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1:3 bei Union : Ein Albtraum für Dortmund in Berlin

Wie konnte das nur passieren? Dortmunds Kapitän Marco Reus bei der Niederlage in Berlin Bild: Reuters

Der neue BVB will gerne Meister werden in dieser Saison. So wird das nichts. Bei Union Berlin verliert die Borussia mit 1:3. Nur Torjäger Paco Alcácer trifft. Dafür ragt ein Spieler des Aufsteigers heraus.

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          Die erste Überraschung dieser Saison ist perfekt: Meisterkandidat Borussia Dortmund hat nach einem leidenschafts- und ideenlosen Auftritt bei Aufsteiger Union Berlin völlig unerwartet die Tabellenführung eingebüßt und seine erste Niederlage kassiert. Die Mannschaft von Trainer Favre enttäuschte nahezu über die gesamte Spielzeit. Union hingegen kämpfte sich von Minute zu Minute besser in ein scheinbar aussichtsloses Spiel – und siegte am Ende absolut verdient 3:1.

          Bundesliga
          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Tore für die Berliner erzielten Bülter (22. und 50. Minute) sowie Andersson (75.), Alcacer war nur der zwischenzeitliche Ausgleich (25.) gelungen. „Das war mein größtes Spiel“, sagte Bülter beim TV-Sender Sky. Die Fans im Stadion an der „Alten Försterei“ konnte kaum glauben, was sie sahen: Einen Berliner Aufsteiger, der eine Topmannschaft mit einfachen aber effektiven Mitteln mattsetzte und seinen ersten Sieg in der Bundesliga feierte. Der BVB rutschte nach dem blutleeren Auftritt auf Rang fünf der Tabelle ab, Union kletterte hinauf ins Mittelfeld.

          Schon zur Halbzeit konnte man ohne Zweifel sagen: Union Berlin, dass beim 0:4 in seinem ersten Heimspiel gegen RB Leipzig noch vollständig überfordert gewirkt hatte, ist in der Bundesliga angekommen. Der Aufsteiger hatte sich dem Meisterkandidaten von Beginn an erfolgreich widersetzt. Er ließ trotz ständigem Dortmunder Ballbesitz kaum eine Torchance zu. Gelegentlich, aber regelmäßig, setzte Union dabei schon in der ersten Halbzeit zu durchaus gefährlichen Kontern an – ohne dem BVB dabei die Möglichkeit zu schnellen Gegenangriffen zu eröffnen.

          Nach zehn Minuten war es Subotic, der langjährige Dortmunder Verteidiger, der die zunächst beste Berliner Chance verpasste. Er setzte einen Kopfball nach einem Eckstoß knapp neben das Tor. Nach dem nächsten Eckball machte es Union dann schon viel besser und cleverer. Eine einstudierte Variante über Trimmel, der den Ball flach und hart in den Strafraum spielte, nahm der von hinten anstürmende Bülter direkt – und traf unhaltbar mit einem Flachschuss gegen eine schlecht organisierte Defensive zum 1:0 für Union.

          Der BVB hatte schnell eine Antwort parat, aber es sollte seine einzige bleiben. Auf der rechten Seite nahm Sancho erstmals zielstrebig Tempo auf – und sein flaches, hartes Zuspiel in den Strafraum erreichte Alcacer, der mit einem langen Schritt gerade noch den Fuß an den Ball bekam und ihn aus wenigen Metern ins Tor verlängerte. Das 1:1 nach 25 Minuten, so schien es zunächst, sollte das Dortmunder Signal zu einem entschlossenem und engagiertem Spiel sein. Aber danach kam – fast nichts. Das Dortmunder Spiel nahm kaum Tempo auf, Torchancen blieben auch bis kurz vor der Pause eine Seltenheit. Es waren nur zwei Schüsse von Weigl (44.) und Reus (45.+2) die Torgefahr erzeugte, der erste strich gegen die Außenseite des Pfostens, den zweiten lenkte Torhüter Gikiewicz mit den Fingerspitzen um den Pfosten. Trotzdem stand es nach Torschüssen in der ersten Halbzeit bei 74 Prozent Dortmunder Ballbesitz nur 7:6 für den großen Favoriten.

          Es kam aber noch viel besser für den Aufsteiger. Und in der 50. Minute schien die „Alte Försterei“ erstmals auch in der Bundesliga zu explodieren. Die Dortmunder hatten wieder einmal nachlässig verteidigt – und so hatte Andersson plötzlich freie Bahn und lief alleine auf Bürki zu. Der BVB-Torwart wehrte den Schuss zwar reaktionsschnell mit dem Fuß ab. Doch gegen den Nachschuss von Bülter war er machtlos, 2:1 für Union.

          Was danach folgte, was mindestens so erstaunlich: Der BVB fand keinen Weg, seine individuell viel bessere Qualität auch nur ansatzweise in diesem Spiel zu beweisen. Und der Aufsteiger tat, was ihm kaum jemand zugetraut hatte: Er versetzte dem BVB den K.o. Dabei spielte Union den Tabellenführer bei seinem dritten Treffer auch noch ganz locker mit einem Doppelpass aus, bevor Andersson den Ball in der 75. Minute unbedrängt ins Tor schießen konnte. Dortmund wachte aus seinem Albtraum in der „Alten Försterei“ nicht mehr auf.

          „Wir haben nicht unser bestes Spiel gemacht“, sagte Dortmunds Nationalspieler Julian Brandt, der erstmals seit seinem Wechsel aus Leverkusen in der Startformation gestanden hatte. „Du hast gemerkt, dass die Berliner heute einen größeren Willen hatten.“ Kapitän Reus sagte: „Wir glauben manchmal, dass wir mit der Qualität einfach unsere Spiele gewinnen. Wir haben uns heute extrem dumm angestellt.“ Der lange beim BVB beschäftigte Union-Verteidiger Neven Subotic meinte: „Das war ein Schlüsselspiel, um den Fans und der Stadt zu zeigen, dass wir in der Bundesliga angekommen sind.“

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