https://www.faz.net/-gtm-9x5lc

2:1 in Gladbach : Dortmund ist jetzt erster Bayern-Verfolger

  • -Aktualisiert am

Da oben sind die Bayern: Dortmunds Hazard freut sich über den Sieg in Gladbach bei den früheren Kollegen. Bild: Reuters

Der BVB nutzt den Ausrutscher von Leipzig im Rennen um den Titel und springt auf Platz zwei. Beim Topspiel der Borussias siegt Dortmund zum Start einer besonders wichtigen Woche. Dabei trifft auch ein früherer Gladbacher.

          3 Min.

          Viele der Menschen aus dem Kreis Heinsberg, der nur zehn Kilometer Luftlinie vom Borussia-Park entfernt liegt, waren lieber doch nicht angereist zu diesem Topspiel des Bundesliga-Wochenendes zwischen Borussia Mönchengladbach und dem BVB. Sie hatten von einem Angebot der Gladbacher Gebrauch gemacht und ihre Tickets zurückgegeben, um das Coronavirus, das so viele Menschen in ihrer Stadt befallen hat, nicht bei so einer Massenveranstaltung weiter zu verbreiten. Das war ein Zeichen großen Verantwortungsbewusstseins, denn sie verzichteten auf ein sehenswertes Fußballspiel, das die Dortmunder knapp 2:1 gewannen. Und das umrahmt war von neuen Protesten gegen den Deutschen Fußball-Bund. Aber diesmal wurden keine Grenzen überschritten.

          Bundesliga

          Auf etlichen Transparenten und Fahnen wurden der Deutschen Fußball-Bund und die mediale Berichterstattung über den Konflikt der organisierten Fans mit dem Verband kritisiert. Im Dortmunder Block wurden ein paar Funktionäre als „Die hässlichen Fratzen des Fußballs“ bezeichnet, aber diese Form der Beleidigung ist offenbar noch tolerabel nach den Richtlinien, die den vergangenen Tagen noch einmal präzisiert worden waren. Womöglich gibt es auch unter den organisierten Anhängern ein Bedürfnis nach Deeskalation und einer Versachlichung der Debatten, der Hoffenheimer Klubeigner Dietmar Hopp im Fadenkreuz tauchte jedenfalls an diesem Abend auf keinem Transparent auf.

          In vielen Phasen der ersten Halbzeit schienen die Leute auf den Stehplätzen sich sogar mehr mit diesem Thema zu beschäftigen als mit dem Spiel, das zwar intensiv umkämpft, aber auch ein wenig zerfahren und durchsetzt von Fouls war. Torszenen blieben selten. Stefan Lainer hätte Gladbach schon in Führung bringen können, als er acht Meter vor dem Tor zum Abschluss kam, aber den aus seinem Tor herausstürzenden Roman Bürki traf (7.). Auch Rami Bensebaini hatte eine ganz gute Chance für die Gladbacher, schoss aber aus günstiger Position neben den Pfosten (16.). Da lag der BVB allerdings schon mit 1:0 in Führung. Erling Haaland hatte Thorgan Hazard im Strafraum angespielt, der Belgier drehte sich geschickt und setzte einen präzisen Schuss in die lange Ecke (8.). Zwischen 2015 und 2019 hatte Hazard noch für Mönchengladbach gespielt

          Das sollte die einzige echte Chance der Dortmunder in der ersten Halbzeit bleiben. Die Borussia vom Niederrhein bemühte sich mehr um ein konstruktives Spiel mit dem Ball, war dominant nutzte ihre Gelegenheiten aber nicht effizient genug. Nach 40 Minuten hielt Bürki einen Ball von Alassane Pléa, der Ausgleich wäre nicht unverdient gewesen. Der folgte dann kurz nach der Pause. Nach einer Ecke kam Pléa zum Abschluss, der Ball landete bei Stindl, dem Kapitän der Gladbacher, der aus fünf Metern zum 1:1 traf (50.). Es war nun ein offenes Spiel das von einem Strafraum zum anderen wogte und wieder zurück.

