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Borussia Dortmund : Unikum Klopp

  • -Aktualisiert am

Klopps Farbenlehre: der Trainer bleibt ein Schwarz-Gelber, denn „das Gras ist woanders nicht immer grüner“ Bild: AFP

Ein Vertrag für einen Fußball-Trainer über knapp fünf Jahre ist in der Branche eine Seltenheit. Doch wie Klopp hat auch die BVB-Führung offenbar die Fähigkeit, „das Glück zu sehen, wenn es da ist.“

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          Es lohnt sich offenbar, bei Pressekonferenzen mit Jürgen Klopp genau hinzuhören und zwischen den Zeilen zu lesen. Schon der alle überraschende Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern hatte sich so noch ganz verborgen angekündigt. Damals hatte Klopp eine Woche zuvor auf die Frage, ob er demnächst spanische Verhältnisse in der Bundesliga befürchte, geantwortet, er rechne, wenn der FC Bayern seine Transfers für die neue Saison bekanntgebe, eher mit schottischen Verhältnissen (wo Celtic Glasgow das Maß aller Dinge ist).

          Dass die Sätze, die nun wiederum vor etwas mehr als einer Woche vor dem Champions-League-Spiel gegen Arsenal London gefallen sind, ebenfalls so rasch ihre wahre Bedeutung entfalten würden, hatte wieder niemand erwartet. „Man muss nicht auf etwas warten, was besser aussieht“, hatte Klopp auf Fragen nach Angeboten aus der Premier League gesagt und hinzugefügt: „Das Gras ist woanders nicht immer grüner, und meine Fähigkeit ist es, das Glück zu sehen, wenn es da ist.“

          Dass dieses Glück mindestens bis 2018 nun der BVB ist, bewahrt den Dortmunder Trainer aber nicht nur vor weiteren lästigen Nachfragen und beendet auch die gern geführte Diskussion, ob er ein Nachfolger für Bundestrainer Joachim Löw sein könnte - es ist auch die schwarz auf weiß beurkundete Ankündigung, dass der FC Bayern den vor etwas mehr als einem Jahr von seinem Präsidenten Uli Hoeneß noch als „relativ regionale Sache“ bezeichneten Konkurrenten so schnell nicht loswerden wird.

          Für Klopp, dem viele Türen nach Ablauf seines bislang bis 2016 laufenden Vertrages offen gestanden hätten, ist das Ende der Fahnenstange in Dortmund offenbar noch lange nicht erreicht, auch wenn die internationale Konkurrenz den aktuellen BVB-Stars mit noch dickeren Geldbündeln winkt, als es die Borussia trotz aller wirtschaftlichen Erfolge tun kann - oder zu tun bereit ist, was ein kleiner, aber durchaus entscheidender Unterschied in der Vereinspolitik ist.

          Dass Klopp der wichtigste Faktor in der märchenhaften Entwicklung von einem kurz vor der Insolvenz stehenden Klub zu einem Doppelmeister und Finalisten der Champions League war, ist unbestritten. Die Verehrung des Trainers in Dortmund ist grenzenlos, und so wird diese Nachricht der Verlängerung nicht nur vorübergehend die Schlagzeilen über die Begleitumstände des Derbys gegen Schalke verdrängen, sondern allen in den kommenden Monaten lauernden Meldungen über mögliche Spielerwechsel von vornherein die Schärfe nehmen.

          In der schnelllebigen Branche Profifußball ist ein Vertrag für einen Trainer über knapp fünf Jahre dabei ein absolutes Unikum und woanders kaum denkbar - schon oft glaubten auch große Klubs nämlich fest daran, nun die bestmögliche Lösung gefunden zu haben, die sie aber bald darauf vom Hofe jagten. Das Glück zu sehen, wenn es da ist - dieser Satz könnte dabei noch etwas nachhallen. Denn so manchen Dortmunder Spieler könnte er zum Nachdenken anregen - wer in der Klopp-Ära freiwillig die Borussia verlassen hat, wurde woanders nicht glücklich.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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