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Fußball-Transfermarkt : Dortmunds lukrative Wette auf die Zukunft

  • -Aktualisiert am

Alexander Isak soll in Zukunft bei Borussia Dortmund seine Fußballkunst zeigen. Bild: AFP

Im Vergleich zu den führenden acht Vereinen in Europa fehlen dem BVB 200 Millionen Euro Umsatz. Also muss der Klub andere Wege gehen – und hat dabei eine lukrative Strategie gefunden.

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          Alexander Isak hatte auch andere Angebote - von Klubs, die noch größer und berühmter sind als Borussia Dortmund. „Aber am Ende hatte ich das Gefühl, dass Dortmund genau der richtige Verein für mich ist, um mich als junger Spieler weiterzuentwickeln“, sagt der 17 Jahre alte Schwede mit Wurzeln in Eritrea. So oder ähnlich äußern sich junge Profis immer öfter. Der jüngste Transfer eines Teenagers bestätigt einen Trend, ja eine Strategie, die der BVB schon länger verfolgt. Der Ruhrgebietsklub nimmt vorzugsweise Spieler mit internationaler Perspektive unter Vertrag, die das Team früh stärken und später vielleicht für viel Geld verkauft werden können, wenn sie nicht mehr zu halten sind.

          Schon im Sommer warben die Dortmunder mehrere vielversprechende Fußballspieler an, die das zwanzigste Lebensjahr noch nicht vollendet hatten, aber schon Anlass zu großer Hoffnung gaben: Ousmane Dembélé, Emre Mor oder Mikel Merino. Felix Paßlack und Christian Pulisic gehörten bereits in der vergangenen Saison zum Aufgebot, noch bevor sie volljährig waren.

          Auch Mittelfeldspieler Julian Weigl hat früh den Einstieg geschafft - er kam mit 19 Jahren vom Zweitligaverein TSV München 1860. Europameister Raphaël Guerreiro ist mit einem Eintrittsalter von 22 Jahren schon ein „Senior“ in der Dortmunder Jugendbewegung. „Das ist unser Weg“, sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, verantwortlich für die strategische Ausrichtung des Klubs. „Wir müssen Spieler selbst entwickeln. Das war bei Robert Lewandowski so. Bei Dembélé ist das so und auch bei Pulisic. Isak hat das Potential, sich zu entwickeln.“

          Dieses Potential lässt sich das Dortmunder Management etwas kosten, bei Isak knapp neun Millionen Euro Ablöse; der Stürmer ist der teuerste Transfer aus Schweden, seit vor sechzehn Jahren der spätere Superstar Zlatan Ibrahimovic von Malmö FF zu Ajax Amsterdam wechselte. Das Potential, die zu erwartende Entwicklung, nimmt das Dortmunder Management schon länger zum Maßstab, wenn es darum geht, neue Spieler zu verpflichten, um die Mannschaft fit für die Zukunft zu machen oder etablierte Stars zu ersetzen wie zuletzt Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrich Mchitarjan.

          Die Dortmunder Macher Hans-Joachim Watzke (links) und Michael Zorc schnappen anderen Vereinen das Talent vor der Nase weg.

          Im Vergleich zu den führenden acht Vereinen in Europa fehlen Borussia Dortmund etwa zweihundert Millionen Euro Umsatz. „Deshalb müssen wir einen differenzierten Weg gehen“, sagt Sportdirektor Michael Zorc. „Wir können nicht nur mit Achtundzwanzigjährigen spielen, dafür würde unser Budget nicht reichen. Also holen wir Spieler, die ihren Top-Level noch nicht erreicht haben, und dazu etablierte, die für Verlässlichkeit stehen.“ Männer wie Mario Götze und André Schürrle, die gemeinsam ein WM-Finale entschieden haben, in Dortmund aber in dieser Saison noch nicht richtig angekommen sind.

          Im Ruhrgebietsfußball ist, schon den vielen Fans zuliebe, oft von Tradition die Rede. Tatsächlich blickt Dortmund auch bei der Verpflichtung junger Hochbegabter auf eine gewisse Tradition zurück. Schon vor Jahren hat der Klub damit begonnen, auf Spieler zu setzen, deren Karriereplan im frühen Anfangsstadium stand: Profis wie Mats Hummels, Robert Lewandowski, Mario Götze oder Neven Subotic, die mit Dortmund deutscher Meister wurden.



          Die Idee ist (auch) aus der Not heraus geboren. Der BVB war einige Jahre zuvor knapp der Insolvenz entgangen, nachdem die vorherige Geschäftsführung versucht hatte, auf dem Transfermarkt mit Bayern München und anderen europäischen Schwergewichten mitzuhalten. Der Neustart machte einen Paradigmenwechsel erforderlich. Die Borussen begannen damit, Kräfte zu verpflichten, die noch keinem großen Publikum bekannt waren. Dazu gehört auch Pierre-Emerick Aubameyang, aktuell einer der meistumworbenen Stürmer des Kontinents.

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