https://www.faz.net/-gtm-97bih

1:1 gegen Augsburg : BVB verspielt Führung vor leeren Rängen

  • -Aktualisiert am

Ungewöhnliche Leere herrschte beim Spiel gegen Augsburg auf der Dortmunder Südtribüne. Bild: Reuters

Lange Zeit schien es, als reiche dem BVB ein Tor zum Sieg. Doch bei eisigen Temperaturen und ohne die „Gelbe Wand“ im Rücken fehlt Dortmund auch spielerisch das Feuer. Der FCA erkämpft sich hingegen einen verdienten Punkt.

          3 Min.

          An den Montag als Bundesligatermin hatte Borussia Dortmund keine guten Erinnerungen. In der allerersten Bundesliga-Saison traten die Westfalen schon einmal an einem Montag an und verloren in jenem Nachholspiel am 30. März 1964 beim 1. FC Saarbrücken. Inzwischen gehören fünf Montagspartien pro Saison zum regulären Programm der ersten Liga. Auch beim 1:1 gegen den FC Augsburg vermochten die Dortmunder ihrer Montagsarbeit keinen Glanz zu verleihen. Zwar blieben sie auch im neunten Ligaspiel unter Cheftrainer Peter Stöger ungeschlagen; zu überzeugen wussten sie, vor allem in spielerischer Hinsicht, nicht.

          Bundesliga

          Das Tor von Marco Reus (16. Minute) hätte die Basis für einen Sieg sein können. Aber Kevin Danso (73.) erzielte den Ausgleich für die Augsburger, die besonders nach der Pause ein unbequemer Gegner für den Bundesliga-Zweiten waren. Der BVB habe „in jeder Hinsicht viel zu wenig geboten“, sagte der Dortmunder Julian Weigl nach dem Unentschieden zu Eurosport. „Hier zuhause so eine Chance zu vergeben, das ist schwer zu erklären.“

          Viele Fans sehen Montagsspiele als Symbol für die fortschreitende Kommerzialisierung des Profifußballs. Also nahmen sie die Begegnung zwischen Dortmund und Augsburg zum Anlass, ihren Protest gegen den umstrittenen Termin zum Ausdruck zu bringen, und verzichteten auf den Stadionbesuch. Das „Fan-Bündnis Südtribüne“ etwa, ein Zusammenschluss von fast vierzig Dortmunder Fanklubs, betrachtet „die Grenze des Hinnehmbaren endgültig überschritten“ und rief zum Boykott auf.

          So blieben – nicht nur auf der Südtribüne – mehrere tausend Plätze im größten deutschen Fußballstadion leer, das gut achtzigtausend Menschen fasst. Den FC Augsburg begleiteten angeblich nur zweihundert Anhänger ins Ruhrgebiet. Als offizielle Zuschauerzahl gab der BVB 54.300 an. Als Ausrede wollte Dortmunds Mario Götze die Minuskulisse allerdings nicht zählen lassen: „Das ist sehr ärgerlich, das darf uns nicht passieren. Wir sind da auch ein wenig verwöhnt. Es ist immer grandios, wenn das Stadion voll ist.“ Und Trainer Peter Stöger legte nach: „Es wäre eine billige Ausrede zu sagen, es hat nicht funktioniert, weil das Stadion nicht voll war und man nur vor 81.000 Zuschauern gut Fußball spielen kann“, antwortete er auf Fragen nach möglichen negativen Auswirkungen des Fan-Boykotts auf seine Mannschaft, „es hat ans uns gelegen, die Stimmung im Stadion besser zu gestalten.“

          Die Daheimgebliebenen, egal welcher Couleur, verpassten nicht allzu viel. Bei klirrender Kälte boten beide Parteien über weite Stecken wenig Erwärmendes. Obwohl der BVB früh in Führung ging, blieben gefährliche Strafraumszenen in der ersten Hälfte die Ausnahme. Das Tor von Reus erinnerte an die Koproduktion, die gut eine Woche zuvor in Mönchengladbach zum entscheidenden Treffer geführt hatte. Von Mario Götze angespielt, beförderte André Schürrle den Ball nach innen, dort vollendete Reus, der diesen Angriff mit einer Balleroberung ins Rollen gebracht hatte und im Abschluss davon profitierte, dass Verteidiger Martin Hinteregger die Flanke zu kurz abgewehrt hatte.

          Reus bestätigte mit diesem Erfolgserlebnis seine Vorliebe für Partien gegen Augsburg. In zehn Ligaspielen gegen den FCA gelangen ihm schon insgesamt fünf Tore und fünf Vorlagen. Der Stürmerstar, in der Europa League gegen Bergamo zuletzt nur als Teilzeitkraft im Einsatz, war ebenso wie Kapitän Marcel Schmelzer in die Startelf zurückgekehrt.

          Normalerweise wird die Dortmunder Südtribüne von einem schwarz-gelben Fahnenmeer beherrscht – gegen Augsburg herrscht dort gähnende Leere. Bilderstrecke

          Trotz der Führung und fast siebzig Prozent Ballbesitz in der ersten Hälfte blieb die Heimelf auf dem Rasen unproduktiv. Auf der Gegenseite zeigten die Augsburger sich zunächst harmlos. Einzige Ausnahme von dieser Regel im ersten Durchgang: ein Freistoß von Jonathan Schmid, den BVB-Torhüter Bürki mit Mühe entschärfte (43.). Nach der Pause wurden die Augsburger mutiger, kamen besser ins Spiel – und dank Danso auch zum Ausgleich.

          „Ich freue mich natürlich über das Tor. Aber wir haben heute auch so gut wie möglich verteidigt“, hob der Österreicher auch die defensiv weitgehend stabile Leistung der Gäste hervor. Zuvor hatte Schürrle die knapp Chance vergeben, den Vorsprung der Dortmunder auszubauen (56.). In der Schlussphase hatte der eingewechselte Mahmoud Dahoud zweimal die Möglichkeit zum Siegtor (76./86.), doch es gelang den Borussen nicht mehr, den Erfolg zu erzwingen. Erstmals seit seinem Amtsantritt beim BVB im Dezember wirkte Stöger ratlos: „Du stehst draußen und leidest, weil es nicht das ist, was du dir an Temperament und Willen wünschst. Für die Situation, die wir haben, ist das schon enttäuschend.“

          Weitere Themen

          Kaepernick wieder gefragt

          American Football : Kaepernick wieder gefragt

          Der lange Geächtete steht vor einem Comeback. Fast ein Dutzend Football-Teams der NFL macht sich bei einem privaten Training ein Bild von der aktuellen Form des Quarterbacks Colin Kaepernick.

          Topmeldungen

          Digitalisierung im Alter : Offline – und abgehängt?

          Deutschland soll digitaler werden. Doch was ist mit den gut 16 Millionen Bürgern, die noch nie im Internet waren? Die Gruppe ist vielfältig: Wissbegierig, unerfahren oder skeptisch. Die meisten Offliner sind Senioren und kommen aus einer analogen Welt – die gerade verschwindet.
          Hört sich gut an, aber dient es auch der Allgemeinheit?

          Vizekanzler gegen Vereine : Wer rettet den e.V.?

          Frauen- und Männervereine sorgen sich um ihre Gemeinnützigkeit. Olaf Scholz will Gender zum Superkriterium machen. Jetzt bekommt er widerborstigen Kantönligeist zu spüren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.