https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/borussia-dortmund-trainer-marco-rose-muss-wieder-gehen-18046650.html

Trennung von BVB-Trainer Rose : Tabula rasa für den Titel

  • -Aktualisiert am

Marco Rose während des Spiels von Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München im April 2022 Bild: dpa

Die unglückliche Dortmunder Trainersaga geht weiter. Die Trennung von Marco Rose mag überraschend kommen. Aber für seine ehrgeizigen Ziele braucht der BVB einen radikalen Neuanfang.

          3 Min.

          So langsam entwickelt sich die Geschichte vom Unglück der Dortmunder Bundesligatrainer, die als Drama über streitende Männer mit Thomas Tuchel begonnen hatte, mehr und mehr zu einer epischen Serie der großen Missverständnisse. Seit Jürgen Klopp den BVB vor sieben Jahren verlassen hat und die Verantwortlichen glaubten, Tuchel könnte eine neue Ära begründen, ist nie wieder ein inniges Verhältnis zwischen diesem aufregenden Verein und einem Chefcoach entstanden.

          Am Freitag bekam die Fußballnation mit dem sechsten Trainerwechsel in sechs Jahren eine besonders krachende Episode samt Cliffhanger vorgeführt: Marco Rose, vor einem Jahr erst angetreten, um eine Phase des Erfolgs zu begründen, muss schon wieder gehen. „Nach einer Saison, die aus unterschiedlichen Gründen unbefriedigend war, mussten wir feststellen, dass wir in vielen Teilbereichen nicht das Maximum aus unseren Möglichkeiten herausgeholt haben“, ließ sich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in einer Mitteilung zitieren. Die Frage, wer das Team in Zukunft trainiert, wird in der nächsten Folge geklärt.

          „Dieser Tag ist kein einfacher“

          Zunächst gab es am Freitag den üblichen Austausch von Höflichkeiten: „Dieser Tag ist kein einfacher für uns alle, denn die gegenseitige Wertschätzung untereinander war, ist und bleibt groß“, erklärte Watzke. Was er nicht sagte: Auch für die Verantwortlichen ist diese Trennung eine bittere Niederlage. Im vergangenen Sommer hatten sie für fünf Millionen Euro einen Trainer von Borussia Mönchengladbach verpflichtet, von dem sie glaubten, er passe sowohl menschlich zum speziellen Dortmunder Unternehmensklima wie auch sportlich zu den großen Ambitionen. Doch gerade im zweiten Punkt waren im Saisonverlauf immer neue Zweifel entstanden.

          Weil sich nur wenig entwickelte, weil den Spielern ständig die gleichen einfachen Fehler passierten. Und weil Rose all das immer wieder mit den vielen Verletzungen erklärte, statt mal einen der gesunden Profis aus der zweiten Reihe dazu zu bringen, sich in den Vordergrund zu spielen.

          In der Champions League scheiterte die Mannschaft in einer eher einfachen Gruppe mit Sporting Lissabon, Ajax Amsterdam und Besiktas Istanbul. Und nach Weihnachten komplettierten enttäuschende Auftritte im DFB-Pokal beim FC St. Pauli und in der Europa League gegen die Glasgow Rangers eine dramatisch schwache Saison in den Pokalwettbewerben. Die vielen Blessuren, auf die auch die Klubführung als Erklärung zurückgriff, gab es zwar, die vielen Ausfälle taugen aber nur zum Teil als Erklärung dafür, dass nicht nur die Mannschaft als Kollektiv, sondern auch die allermeisten Einzelspieler praktisch ein Jahr lang in ihrer Entwicklung stagnierten.

          Rose selbst war „trotz einer schwierigen Saison mit vielen Unwägbarkeiten“ auch weiterhin von dem „gemeinsamen Weg überzeugt“, sagte er, jedenfalls bis während der Gespräche mit seinen Vorgesetzten der Eindruck reifte, „dass die hundertprozentige Überzeugung aller Verantwortlichen nicht mehr vorhanden ist“. Der naheliegendste Nachfolger ist nun der Technische Direktor, Edin Terzic, der die Mannschaft nach der Entlassung von Lucien Favre im Dezember 2020 noch in die Champions League und zum DFB-Pokalsieg führte. Dass der 39 Jahre alte Herzensdortmunder für die Beförderung zum Chefcoach bereit steht, könnte die Trennung von Rose erheblich erleichtert haben.

          Vorausgegangen war die übliche Saisonabschlussanalyse, an der neben Rose und Watzke auch der scheidende Sportdirektor Michael Zorc, sein Nachfolger Sebastian Kehl und der externe Berater Matthias Sammer teilgenommen hatten. Aber mit großer Wahrscheinlichkeit haben die Wortführer im Kader ebenfalls kein großes Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit mit Rose signalisiert. Ganz unabhängig vom sportlichen Abschneiden ist es dem Trainer nämlich nicht gelungen, eine homogene Einheit aus der Gruppe zu formen. Mehrfach waren Konflikte erkennbar; so hielt beispielsweise niemand den inzwischen zu Manchester City gewechselten Erling Haaland davon ab, seine Privatnummern jenseits der Gruppe aufzuführen.

          Grundlegender Neubeginn

          Der kostbarste Gewinn des vergangenen Spieljahres bleibt daher die Erkenntnis, dass der mit großem Ehrgeiz angestrebte Gewinn der deutschen Meisterschaft nur mit einem grundlegenden Neubeginn gelingen kann. Gerade erst hat Niklas Süle, der aus München nach Dortmund wechselt, klargemacht, was beim BVB gerne verschwiegen wird: „Die Verantwortlichen haben mir aufgezeigt, dass wir in der nächsten Saison einen Kader haben werden, mit dem es absolut möglich ist, deutscher Meister zu werden“, sagt der Nationalspieler in einem Interview mit der „Sport-Bild“. Er habe genau wie die anderen Neuzugänge Nico Schlotterbeck und Karim Adeyemi „viel Bock darauf, Gas zu geben und mit Dortmund etwas zu bewegen (…). Und da reden wir natürlich nicht von der Vize-Meisterschaft.“

          Womöglich entsteht mit dem Abschied von Zorc und dem Aufstieg von Kehl in den Sportdirektorenposten eine neue Attitüde der Entschlossenheit. Nach Süle, Schlotterbeck und Adeyemi wird dem Vernehmen nach auch der Kölner Salih Özcan zum BVB wechseln, der einer dieser Spieler ist, die beinahe überkochen vor Tatendrang und Energie. Özcan war am Donnerstag zum Medizincheck in Dortmund, ob er am Tag danach genauso von Roses Entlassung überrascht wurde wie der Rest der Fußballnation, ist nicht bekannt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der türkische Präsident Erdogan gibt sein Veto auf.

          NATO-Beitritt : Erdogan bekommt, was er will

          Die Türkei stimmt zu, Schweden und Finnland in die NATO aufzunehmen. Doch Erdogan verlangt Zugeständnisse für die Aufgabe der Blockadehaltung: Das Memorandum, auf das sich die drei Staaten verständigen, geht auf alle seine Bedingungen ein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.