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Niederlage in Augsburg : Dortmunder werden zur trägen Masse

  • -Aktualisiert am

Auf dem Boden der Tatsachen: Dortmund verliert gegen Augsburg 0:2. Bild: Reuters

Nach dem fulminanten Saisonauftakt herrscht bei dem BVB Ratlosigkeit gegen Augsburg. Dabei wird den jungen Dortmundern eine simple wie effektive Taktik zum Verhängnis.

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          Kurz nach dem Ende der Tagesschau um 20 Uhr landete der Flieger mit den Fußballprofis des BVB schon wieder in Dortmund. Die Brille, die Erling Haaland trug, passte überhaupt nicht zum Wetter, dafür aber zu der Dienstreise. Der Stürmer aus Norwegen trug eine Sonnenbrille mit Gläsern, die im Farbspektrum dem Rosarot zumindest sehr nahe waren.

          Bundesliga

          Als Mats Hummels die 0:2-Niederlage am Nachmittag beim FC Augsburg erklärte, hätte diese Brille gut auf seine Nase gepasst. „Ich habe das Gefühl, dass wir eigentlich in vielen Bereichen ein sehr gutes Spiel gemacht haben“, sagte der Innenverteidiger. Lucien Favre ging in eine ähnliche Richtung, als er davon sprach, dass „wir insgesamt kein schlechtes Spiel gemacht“ hätten. Wie bei nahezu jeder Analyse von enttäuschenden Ergebnissen fügte der Trainer von Borussia Dortmund hinzu, dass seine Mannschaft „mehr Geduld“ hätte aufbringen müssen. „Wenn eine Seite blockiert ist, musst du auch mal zurück oder quer spielen“, sagte er, bevor er im entscheidenden Zusatz das Zauberwort „schnell“ hinzufügte.

          Zu Beginn des Spiels war es dem BVB noch ein paarmal gelungen, mit dieser von Favre so gern gesehenen Taktik zum Erfolg zu kommen. Es ergaben sich Chancen, wenn auch keine aus der besten Kategorie. Je länger die Augsburger aber mit ihrer robusten Art erfolgreich dagegenhielten und auch mal den Knöchel statt den Ball trafen, reduzierte sich das Dortmunder Spiel auf quer, zurück und gemächlich.

          Die Ballbesitzquote und Pass-Statistiken sehen deshalb nun hervorragend aus, das Resultat miserabel. „Es ist schwierig, dieses Ergebnis zu akzeptieren“, sagte Favre mit Blick auf die Pseudoüberlegenheit, die mit fortlaufender Spielzeit aus einer im Offensivbereich so jungen wie hochtalentierten Mannschaft eine träge Masse machte. Die Einwechslung der erfahrenen Marco Reus und Julian Brandt beschleunigte diesen Prozess eher noch.

          Keine Wende gegen Augsburg

          Bei Haalands Debüt im Januar dieses Jahres lag der BVB in Augsburg 0:2 und 1:3 zurück, gewann auch dank dreier Tore des Norwegers noch 5:3. Eine solche Wende war am Samstag vor 6000 Zuschauern nie in Sicht.

          Dieses Mal dauerte es also noch einen Spieltag weniger als in der vergangenen Saison, bis die Borussia dieses Muster zeigte, in das sie unter Favre häufiger verfällt. Beim 1:3 bei Union Berlin, einem im August 2019 zwar emotionalisierten, aber doch erheblich limitierten Aufsteiger, war es auch so. In der Saison davor passierte es unter anderem schon mal in Augsburg. Gegen Werder Bremen geschah es auch mehrmals, zweimal gar im DFB-Pokal, in dem es nichts zu reparieren gibt.

          Giovanni Reyna und Jude Bellingham sind 17 Jahre alt, Jadon Sancho und Haaland 20. Ein deutlicher Leistungsabfall, wie nun im Vergleich zur Vorwoche beim 3:0 gegen Borussia Mönchengladbach passiert, scheint da eher möglich als bei einer Mannschaft mit höherem Durchschnittsalter. Aber in Augsburg war es der Mut, der den Dortmundern fehlte, die Bereitschaft, riskante Pässe zu spielen, schärferes Tempo in den Kombinationen anzuschlagen.

          „Das hat nichts mit jungen Spielern zu tun“

          Die simple wie effektive Taktik des FC Augsburg ging daher auf. „Die Mannschaft hat unseren Plan sehr gut umgesetzt und ist füreinander und nicht nur miteinander aufgetreten“, sagte Trainer Heiko Herrlich, der einst beim BVB spielte. Einen „absoluten Arbeitssieg“ nannte Felix Uduokhai den Erfolg, den er mit einem Kopfballtreffer in der 40. Minute einleitete. Daniel Caligiuri erzielte das 2:0 (54.). Der Treffer des ehemaligen Schalkers war bezeichnend. Zunächst war er schneller als der Dortmunder Zugang Thomas Meunier, dann setzte er sich im Duell Schulter an Schulter durch. „Wir haben solche Spielverläufe schon häufiger gehabt, und das ist ärgerlich“, sagte der Dortmunder Sportdirektor Michael Zorc. Wie im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung lehnte er einen Zusammenhang mit dem Altersdurchschnitt jedoch ab: „Das hat nichts mit jungen Spielern zu tun. Auch ältere Spieler haben Fehler gemacht. Da wird oft zu einfach gedacht.“

          Nach zwei Siegen zum Auftakt, die dem FCA erstmals in seiner Bundesligageschichte gelangen, thronte der Verein zumindest über Nacht und bis zum Hoffenheimer Sieg über den FC Bayern an der Tabellenspitze. Der BVB hingegen ließ gegen jede Erwartung Punkte liegen. Der Supercup am Mittwoch beim FC Bayern dürfte daher eine noch lästigere Pflicht als ohnehin werden. „Ich denke noch nicht an dieses Spiel“, sagte Favre in Augsburg.

          In den vergangenen Jahren galt das frühe Duell zwischen den beiden Branchenriesen als erster Gradmesser für die Aussichten im Meisterrennen. In dieser Beziehung hatte Favre schon nach dem Sieg gegen Mönchengladbach für eine Klarstellung gesorgt. Bayern sei die beste Mannschaft der Welt, und wer dies nicht sehe, habe keine Ahnung vom Fußball. Den Worten eines maximal Zweitbesten ließ die Borussia aus Westfalen Taten folgen. Quer, zurück und meistens zu langsam.

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