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Bundesliga-Titelkampf : Ein schwerer Rückschlag für Dortmund

Die Enttäuschung ist den Dortmundern ins Gesicht geschrieben. Bild: AFP

Der BVB spielt in Bremen stark und führt verdient 2:0. Doch nach einem schlimmen Torwart-Fehler beginnt das schwarz-gelbe Fracksausen. Ein Altmeister minimiert die Titelchancen der Dortmunder dann endgültig.

          „Es ist erst vorbei, wenn’s vorbei ist!“ Das war am Samstagabend die Botschaft der Dortmunder Fans in Richtung ihrer Mannschaft und auch Trainer Lucien Favre. Ob man das über die Breite des ganzen Blocks gespannte Transparent als freundliche Aufmunterung oder als bissigen Kommentar zu Favres zwischenzeitlicher (Selbst-) Aufgabe im Meisterrennen in der vergangenen Woche lesen wollte – eines war sicher: Es brauchte schon einen Sieg des BVB in Bremen, damit der Titel nicht mehr oder minder „gespielt“ sein würde, wie Favre das schon nach dem 2:4 gegen Schalke formuliert (und später revidiert) hatte.

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          Danach sah es im Weserstadion auch lange aus, nachdem Pulisic (6. Minute) und Alcacer (40.) den BVB verdient 2:0 in Führung geschossen hatten. Doch weil Torwart Bürki einen harmlosen Schuss von Möhwald durch die Beine rutschen ließ (70.), begann es wieder, das schwarz-gelbe Fracksausen, und nachdem Pizarro noch der Ausgleich gelungen war (75.), verließen die Borussen den Rasen als gefühlte Verlierer. Theoretisch möglich ist der Titel noch, aber wer soll jetzt noch daran glauben? In der Kurve regte sich nichts mehr.  „Wir hatten die Gelegenheit in der ersten und zweiten Halbzeit, das 3:0 zu machen. Wir kriegen dann zwei unnötige Gegentore“, sagte Favre. Und Sportchef Michael Zorc fügte an: „Wir sind keine Träumer. Natürlich ist Bayern absolut in der Pole Position und hat die heute noch ausgebaut.“

          Mit vier Punkten und reichlich Toren Vorsprung geht der FC Bayern in die letzten beiden Runden – es genügten also bereits zwei Unentschieden oder ein Sieg aus den Spielen in Leipzig und gegen Frankfurt, selbst wenn der schwächelnde schwarz-gelbe Herausforderer die beiden letzten Begegnungen gewinnen sollte. Der BVB scheint zwar mit dem Heimspiel gegen Düsseldorf und dem Borussen-Duell in Mönchengladbach die leichteren Aufgaben zu haben. Aber das wäre nur bei einem Sieg in Bremen eine Konstellation gewesen, die große Hoffnungen auf eine dramatische Wendung geweckt hätte.

          Zuzuschreiben hatten die Dortmunder es sich selbst nach einer lange Zeit konzentrierten und balancierten Vorstellung, der erst der letzte Punch fehlte, ehe dann auch noch Bürkis Ungeschick hinzukam. „Wir hatten Chancen auf das 3:0. Das so herzugeben, das ist ärgerlich. Wir haben zwei Fehler gemacht, die zu den Gegentoren geführt haben“, sagte Julian Weigl.

          Favre musste in Bremen auf seinen wichtigsten Mann verzichten, Kapitän Reus fehlte nach dem Derby-Desaster gegen Schalke ebenso Rot-gesperrt wie Wolf. Für die beiden standen Alcacer und Pulisic in der Startelf. Was schon zeigte, über welch andere Möglichkeiten und Ambitionen der BVB im Vergleich mit Bremen verfügt. Bei Werder fielen, wie sich schnell zeigen sollte, die Ausfälle der Verteidiger Moisander und Gebre Selassie schwerer ins Gewicht. Es brauchte nur wenige Minuten und einen entschlossenen Antritt von Pulisic, um die Tempo- und auch Qualitätsunterschiede zu entlarven. Weil Veljkovic zudem eher aus dem Weg ging, als Pulisic denselben zu versperren, ließ der sich diese Gelegenheit nicht nehmen. Das schnelle 1:0 war genau das, was die Dortmunder mit ihrem angegriffenen Nervenkostüm brauchen konnten, und keine zehn Minuten später war das 2:0 nahe, das Pavlenka nach einem Schuss von Götze gerade noch mit den Fingerspitzen verhinderte.

          Man konnte zwar nicht behaupten, dass die Führung die Dortmunder entfesselte. Aber das war auch gar nicht nötig. Mit ihrer strategischen Dominanz im Zentrum (Witsel, Delaney) und dem Tempo über die Außen (Pulisic, Sancho) verfügten sie über strukturelle Vorteile, die ein geduldiges Weiter-so durchaus rechtfertigten. Gegen Ende der ersten Hälfte geriet das allerdings ein wenig zu passiv. Werder war schon im Begriff, die Kontrolle über das Geschehen zu übernehmen und näherte sich insbesondere durch den ebenso schnellen wie selbstbewussten Rashica dem Dortmunder Tor an.

          Doch dann war es wieder der exzellente Pulisic, der die Gunst des Augenblicks nutzte. Wieder ein raumgreifender Antritt, diesmal ein zarter Rempler von Friedl – der genügte Schiedsrichter Fritz für einen Freistoß. Und falls die Bremer die Bedrohung ohne Reus, der im Pokalspiel kurz vor der Pause spektakulär getroffen hatte, nicht so groß erwartet haben sollten, belehrte Alcacer sie aus gut 20 Metern eines Besseren. Sein Freistoß schlug mit Wucht im rechten Toreck ein. Das war ein echter Wirkungstreffer, und wenn Diallo kurz darauf die perfekte Chance zum dritten Treffer genutzt hätte, wäre die Sache vor der Pause erledigt gewesen.

          Ein Fehler des Dortmunder Torwarts Bürki führte zum 1:2 und zur Bremer Aufholjagd.

          Aber auch so gab es lange Zeit wenig bis gar nichts, was auf eine Wende hindeutete. Der BVB blieb auch in den zweiten 45 Minuten bestimmend und gefährlicher, es gab zwei, drei Szenen, in denen nicht viel zum dritten Treffer fehlte. Als Werder-Trainer Florian Kohfeldt es dann noch einmal mit Pizarro und Möhwald versuchte, schien das an den Kräfteverhältnissen nichts mehr zu ändern. Doch dann ließ Bürki den Schuss von Möhwald passieren. Es war, als habe das ganze Weserstadion auf diese Initialzündung gewartet.

          Nun war Werder da, Dortmund wirkte verstört, und weil Akanji sich an der Grundlinie im Duell mit Augustinsson dilettantisch anstellte, kam Pizarro im Zentrum zum Schuss – 2:2. Das Dortmunder Zittern erreichte seinen Höhepunkt, als wenig später der Videoassistent eingeschaltet wurde – war es ein strafbares Handspiel von Götze im Strafraum? In dieser Szene kamen die Dortmunder mit dem Schrecken davon. Zurück ins Spiel fanden sie trotzdem nicht mehr. Dem Sieg war am Ende Werder näher. „Leider haben wir das Spiel nicht gewonnen, aber wir einen guten Job gemacht mit dem Unentschieden“, sagte Pizarro.

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