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4:2 in Leverkusen : Dortmund überholt Bayern nach furioser Aufholjagd

Aus 0:2 mach 2:2 – Reus trifft in furiosen fünf Minuten zum Ausgleich für Dortmund. Am Ende siegt der BVB sogar noch. Bild: dpa

Bayer und die Borussia liefern sich ein spektakuläres Fußballspiel. Leverkusen sieht schon wie der Sieger aus. Doch dann gelingt dem BVB eine wundersame Wende – und der Sprung auf Platz eins.

          2 Min.

          Was für eine Art, die Tabellenführung zu erobern! Am Samstagabend hat Borussia Dortmund mit einer wundersamen Wende in der letzten halben Stunde eine verloren scheinende Partie noch gedreht und sich mit einem famosen 4:2-Sieg bei Bayer Leverkusen als letzte noch ungeschlagene Mannschaft der Bundesliga an Bayern München vorbeigeschoben. Mitchell Weiser (9. Minute) und Jonathan Tah (39.) hatten die zunächst überlegenen Leverkusener 2:0 in Führung gebracht, ehe Jacob Bruun Larsen (65.), Marco Reus (69.) und Paco Alcacer (85./90.+4) die dramatische Partie doch noch für Dortmund entschieden. „Dass wir eine Reaktion zeigen mussten, war klar, denn sonst wäre das ganz anders ausgefallen“, sagte BVB-Kapitän Marco Reus zum Leistungsschub in der zweiten Halbzeit. „Wenn du so eindrucksvoll zurückkommst, ist das schon stark“, sagte Reus bei Sky. 

          Bundesliga
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Am Mittwoch, beim 7:0 gegen Nürnberg, hatte die Dortmunder Mannschaft wie entfesselt gewirkt, am Samstag, keine siebzig Stunden später, aber 65 Minuten lang wie in Ketten gelegt. Dabei hatte Trainer Lucien Favre mit Ausnahme des für Marcel Schmelzer nach abgesessener Sperre zurückgekehrten Abdou-Lakhad Diallo auf dieselbe Aufstellung vertraut. Doch die junge Auswahl mit einem Durchschnittsalter von knapp über 23 Jahren wirkte lange Zeit überfordert von der konzentrierten Leistung der Leverkusener, die mit starkem Pressing, scharfen Zweikämpfen und hoher Laufbereitschaft völlig anders als die ängstlichen Nürnberger auftraten.

          Ein Missverständnis von Reus und Delaney führte vor dem ersten Gegentor zum Ballverlust, worauf in der Rückwärtsbewegung gleich zwei BVB-Verteidiger ausrutschten, erst Manuel Akanji, dann Achraf Hakimi, so dass der Ball im rechten Rückraum bei Weiserlandete. Der Rechtsverteidiger traf aus zwanzig Metern per Direktabnahme flach ins linke Eck. Die Dortmunder kamen gegen die geschickt störenden Leverkusener lange Zeit kaum einmal mit strukturiertem Spielaufbau aus der eigenen Hälfte heraus.

          Als Mittelstürmer Maximilian Philipp nach 38 Minuten einmal zu einem (misslungenen) Fallrückzieher ansetzte, wurde das von Schiedsrichter Felix Brych als „gefährliches Spiel“ abgepfiffen. Dabei war es das einzig Gefährliche des Teams in Gelb bis zur Pause. Anders das Bayer-Team, das im kurzen Chaos nach einer Ecke das 2:0 erzielte. Allen Dortmunder Klärungsversuchen zum Trotz landete der mehrfach gestocherte Ball beim ungedeckten Tah, der ihn unter dem Bauch von Torwart Bürki hindurch ins Tor schob.

          Zunächst kam der BVB nicht an Leverkusens Torwart Hradecky vorbei. Bilderstrecke
          4:2 in Leverkusen : Dortmund überholt Bayern nach furioser Aufholjagd

          Nach der Pause bewahrte Bürki den BVB zweimal mit starken Paraden vor dem dritten Gegentor, gegen Julian Brandt (49.) und Kai Havertz (57.). Einmal, beim unerreichbaren Flachschuss von Kevin Volland, rettete ihn der linke Pfosten (54.). Doch dann schlug die Stunde der nun Alles oder Nichts spielenden Dortmunder. Reus nahm eine Flanke von Hakimi volley aus spitzem Winkel, Torwart Hradecky konnte den scharfen Schuss nicht festhalten, Bruun Larsen drückte ihn über die Linie. Es war ein Wirkungstreffer. Gegen die völlig entblößte linke Abwehrseite der Leverkusener spielten Jadon Sancho und Reus sich den Ball im Höchsttempo vom eigenen bis vor das gegnerische Tor mehrfach hin und her, bis Reus zum Ausgleich traf. Damit ist der 18 Jahre alte Engländer Sancho, erst zwei Minuten zuvor eingewechselt, der augenblicklich gefährlichste Joker der Welt – es war seine sechste Torbeteiligung in dieser Saison in nur 145 Spielminuten. „Natürlich haben wir 60 Minuten super dagegen gehalten. Wir hatten noch Chancen, um den Sack zuzumachen. Dortmund hat seine Chancen eiskalt genutzt“, sagte Leverkusens Nationalspieler Julian Brandt. 

          Ein anderer Dortmunder Joker, Paco Alcacer, sorgte dann für die Vollendung der wundersamen Wende. Mit der Fußspitze erreiche der Spanier ein Zuspiel von Hakimi und lenkte es zum 2:3 ins lange Eck. In der Nachspielzeit vollendete er die magische halbe Stunde des BVB mit dem vierten Treffer, wieder auf Vorarbeit von Sancho. Alcacer traf ins vom gegnerischen Torwart verlassene Tor in der Nachspielzeit. Das macht elf Tore binnen vier Tagen – sie brachten den dem BVB die Tabellenführung und ihren Fans die Lizenz zum Träumen.

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