          Auch beim Spiel in Gladbach gab es Proteste im Fanblock, wie hier im Dortmunder.
          Auch beim Spiel in Gladbach gab es Proteste im Fanblock, wie hier im Dortmunder. : Bild: dpa

          Beinahe hätte Hazard ein zweites mal getroffen, doch Yann Sommer kratzte einen großartigen Kopfball des Belgiers gerade noch von der Line (65.), bevor den Dortmundern dann doch die neuerliche Führung gelang. Jadon Sancho, der aufgrund einer Erkältung zunächst auf der Bank saß und kurz zuvor eingewechselt worden war, spielte einen schönen Ball auf Achraf Hakimi, aus spitzem Winkel traf der Marokkaner die lange Ecke.

          Der Revierklub hatte in den Minuten zuvor mehr investiert, und beinahe hätte Sancho das Spiel kurz darauf entschieden, doch er traf nur den Pfosten (79.). Haaland hatte ebenfalls eine gute Möglichkeit auf einen dritten Treffer (86.), und auf der anderen Seite vergab Breel Embolo aus sechs Metern eine wunderbare Option zum Ausgleich (80.). Am Ende reichte es für den BVB, der damit auch das dritte Duell dieser Saison gegen Mönchengladbach gewinnt – ohne wirklich die bessere Mannschaft gewesen zu sein. Zuvor gab es bereits das Hinspiel und eine Begegnung im DFB-Pokal. „Es war ein sehr enges Spiel, wir hätten uns aber mehr verdient. Wir haben eine richtig starke erste Halbzeit gezeigt. In der zweiten Hälfte haben wir vielleicht ein wenig zu viel gewollt“, sagte Gladbachs Trainer Marco Rose.

          „Es war ein sehr schwieriges Spiel. Die Gladbacher sind sehr effizient, die erste Halbzeit war nicht top“, sagte sein Dortmunder Kollege Lucien Favre. „Aber wir lagen in Führung. Nach dem 1:1 haben wir klasse gespielt, das war sehr, sehr gut.“ Für die Dortmunder bildete diese Partie den Auftakt zu einer besonders wichtigen Woche. Am Mittwoch folgt das Rückspiel im Champions League-Viertelfinale, wo sie einen 2:1-Vorsprung bei Paris St. Germain verteidigen müssen. Und am kommenden Wochenende ist der FC Schalke zum Revierderby zu Gast, besonders für die Atmosphäre rund um den Klub ist das ein Spiel von immenser Bedeutung. Nun haben die Dortmunder nach Niederlagen in München und Leverkusen endlich einmal ein richtig schweres Auswärtsspiel bei einem Topteam gewonnen und bleiben ein hartnäckiger Verfolger der Münchner im Titelrennen.

          Weitere Themen

          Eine Frage der Kultur

          Starke Schweizer Torhüter : Eine Frage der Kultur

          Die Schweizer bringen dauerhaft großartige Torhüter hervor. Wie kann das sein? Es ist eine besondere Kultur entstanden. Im Hintergrund wirkt ein Trainer, der für eine sehr hochwertige Arbeit steht.

          Topmeldungen

          Der CDU-Vorsitzende Armin Laschet (links) und der CSU-Vorsitzende Markus Söder bei der Pressekonferenz zum gemeinsamen Wahlprogramm der Union am Montag in Berlin.

          Programm von CDU und CSU : Fixstern des Wahlkampfs

          CDU und CSU legen ein Wahlprogramm vor, das auf deutliche Distanz zu Grünen und SPD geht, von der Linkspartei ganz zu schweigen. Nur die FDP wird Schwierigkeiten haben, sich abzugrenzen.
          Nichts mehr frei: Blick auf die Stockholmer Innenstadt

          Regierungskrise in Schweden : Wer jetzt kein Haus hat

          Die Wohnungsfrage ist die schärfste soziale Frage im Europa unserer Zeit. In Schweden hat sie nun ihren vorläufigen Höhepunkt erfahren.
          So sieht ein Sieger aus, der nicht weiß, ob es zum Weiterkommen reicht: Xherdan Shaqiri

          Komplizierter EM-Modus : Alle Schweizer Wege führen von Rom weg

          Sonntagabend gewinnen und erst 75 Stunden später wissen, ob es fürs Weiterkommen reicht: Der EM-Modus ist nicht nur kompliziert, sondern auch unfair, wie das Beispiel der Schweizer zeigt. Ein Rechenspiel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.