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3:1 gegen Eintracht Frankfurt : Dortmunder Traumtore gegen das Trauma

  • -Aktualisiert am

Dortmunder Jubel: Der BVB geht gegen die Eintracht in Führung Bild: EPA

Borussia Dortmund ist nach dem Anschlag und der Champions-League-Pleite unter der Woche zurück im Bundesliga-Alltag. Beim Erfolg gegen Eintracht Frankfurt bereitet besonders ein Rückkehrer Freude.

          Vier Tage nach dem Sprengstoffanschlag auf die Mannschaft und drei Tage nach der Hinspielniederlage gegen Monaco im Viertelfinale der Champions League ging es für Borussia Dortmund darum, einen ersten Schritt zurück in die Normalität zu machen. Insofern kam die Frankfurter Eintracht den Westfalen als Gegner gerade recht. Heimsiege über die Hesssen gehörten für den BVB in den vergangenen Jahren zur Normalität.

          Das war auch an diesem 29. Spieltag der Fußball-Bundesliga nicht anders. Beim 3:1 gelang es den Dortmundern mit einer vor allem in der ersten Halbzeit überzeugenden Leistung, die Eintracht wie in den fünf Spielzeiten zuvor im eigenen Stadion zu bezwingen. Dem frühen Tor des Rückkehrers Marco Reus (3. Minute) folgten Treffer von Sokratis (35.) und Pierre-Emerick Aubemeyang (86.). Bei den Frankfurt, seit nunmehr zehn Ligaspielen ohne Sieg, hatte Fabián mit dem Ausgleichstor zwischendurch die Hoffnung auf einen Punktgewinn geweckt. Doch letztlich gelang es dem Außenseiter in der insgesamt schwächeren zweiten Hälfte nicht, den BVB in ernste Bedrängnis zu bringen.

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          Besser hätte die Partie für Dortmund nicht beginnen können. Nicht nur, dass Reus nach mehrwöchiger Verletzungspause in die Elf zurückkehrte; der agile Angreifer führte sich bei seinem Comeback auch prächtig ein – als Tempomacher und als Torschütze. Die Partie hatte kaum begonnen, da erwachte schon der Künstler in Reus, der Anfang März zuletzt in der Bundesliga gespielt hatte. Nachdem Aubameyang die Kugel in den Strafraum gehoben hatte, zeigte sich Christian Pulisic im Strafraum durchsetzungsfähig, flankte und fand in Reus einen Abnehmer, der Kür und Pflicht in dieser Szene lustvoll zu verbinden wusste. Der Torschütze bugsierte den Ball mit der Hacke ins Netz. Was für ein Auftakt für die Rückkehr in den Alltag.

          Die frühe Führung erleichterte den Verdrängungsprozess, den die Borussen nach dem Attentat vom Dienstagabend zu bewältigen haben. Sie schienen manche Hemmungen abgelegt zu haben, die am Mittwoch gegen Monaco in der ersten Hälfte noch zu spüren waren. Kagawa verpasste es allerdings, den Vorsprung zeitig auszubauen. Und auch auf den Rängen kehrte der Alltag wieder ein, nicht zuletzt was das (niedrige) Niveau der Schmähgesänge betraf. Die Frankfurter ließen sich durch die Dortmunder Angriffswellen der ersten halben Stunde nicht über Gebühr beeindrucken. Auch mit wenig Ballbesitz brachten sie gefährliche Vorstöße zustande. Fabián verfehlte knapp das Ziel, und als Gacinovic aus sechs Metern schoss, musste BVB-Torhüter Roman Bürki sein ganzes Können aufbieten, um mit einer Abwehrreaktion den Ausgleich zu verhindern. Nach einer knappen halben Stunde konnte aber auch Bürki gegen Fabiáns Distanzschuss in den Winkel nichts mehr ausrichten.

          Auch dieser Schuss in den Winkel verdiente eine hohe Wertung in der B-Note. Als sich die Partie ein wenig zu beruhigen schien, nutzte Sokratis eine Gelegenheit, die sich eher unvermutet ergab. Der Abwehrchef hatte sich in den Angriff eingeschaltet – und plötzlich freie Schussbahn. Aus etwa 20 Metern schickte er die Kugel mit voller Wucht in den Winkel. Der zweite gelungene Dortmunder Beitrag unter dem Arbeitstitel Traumtore gegen das Trauma. So gingen die Borussen mit einer Führung in die Pause, ohne sich der Sache sicher sein zu können.

          Ohne Reus, dessen Teilzeitarbeit nach 45 beendet war, erreichten die Dortmunder nicht mehr den Schwung des ersten Durchgangs und wechselten in eine Art Sicherheitsmodus. Aubemeyang vergab zweimal die Chance, klare Verhältnisse zu schaffen, holte das Versäumte in der Schlussphase mit dem letzten Tor des Nachmittags aber noch nach. So gelang es den Westfalen, diese aufregende Woche, die im Zeichen des Terrors stand, mit einem sportlichen Erfolg abzuschließen, der ein erster Schritt auf dem Weg zurück in den Alltag sein könnte.

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