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Borussia Dortmund : Reizthema Hummels: Klopp will nichts hören

  • -Aktualisiert am

Zuletzt nicht immer rechtzeitig am Ball: BVB-Verteidiger Mats Hummels Bild: AFP

Dortmunds Abwehrchef Mats Hummels ist in die Kritik geraten. Trainer Jürgen Klopp nimmt den Verteidiger vor dem Spiel gegen den Hamburger SV (18.30 Uhr) in Schutz - und kritisiert die Medien.

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          Jürgen Klopp wusste sicher, dass die Frage kommen würde. Also hatte der Trainer von Borussia Dortmund den gereizten Unterton vielleicht sogar schon eingeübt. Der Reporter jedenfalls, der den Mut hatte, bekam sein Fett weg, weil er zu erfahren begehrte, wie es um die Form und das Befinden des Verteidigers Mats Hummels bestellt sei. Getrieben von dem Reflex, den Journalisten oder dessen Auftraggeber zu diskreditieren, spekulierte Klopp darüber, ob in der Redaktion Stöckchen gezogen würden, um zu ermitteln, wer die aus Sicht des Vereins lästigen, deplazierten Fragen stellen müsse.

          Der 24 Jahre alte Hummels gilt als Inbegriff des modernen Innenverteidigers mit der Fähigkeit, das Spiel zu eröffnen und anschließend nicht weniger glatt zu analysieren. Hummels könnte auch als Dressman oder Moderator eine gute Figur abgeben. Auf seinem Laufsteg, dem Fußballplatz, hat er zuletzt jedoch keine gute – oder gar keine Figur gemacht wie zuletzt bei den Länderspielen gegen Österreich und die Färöer, in denen er nicht eine einzige Minute zum Einsatz kam.

          Die Fragen, die sich insoweit stellen, wertete Klopp als Angriff und wies darauf hin, „dass auch Fußballspieler nur Menschen sind“. Das sei manchen Leuten vielleicht völlig neu, sagte er mit beißendem Spott, „aber es ist so“. Dem Menschen und Profi Hummels sei manches zuletzt nicht so ganz gelungen, so wie das in jeder Phase des Lebens vorkommen könne – mit dem Unterschied, dass im richtigen Leben nicht täglich darüber berichtet werde.

          Es fehlt die Souveränität

          Abseits rhetorischer Scharmützel ist Hummels’ Position vorläufig geschwächt, zumindest in der Nationalelf. Angefangen hatte die jüngste Rezession mit dem Länderspiel gegen Paraguay. In der ersten Augusthälfte kam die Partie nicht nur für den Dortmunder Innenverteidiger zur Unzeit, aber Hummels wirkte gegen den Außenseiter aus Südamerika auf den ersten und für manche auch auf den zweiten Blick besonders unglücklich.

          Seine Unsicherheit griff über auf die Leistung im Verein. Beim Auswärtsspiel in Frankfurt wurde er ausgewechselt – offiziell, weil er Gefahr lief, vom Schiedsrichter und nicht vom Trainer des Feldes verwiesen zu werden. Es hätten sich an diesem Nachmittag aber auch andere Gründe finden lassen, im Abwehrzentrum umzustellen.

          Ein Trainer, zwei Innenverteidiger: Setzt Jürgen Klopp auf Neuzugang Sokratis (Mitte) oder Mats Hummels?

          Hummels fehlte zuletzt die Souveränität, die er sonst an guten und manchmal sogar an nicht ganz so guten Tagen ausstrahlt. Selbst der Dortmunder Sportdirektor kommt auf den Tiefausläufer zu sprechen, der das Hoch Mats stört. Hummels habe derzeit „nicht die beste Phase“, sagte Michael Zorc. Diese Einschätzung deckt sich mit dem Befund des Bundestrainers.

          Joachim Löw sagte, er habe den forschen Verteidiger „in den letzten Spielen für Dortmund gesehen“, halte ihn weiter für einen „sehr guten Innenverteidiger“, müsse aber feststellen, dass Hummels „noch nicht die Sicherheit“ besitze, die ihn grundsätzlich auszeichne. Unter diesen Umständen kann Hummels sich bei der Nationalelf nicht so sicher fühlen wie bei der Borussia. In den WM-Qualifikationsspielen gegen Österreich und Färöer wurden ihm Jerome Boateng und Per Mertesacker vorgezogen. Der eine überzeugt derzeit beim FC Bayern, der andere hat neunzig Länderspiele und mit bald 29 Jahren beim FC Arsenal einen Karriereschub erhalten.

          Ein wortloser Abgang

          Dennoch sagte Löw, er baue auf „diesen Klassejungen“ aus Dortmund. Nur eben nicht uneingeschränkt und ausnahmslos – mehr hat die Umstellung zunächst einmal nicht zu bedeuten. Als Abwehrchef eines europäischen Spitzenklubs wird Hummels die Größe und die Geduld aufbringen müssen, sich einem Konkurrenzkampf zu stellen, den er vielleicht schon gewonnen glaubte – wie Mertesacker es getan hat, der schon in die Nähe eines Auslaufmodells gerückt wurde, sich dann aber in der Premier League im modernen Gewand präsentierte und neuerdings sogar als Deutschlands Innenverteidiger Nummer eins gilt.

          Hummels sieht sich in Dortmund und wohl auch in der Nationalelf als Abwehrchef. Aber jüngst zog er wortlos davon. Was soll einer auch sagen, der nicht gespielt hat? In Dortmund wird er an diesem Samstag (18.30 Uhr / Live im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) gegen den Hamburger SV wieder spielen, da kann man sicher sein. Beim BVB gelten andere Ordnungen, auch wenn mit Sokratis, dem Griechen aus Bremen, ein Verteidiger von Format dazugekommen ist. Bei Klopp genießt Hummels weiter höchste Wertschätzung. Es müsse ja nicht immer von Nachteil sein, wenn ein Spieler in der Nationalelf außen vor bleibe, sagte der Trainer. „Ich bin froh, dass Mats für Borussia Dortmund spielt, und freue mich auf die nächsten Jahre mit ihm.“

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