm, war vielleicht wesentlich für unseren Gesundungsprozeß. Ich habe nämlich gesagt: Was wir jetzt brauchen, ist absolute Transparenz. Wir haben dann zwei Tage später die Ad-hoc-Mitteilung herausgegeben, in der gesagt wurde, daß sich Borussia Dortmund in einer existentiellen Krise befinde. Diese Transparenz, die für mich oberstes Prinzip ist, hat Vertrauen gebildet.

          Sie mußten aber neben diesem deutlichen Zeichen nach außen auch eine Fülle von Hausaufgaben leisten.

          Wir haben dann die Kosten rigoros reduziert. Das kann man am Etat für die Bundesliga-Mannschaft besonders gut ablesen. Vor drei Jahren betrug der noch 57 Millionen Euro; aus der letzten Saison sind wir dagegen mit 25,8 Millionen Euro rausgegangen - bei fast gleicher Plazierung. Damals waren wir Sechster, diesmal Siebter in der Abschlußtabelle.

          Wie hat sich das Vertrauen, das Sie sukzessive wiedergewannen, im Verhältnis zu Ihren Sponsoren niedergeschlagen?

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