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Borussia Dortmund : „Die beste Mannschaft, in der ich je war“

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Gute Laune in Dortmund: Mats Hummels (Zweiter von rechts) und Co. vor dem Supercup Bild: dpa

Der BVB bot zuletzt eine wilde Saison voller Spektakel mit Offensivzauber. Viele Tore sollen weiterhin fallen. Dennoch dürften die Dortmunder nun mit einer anderen Spielweise antreten. Dafür ist der Baustein da, der zuletzt fehlte.

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          Am Donnerstag hat Lucien Favre ein Thema aufgegriffen, das in der für Borussia Dortmund mitunter abenteuerlichen Vorsaison tief in den Abgründen des Vergessens verschwunden war. Als der Trainer 2018 seine Arbeit beim BVB aufgenommen hat, prophezeiten Experten, dass dem Publikum im Revier schon sehr bald ein kunstvoll organisierter Defensivfußball vorgesetzt werden würde. So wie den Anhängern von Borussia Mönchengladbach in den besten Favre-Jahren zwischen 2012 und 2015.

          Bundesliga

          Was folgte, war jedoch eine wilde Saison voller Spektakel mit Offensivzauber und – sehr vielen Gegentreffern. Letzteres haben die Verantwortlichen in ihrer Saisonanalyse als zentralen Grund für den Sturz auf Rang zwei der Tabelle während der Rückrunde identifiziert. Also hat Favre wieder angefangen, von Zuständen wie einst in Mönchengladbach zu träumen. Dort „war es sehr, sehr schwierig, ein Tor gegen uns zu machen“, sagte er zum Abschluss des Trainingslagers in Bad Ragaz, diese Stabilität wünsche er sich künftig auch beim BVB. „In der Offensive kreieren wir viele Chancen, wir müssen aber auch solide in der Defensive sein, das ist für mich sehr, sehr wichtig“, sagte der Trainer mit ernster Miene.

          Freunde des jugendlichen Angriffsfußballs der Vorsaison müssen sich also möglicherweise auf eine etwas weniger rasante Spielweise einstellen. Der Klub hat mit Thorgan Hazard und Julian Brandt zwar zwei der interessantesten Bundesligaangreifer der vergangenen Jahre verpflichtet, die wichtigste Baustelle des Sommers war aber die Viererkette. Nun scheinen die Arbeiten an diesem Mannschaftsteil erfolgreich zu Ende zu gehen. Mit Mats Hummels und Nico Schulz wurden zwei Spieler ins Fundament der Mannschaft integriert, die der Defensivreihe einen grundlegend neuen Charakter verleihen.

          Hummels tauge als „Baustein, der uns in der letzten Saison vielleicht etwas gefehlt hat“, sagte Sebastian Kehl in dieser Woche. Der Neuzugang aus München bringe „Erfahrung mit, er hat eine große Reife, ist ein gestandener Spieler, der viele Titel gewonnen hat, der den Verein aber auch kennt“, so der Leiter der Lizenzspielerabteilung. Und der 26 Jahre alte Schulz wird von den „Ruhr Nachrichten“ bereits als „kleiner Königstransfer“ gefeiert, weil er nicht nur dynamisch und zuverlässig verteidigt, sondern auch noch wichtige Außenbahnimpulse zur Offensive beisteuert.

          Der „Kicker“ hat ausgerechnet, dass Favre sein Team in der vergangenen Saison mit insgesamt 21 verschiedenen Viererkettenvariationen spielen ließ, diese Zeit der Dauerimprovisation wird wohl zu Ende gehen. Es zeichnet sich eine Formation mit Hummels und Manuel Akanji innen, mit Schulz links und je nach Form, Lage und Gegner mit dem stürmischen Achraf Hakimi oder dem routinierten Lukasz Piszczek rechts ab. Klar ist zwar, dass eine stabile Defensive immer nur das Ergebnis der Zusammenarbeit des gesamten Kollektivs sein kann, aber Torhüter Roman Bürki denkt sicher nicht zuletzt an seine direkten Vorderleute, wenn er über den BVB der Gegenwart sagt: „Es ist die beste Mannschaft, in der ich je war.“

          Diese Aussage passt gut zum alles überstrahlenden Thema der Vorbereitung, dem ziemlich redundant gepredigten Bekenntnis zum Saisonziel Meisterschaft, das Favre allerdings mit einem ähnlichen Bedürfnis nach Defensive betrachtet wie das Spiel seines Teams. „Ich möchte das, ich gehe da mit“, sagte der Trainer zwar zum Abschluss des Trainingslagers in Bad Ragaz über die offen kommunizierten Meisterschaftsambitionen, ergänzte jedoch: „Wir müssen aber trotzdem aufpassen, was wir sagen. Wir müssen alles analysieren und nicht so viel sprechen.“ An diesem Samstag (20.30 Uhr im ZDF und bei DAZN) im direkten Duell gegen den großen Rivalen aus München haben sie endlich die schöne Gelegenheit, den offensiven Worten hochklassige defensive Fußballarbeit folgen zu lassen.

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