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Debatte um BVB-Star : Dortmund und der heimliche Deal mit Sancho

  • Aktualisiert am

Jadon Sancho dürfte auch in naher Zukunft weiter im Dortmunder Trikot auflaufen. Bild: dpa

Bleibt Jadon Sancho beim BVB? Oder gibt es einen Millionen-Transfer? Nun schaffen die Dortmunder mit einer unerwartet deutlichen Aussage Klarheit. Nebenbei verrät der Klub auch noch ein Geheimnis.

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          Die monatelangen Spekulationen über die Zukunft von Jadon Sancho haben vorerst ein Ende. Gleich zum Auftakt des Trainingslagers in der Schweiz schaffte Borussia Dortmund mit einem unerwartet deutlichen Statement Klarheit. „Wir planen mit Jadon. Er wird nächste Saison beim BVB spielen. Diese Entscheidung ist definitiv“, verkündete der glänzend gelaunte Sportdirektor Michael Zorc am späten Montagnachmittag noch während der ersten Einheit im noblen Kurort Bad Ragaz.

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          Den zuletzt von diversen Medien kolportierten Transfer des 20 Jahre alten englischen Nationalspielers zu Manchester United wird es demnach nicht geben. Bedenken, dass der Bundesliga-Topscorer der vergangenen Saison mit dem Verbleib in Dortmund hadern könnte und dem Beispiel ehemaliger BVB-Profis wie Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang folgen und sich wegstreiken könnte, hegt Zorc nicht: „Diese Entscheidung wird vom Spieler und natürlich auch von seiner Agentur respektiert.“

          Nicht ohne Stolz und fast beiläufig verriet Zorc, dass der Vertrag mit dem Ausnahmekönner bereits im vergangenen Jahr um ein Jahr bis Mitte 2023 verlängert wurde. Dabei seien die Bezüge „der Leistungsentwicklung von Jadon angepasst“ worden. Weitere Details verriet Zorc nicht. Die Verlängerung passierte heimlich ohne dass die Öffentlichkeit davon erfuhr. Erst am Montag veröffentlichte der BVB eine Mitteilung dazu nach der Aussage von Zorc.

          Nicht zuletzt ist das Halten von Sancho auch ein Wink an Uli Hoeneß. Der Ehrenpräsident des FC Bayern hatte zuletzt im F.A.Z.-Interview die Dortmunder Personalpolitik als „unklug“ bezeichnet. „Wenn Dortmund einen hochtalentierten Spieler kauft und er gut spielt, kann man wenige Monate später entweder aus dem Klub selbst oder von außerhalb hören, dass er irgendwann ein Verkaufsobjekt darstellen wird“, sagte Hoeneß. „Wie soll ein Spieler die DNA eines Vereins hundertprozentig aufsaugen, wenn er das Gefühl hat, ein Verkaufsobjekt zu sein?“ Die Dortmunder hatten Hoeneß' Aussagen danach heftig kritisiert.

          Lesen Sie hier das komplette Interview mit Uli Hoeneß.

          Offenbar scheute Manchester United in schwierigen Corona-Zeiten das Risiko, die vom BVB aufgerufene Ablösesumme in Höhe von 120 Millionen Euro zu investieren. Nach der deutlichen Aussage von Zorc dürfte das Aufregerthema der vergangenen Wochen trotz der in diesem Jahr langen Wechselfrist bis Anfang Oktober für den Bundesliga-Zweiten ausgestanden sein.

          Dabei hatte Sancho noch am Samstag mit einer Privatreise nach London für Aufregung gesorgt und neue Wechselgerüchte geschürt. Doch der BVB war darüber informiert und hatte allen Profis ähnliche Reisen zu ihren Familien genehmigt. Berichten zufolge war Sancho mit Freunden auf einer Rapper-Party, wie auf einem Video in den sozialen Medien zu sehen war. Corona-Regeln und Hygienemaßnahmen wurden allem Anschein nach nicht missachtet. „Dass Spieler vor einen Trainingslager noch mal auf Heimatbesuch sind, ist üblich und in Ordnung, wenn es sich nicht um Risikogebiete handelt. Das gilt für alle und natürlich auch für Jadon“, kommentierte BVB-Mediendirektor Sascha Fligge den Kurztrip.

          Doch schon die Tatsache, dass Sancho beim Abflug der Borussia Richtung Schweiz dabei war, wurde als Indiz für seinen Verbleib beim BVB gewertet. Dem Vernehmen nach hatte die Vereinsspitze den Abreisetag als Frist für einen möglichen Wechsel festgesetzt. „Wir haben uns ehrlich gesagt schon über einige Berichte in den vergangenen Wochen gewundert und waren selbst – wie Sie vielleicht gemerkt haben – sehr entspannt“, sagte Zorc den Medienvertretern im Wissen um den heimlichen Deal mit der Verlängerung im Hintergrund. In der Schweiz fehlen nur die langzeitverletzten Routiniers Marco Reus und Marcel Schmelzer. Sie sollen ihre Reha-Maßnahmen in Dortmund fortsetzen, um möglichst bald Anschluss an das Team zu finden. Dafür waren die Rekonvaleszenten Mats Hummels und Mahmoud Dahoud beim Abflug dabei. Das Duo soll im Laufe der kommenden Woche in das Teamtraining einsteigen.

          Der Verbleib von Sancho und die vergleichsweise geringe personelle Kader-Fluktuation in diesem Sommer erhöht nach Einschätzung von Abwehrchef Hummels die Chancen von Dortmund auf eine starke Saison. „Das ist eine große Chance für uns, noch besser zu werden, dass wir noch mal einen Schritt nach vorne machen können. Und das muss unser Ziel für diese Saison sein. Ich habe das Gefühl, wir können noch viel mehr“, sagte der Abwehrchef des Bundesliga-Zweiten der vergangenen Spielzeit. Hummels wertete die Entscheidung von Sancho zugunsten des Revierklubs als positives Signal. „Er kann der Spieler sein, der den Unterschied macht. Er hat ein Potential, das unbegrenzt ist. Wenn er das noch ein Jahr oder mehr bei uns zeigen will, bin ich darüber sehr glücklich“, kommentierte Hummels. 

          Trainer Ole Gunnar Solskjaer von Manchester United wollte den angekündigten Verbleib von Sancho in Dortmund nicht kommentieren. „Ich kann mich nicht über Spieler anderer Mannschaften äußern, das wissen Sie, das mache ich nie“, sagte Solskjaer am Montagabend in Köln nach dem Einzug ins Halbfinale der Europa-League. Wie der Sender ESPN mit Verweis auf nicht näher genannte Quellen berichtet, soll der Premier-League-Klub weiterhin fest entschlossen sein, den 20 Jahre alten englischen Nationalspieler doch noch in diesem Sommer zu verpflichten. Laut ESPN sollen die Verantwortlichen bei Man United verstimmt sein über die schleppenden Verhandlungen und die finanziellen Forderungen der Dortmunder, die eine Ablösesumme von 120 Millionen Euro aufgerufen hatten.

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