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Borussia Dortmund : Meisterwette gilt nicht mehr

  • -Aktualisiert am

Haben die Meisterschale schnell zur Hand: Dortmunder Fußballfans Bild: dpa

Alle tippen auf Borussia Dortmund - ein Wettanbieter zahlt sogar schon die Gewinne aus. Die Konkurrenten testen Strategien der Verunsicherung, doch der Tabellenführer zeigt sich vor dem Rückrundenstart gegen Bayer Leverkusen (20.30 Uhr) unbeeindruckt.

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          Auf Borussia Dortmund als kommenden deutschen Fußballmeister zu setzen erscheint nicht mehr besonders originell oder gar mutig. Für manche von denen aber, die einen solchen Tipp vor längerer Zeit gewagt haben, zahlt sich die Wette schon aus, bevor der BVB an diesem Freitagabend mit dem Auswärtsspiel gegen Bayer Leverkusen in die Rückrunde der Bundesliga startet (20.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker). Ein Wettanbieter hat den Mitspielern, die vor der Saison auf Dortmund als Champion getippt hatten, ihren Gewinn bereits ausgeschüttet.

          Eine lustige und vermutlich auch werbewirksame Maßnahme, aber durchaus nicht abwegig. Einen Vorsprung zu verspielen, wie die Borussia ihn nach der Hinrunde hat, dürfte mindestens so schwer sein, wie sich diesen Vorsprung zu erarbeiten. Dortmund liegt zehn Punkte vor den „unmittelbaren“ Verfolgern Mainz und Leverkusen. Der FC Bayern München müsste sogar vierzehn Zähler aufholen, um seinen Titel zu verteidigen. Dennoch erfüllt die vorzeitige Ausschüttung der Wettgewinne Jürgen Klopp mit Unverständnis. „Ich kann schon Leute nicht verstehen, die wetten“, sagt der Dortmunder Trainer. „Wie soll ich dann Leute verstehen, die Wettgewinne ausbezahlen.“

          Die Konkurrenz sagt dem Tabellenführer „schwere Zeiten“ voraus

          Aber es sind nicht nur Zahlen, die für den Spitzenreiter sprechen. Die junge Mannschaft des BVB hat die Konkurrenz auch mit erstaunlicher Spielstärke überflügelt. Hätte nicht Eintracht Frankfurt den Tabellenführer am letzten Spieltag der Hinrunde bezwungen, der Liga drohte noch mehr Langeweile an der Spitze. So bleibt manchem Mitbewerber die Hoffnung, es doch noch spannend zu machen. Dabei zeichnen sich zwei Wege ab, die von den Konkurrenten, je nach Tagesform, wechselweise beschritten werden.

          Kann Leute nicht verstehen, die wetten: Jürgen Klopp

          Jupp Heynckes, der Trainer von Bayer Leverkusen, erwartet, dass Dortmund irgendwann eine schwächere Phase durchleben werde. Die Münchner wollen dem Favoriten einreden, er werde den Druck des aufholenden Rekordmeisters zu spüren bekommen. Das ist die eine Seite, die andere ist das genaue Gegenteil. Dortmund könne sich nur selbst schlagen, behauptet der Leverkusener Sportdirektor Rudi Völler. Und der Münchner Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge sagt, Bayern werde die Dortmunder so lange loben, bis sie in eine Krise fallen.

          Die Dortmunder zeigen sich unbeeindruckt

          Der Favorit wider Willen scheint vor allem in psychologischer Kriegsführung gefordert und sieht sich gewappnet, unabhängig davon, ob der angeschlagene Mario Götze oder der lange verletzte Mohamed Zidan den japanischen Mittelfeldstrategen Shinji Kagawa vertritt, der an der Asienmeisterschaft teilnimmt. Die Dortmunder zeigen sich unbeeindruckt von solchen Manövern und wollen den Eindruck erwecken, sie hätten die mehr oder weniger subtilen Angriffe der Konkurrenz durchschaut. Diese Situation sei „nicht neu“, sagt Verteidiger Neven Subotic. „Wir sind schon lange die Gejagten und fahren gut damit. Es gibt nicht nur die Taktik, uns niederzumachen, sondern auch die Variante, uns übertrieben zu loben. Beides soll den Druck verstärken.“

          Der Trainer versucht den Dschungel der Masterfragen mit einer Mischung aus (gespielter?) Demut und Selbstbewusstsein zu durchqueren. In Leverkusen sei seine Mannschaft „von der Favoritenrolle weit entfernt“, behauptet Klopp, dennoch sei sie in der Lage, „auf Augenhöhe mit Bayer Fußball zu spielen“ - anders als bei der Auftaktpartie, die Dortmund mit der schlechtesten Saisonleistung verlor. Diese Niederlage binnen weniger Tage verdaut zu haben ist in Klopps Augen ein bedeutendes Beispiel dafür, dass seine Spieler im Aufarbeiten von Rückschlägen „Talent bewiesen haben“. Wenn das so ist, fragt sich der Beobachter nur, warum die Meisterfrage ihn so stört.

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