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Ärgerliches 2:3 in Köln : Dortmund kriegt die Krise vor dem Bayern-Duell

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Anthony Modeste erlebte bei der Rückkehr nach Köln einen schmerzhaften Nachmittag. Bild: Reuters

In einer atemraubenden Partie gibt der BVB die Führung aus der Hand und unterliegt in Köln. Teils werden die Dortmunder überrannt – und das vor dem größten Topspiel, das die Bundesliga zu bieten hat.

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          Steffen Baumgart bebte, als der Schlusspfiff der Partie zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund ertönte. Der Trainer des 1. FC Köln schien in diesem Moment des Triumphes all seine Muskeln gleichzeitig anzuspannen, während die meisten Menschen im Müngersdorfer Stadion einen krachenden Jubelschrei ausstießen. Erleichterung schwang mit, dass der FC die knappe 3:2-Führung gegen Borussia Dortmund tatsächlich über die Zeit gebracht hatte. Aber auch Begeisterung über ein atemraubendes Fußballspiel, das die Menschen erlebt hatten.

          Bundesliga

          Der 1. FC Köln ist eine phänomenale Mannschaft, die über die erstaunliche Fähigkeit verfügt, individuelle Qualitätsmängel mit Energie, Entschlossenheit und nicht zuletzt mit einer klugen Trainerstrategie auszugleichen. Baumgart, der in dieser Woche seinen Vertrag beim FC verlängert hat, lobte seine Mannschaft etwas später für ihre „Leidenschaft“ und die „Mentalität“, die Kölner hatten einen 0:1 Halbstand-Rückstand in einen denkwürdigen Sieg verwandelt. Wichtig war dem Trainer aber auch darauf hinzuweisen, dass seine Mannschaft einfach „guten Fußball“ gespielt habe und daher der „verdiente Sieger“ sei.

          Schon in der ersten Halbzeit hatten die Dortmunder Mühe, gegen das starke Kölner Pressing durchs Mittelfeld zu kommen und ließen mehrere gefährliche Abschlüsse zu. Doch Dejan Ljubicic (2. Minute) und Florian Kainz (29.) schossen nicht präzise genug. Wenn die Dortmunder jedoch Räume für ihr Kombinationsspiel fanden, war vor der Pause deutlich zu sehen, wer hier das stärker besetzte Spitzenteam ist.

          Modeste wird in Köln ausgepfiffen

          Jude Bellingham gelangen etliche öffnende Aktionen, die zu Chancen führten, der Engländer hatte den Revierklub wegen der Ausfälle von Marco Reus (Fußgelenk) und Mats Hummels (Erkältung) erstmals als Kapitän in Bundesligaspiel geführt. Donyell Malen vergab zwei exzellente Möglichkeiten (27., 41.), Karim Adeyemi verschaffte dem Kölner Torhüter mit einem Volleyschuss aus 20 Metern die Gelegenheit für eine beeindruckende Flugparade (37.), und Julian Brandt hatte einen schönen Spielzug mit dem 0:1 für den BVB veredelt (31.).

          Seine Mannschaft habe „eine gute erste Halbzeit“ gespielt, sagte Trainer Edin Terzic. Nur der im Sommer von Köln übergesiedelte Anthony Modeste, der bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen wurde, spielte selbst in den besseren Phasen seiner Mannschaft schwach und glücklos. Die Kräfte dieser emotionalen Rückkehr, vor denen sich mancher FC-Fan gefürchtet hatte, blieben also wirkungslos, und am Ende konnte sich nicht Modeste, sondern Steffen Tigges bejubeln lassen, der Nachfolger des Franzosen am Rhein, der in der vergangenen Sommer noch für den BVB gespielt hatte. Denn nach der Pause wurden die Dortmunder geradezu demontiert, und Tigges gelang im Gegensatz zu Modeste ein wertvolles Tor.

          Er habe seine Spieler explizit daraufhin gewiesen, dass sie sich in den ersten Minuten nach der Pause mit voller Energie wehren müssen, berichtete Terzic später, doch dazu sei sein Team offenbar „nicht bereit“ gewesen. „Wenn man sieht, wie wir die Zweikämpfe geführt haben in den ersten 15, 20 Minuten der zweiten Halbzeit, dann reicht das nicht“, zürnte Terzic. Sein Kollege Baumgart ist bekannt dafür, seiner Mannschaft in der Pause Impulse zu geben, die ein Spiel in eine neue Richtung lenken können. Genauso kam es auch an diesem Tag. Plötzlich wirkten die Kölner wacher, energischer, einige Dortmunder wurden ganz einfach überrannt.

          Nach 47 Minuten hatte Ondrej Duda eine sehr gute Möglichkeit, Niklas Süle konnte den Schuss des Slowaken gerade noch blocken, aber zehn Minuten später hatte der FC das Spiel tatsächlich gedreht. Zunächst stand Dortmunds Adeyemi bei einem tiefen Ball auf Linton Maina schlecht, Florian Kainz nutzte den anschließenden Querpass zum 1:1 (53.). Und drei Minuten später köpfte Tigges eine Ecke zum 2:1 ins Tor.

          Das macht Spaß: Köln dreht die Partie mit drei Treffern.
          Das macht Spaß: Köln dreht die Partie mit drei Treffern. : Bild: AP

          Die Kölner wurden immer klarer in ihren Aktionen, das Publikum war fasziniert, und Verteidiger Timo Hübers sagte später, das sei die „coolste Halbzeit“ gewesen, die er bislang als Spieler in Köln erlebt habe. Zumal Ljubicic viel zu viel Platz vor dem Dortmunder Strafraum hatte und aus 16 Metern zum 3:1 traf (71.). Dem eingewechselten Tom Rothe gelang zwar mit einem abgefälschten Flanke noch das 3:2 (78.), aber die Kölner retteten ihre Führung über die Zeit und bejubelten drei sehr kostbare Punkte.

          In Dortmund hingegen könnten sie nun wieder die alte Mentalitätsdebatte führen, die aber irgendwie müßig ist, weil sie zu nichts führt. Neue Spieler wie Nico Schlotterbeck oder Salih Özcan waren auch mit der Idee unter Vertrag genommen worden, dass sie die Dortmunder Dauerprobleme mit ihrer energischen Spielweise lösen können. Das entpuppt sich mehr und mehr als Fehleinschätzung. Statt die Tabellenführung zu übernehmen und die Chance zu haben, dem FC Bayern im direkten Duell am kommenden Wochenende auf sechs Punkte zu enteilen, gehen sie nun mit einem gut bekannten Krisengefühl ins größte Topspiel, das die Liga zu bieten hat.

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